Testspiel in Klagenfurt Drei Thesen zur Niederlage gegen Österreich
Manuel Neuer
Foto: VLADIMIR SIMICEK/ AFPDie deutsche Nationalmannschaft musste im letzten Testspiel vor der endgültigen Kadernominierung für die WM in Russland einen Rückschlag hinnehmen. Gegen Österreich verlor das Team von Joachim Löw 1:2. Was bedeutet dieses Ergebnis mit Blick auf das bevorstehende Turnier? Drei Thesen.
1. Die Niederlage sagt nichts über die deutschen Chancen bei der WM
Das Prozedere vor großen Turnieren ist seit Jahren beinahe identisch: Auf den alle zwei Jahre vorgetragenen Hinweis, der Ausgang der Testspiele sei nebensächlich, folgt in der Regel ein unerwarteter Rückschlag und eine gewisse Verunsicherung im deutschen Fanlager. In der weiteren Vorbereitung auf das Turnier gelingt es Löw allerdings, das Team in Form zu bringen. Das Auftaktspiel wird dann recht souverän gewonnen. Anders wird es auch dieses Mal nicht laufen.
Vor der Europameisterschaft 2016 verlor die DFB-Auswahl 1:3 gegen die Slowakei, vor der WM 2014 kam sie gegen Kamerun nicht über ein 2:2 hinaus. Zwei Jahre zuvor offenbarte die Schweiz defensive Defizite beim deutschen Team und gewann mit 5:3. Auch damals war es eine historische Pleite - von noch größerem Ausmaß als jetzt gegen Österreich. Während das 2:1 von Klagenfurt der erste Sieg einer ÖFB-Auswahl gegen Deutschland seit beinahe 32 Jahren war, überwanden die Schweizer gar eine Durststrecke von 56 Jahren.
Was nach Sensationen für die Ewigkeit klingt, ist schon bald nur noch für die Statistik interessant. Denn: Die anstehenden zwei Wochen intensiver Trainingsarbeit werden auch dieses Mal wichtiger sein als ein Vorbereitungsspiel.
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2. Die Kadernominierung wird leichter
Löw zeigte sich nach dem Spiel auffällig enttäuscht vom Auftritt seiner Mannschaft, gerade die Leistung nach der Pause konnte ihm nicht gefallen. Interessanterweise wird ihm die Partie aber in der Entscheidungsfindung helfen. Immerhin setzt sich der Kader für die Endrunde fast von selbst zusammen.
Man muss sich das DFB-Team in der jetzigen Zusammensetzung wie eine Drei-Klassen-Gesellschaft vorstellen: Es gibt die unumstrittenen Stammspieler, die in Russland die meiste Spielzeit bekommen werden. Dann gibt es eine Handvoll Spieler, die sich als Alternative zu den Gesetzten in Stellung bringen und auf sporadische Einsätze hoffen dürfen. Und schließlich noch die Wackelkandidaten, die höchstens auf einen Bankplatz spekulieren, aber auch kurz vor dem Turnier nach Hause geschickt werden könnten.
Die eingesetzten Wackelkandidaten Nils Petersen, Sebastian Rudy und Leon Goretzka konnten den Österreich-Test nicht für sich nutzen. Davon dürften Spieler der Kategorie zwei profitieren wie Mario Gomez und Julian Draxler, die durch herausragende Leistungen ihrer direkten Konkurrenten womöglich noch in Bedrängnis gebracht worden wären, nun aber beruhigt die Verkündung des finalen Kaders abwarten können.
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3. Neuer hat sich für die WM empfohlen - das ist eine schlechte Nachricht
Manuel Neuer hat sich im Spiel gegen Österreich keinen schwerwiegenden Fehler geleistet. Der zuvor langzeitverletzte Kapitän zeigte ein gutes Comeback im Nationaltrikot, sein Mittelfuß hielt. Eine tolle Nachricht für Neuer. Das Problem: Löws Entscheidung pro Neuer und gegen Marc-André ter Stegen dürfte damit feststehen.
Durch seine Aussage, Neuer fahre als Nummer eins zum Turnier oder gar nicht, hat sich Löw unnötig in Bedrängnis gebracht. Montag muss der Bundestrainer seinen Kader für Russland bekanntgeben und kann sich eigentlich nicht mehr gegen Neuer entscheiden. Denn der hat seine Prüfung bestanden.
Ter Stegen, der in Abwesenheit des Bayern-Torwarts gute Spiele für die Nationalmannschaft gemacht hat, wurde seit Beginn des Trainingslagers in Südtirol immer mehr in die Statistenrolle gedrängt. Er wird mit dem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen müssen. Dabei muss die Frage erlaubt sein: Ist eine fehlerlose Leistung in Klagenfurt nach neun Monaten Zwangspause genug, um die überragende Saison des Konkurrenten beim FC Barcelona vergessen zu machen? Nein, eigentlich nicht. Trotzdem wird Neuer beim Auftaktspiel des deutschen Teams gegen Mexiko im Tor stehen.