Achilles' Verse: Trainer wider Willen - DER SPIEGEL
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Achilles' Verse Trainer wider Willen

Selbst im Urlaub wirkt der Ruhm von Achim Achilles. Weil der Hotel-Fitnesstrainer krank ist, hat seine Gattin den Wunderläufer umgehend als Trainer vermarktet. Das kommt davon, wenn Laufpartner nie zuhören.
Läufergruppe beim Rennen: "Ich überlegte, einen Schlaganfall zu simulieren"
Läufergruppe beim Rennen: "Ich überlegte, einen Schlaganfall zu simulieren"

Läufergruppe beim Rennen: "Ich überlegte, einen Schlaganfall zu simulieren"

Foto: A3999 Malte Christians/ dpa
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Die Partner von ambitionierten Freizeitsportlern neigen allesamt zum gleichen bösen Verhalten: Im Alltag verabscheuen sie die, seien wir ehrlich, bisweilen tatsächlich etwas eigenartigen Lebensgewohnheiten ihrer schnelleren Hälften.

Pausenlos und vor allem völlig unbegründet wird herumgemosert. Wenn's regnet, sind die Trainingsklamotten nun mal nass. Und im ehelichen Schlafzimmer trocknen gerade die erdigen Schuhe erfahrungsgemäß am besten. Der Gymnastikball in einem zurückhaltend-fröhlichen Blau fällt unterm Wohnzimmertisch neben den Hanteln kaum auf. Und die paar Krümel Sand in der Badewanne sind nun echt kein Grund zum Aufregen.

Na gut, der Olivenölrand ist Geschmackssache, wobei die eingebackenen Borsten das Entfernen leichter machen. Aber die geschundene Leistungshaut will nun mal nachgefettet sein und vor allem erstklassig epiliert. "Nächstes Mal fliegst Du raus", droht Mona, nachdem sie mich auf die Knie gezwungen hat, damit ich die Wanne schrubbe. Nächstes Mal - paah, da heirate ich meinen Trainer und kaufe eine kakaobraune Badewanne mit Massagedüsen. Der Psychoterror ewig mauliger Partner ist eines der Haupthemmnisse auf dem Weg zu Spitzenleistungen.

Aber wehe andere Leute sind in Hörweite, zum Beispiel im Urlaub. Dann geht plötzlich das Geprotze los. Neulich an der Hotelrezeption unserer kleinen Alpenherberge zum Beispiel. Während ich die Kinder mit der Aussicht auf einige liebevolle Backpfeifen zu bändigen versuchte, vernahm ich mit einem Ohr, wie die ehemalige und zukünftige Sporthasserin Mona für ein paar wenige Sekunden mit mir angab.

Plötzlich Lauftrainer des Hotelkurses

"Sehr gut trainiert" war zu hören, "oft gewonnen" und "liest jede wissenschaftliche Studie zur Trainingsmethodik " - war da womöglich von mir die Rede? Kein Wort stimmte, nicht mal die Tendenz. Das kommt davon, wenn Lauf-Partner nie zuhören. Mona glaubt immer noch, dass in der Läufer-Bunten namens "Runner's World" neue oder gar fundierte Erkenntnisse zu lesen wären oder dass praktisch jeder gewinnt, der an einem Volkslauf teilnimmt - "sonst müsste man da ja gar nicht mitmachen", so Monas Einstellung.

Das ist pragmatisch gesehen richtig, aber emotional eben nicht. Ich humpelte Richtung Tresen, instrumental begleitet von hingetupften tuberkulösen Hustern. Was heckte meine Frau dort nur aus? "Schön, dass Sie unseren Laufkurs heute leiten", begrüßte mich die Hoteliere. Der Fitnesstrainer war leider von einem Virus niedergestreckt worden, weshalb nun dringend ein Übungsleiter für den Programmpunkt "Professionelles Lauftraining: Spaß mit Tempo" gesucht wurde.

Aber in dieser Ankündigung stimmten mindestens drei Fakten nicht: professionell, Spaß, Tempo. Wie kam meine Gattin dazu, ihren ansonsten allenfalls zum Spott zu gebrauchenden Mann als Animateur für adipöse Gelegenheits-Jogger zu vermarkten. Schlechtlaunige Schweizer wahrscheinlich, mit Getränkehalfter und Doppelstöcken, die mich hinterher wegen Muskelkater verklagen würden. Ich überlegte, mich zu Boden zu werfen und einen Schlaganfall zu simulieren. "Das macht dir doch bestimmt Spaß, Schatz, oder?", säuselte Mona. "Nein", dachte ich. "Okay, dann um 17 Uhr", sagte meine künftige Chefin. Ich sehnte mich zurück ins Büro.

Lesen Sie in Teil zwei: Wie Übungsleiter Achim Achilles seine Läufergruppe gegen sich aufbringt.

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