Basketballer Yao Ming: Der ewige Kämpfer - DER SPIEGEL
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Basketballer Yao Ming Der ewige Kämpfer

Im Juli musste Yao Ming seine Karriere nach zahlreichen Verletzungen beenden. In China wurde der Basketballer früh gefördert und sollte zum Superstar getrimmt werden. Das Basketball-Magazin "FIVE" blickt auf seine Karriere zurück.
Von Tobias Jochheim
Ex-Profi Ming: Repräsentant von 1,3 Milliarden Menschen
Ex-Profi Ming: Repräsentant von 1,3 Milliarden Menschen

Ex-Profi Ming: Repräsentant von 1,3 Milliarden Menschen

Foto: CARLOS BARRIA/ REUTERS
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Hamburg - Yao Ming hat gekämpft. Länger und härter, als es sich viele Menschen vorstellen können. Schon als Achtjähriger absolvierte er sechs Trainingseinheiten pro Woche. Mit 13 wurde er auf Anweisung chinesischer Funktionäre in Shanghai in ein Sportinternat verfrachtet. Dort schliffen ihn die besten Sportwissenschaftler des Riesenreichs zum Prototyp des perfekten Centers. Das Ziel des Projekts Yao Ming lautete Nummer-eins-Pick der NBA - und nach acht Jahren Arbeit wurde es 2002 erreicht.

Yao musste einem höheren Druck standhalten als je ein Athlet vor ihm. Für alles Mögliche war er Posterboy und Projektionsfläche: Repräsentant von 1,3 Milliarden Menschen und Ein-Mann-Imagekampagne für ihr Heimatland, Brücke zwischen gegensätzlichen Kulturen, Synthese aus Kommunismus und Kapitalismus, Überwinder der physikalischen Grenzen seines eigenen Körpers.

All diese Rollen füllte er aus, und zwar - mit den Worten von Jeff Van Gundy, der ihn vier Jahre lang bei den Houston Rockets coachte - "fehlerlos, mit Anmut und Weisheit". Das "Slam Magazine" notierte in einem Anflug von Poesie: "Wenn Yao lächelt, lächelt die Welt mit ihm."

"Houston, I am come", hatte Yao den Rockets noch am Tag der Draft versichert, und das tat er. Allen Zweiflern widersprach er auf dem Platz. Charles Barkley hatte gewettet, Yao würde in seiner Rookiesaison in keiner Partie 19 Punkte erzielen. Schon nach der achten Partie hatte er verloren: 20 Punkte bei einer Trefferquote von 100 Prozent in 23 Minuten, Auswärtssieg gegen den amtierenden dreifachen Champion LA Lakers inklusive.

Yao erfüllt die hohen Erwartungen in der NBA

Und der Chinese steigert sich in den kommenden Jahren immer weiter. Sein Spiel verlor das Schablonenhafte. Er beginnt, die Kraft seiner Gegenspieler gegen sie zu verwenden. Geradezu geschmeidig sind seine Fakes und Spinmoves, der Turnaround-Jumper ist sicher und der Hakenwurf eine Augenweide. Er optimiert den in China als respektlos verpönten Slam Dunk und reduziert die Anzahl der Ballverluste.

Der wichtigste Grund für Optimismus war jedoch: Yaos Körper ist den Strapazen des Center-Daseins offensichtlich gewachsen - obwohl er auf Befehl der Kommunistischen Partei in jedem Sommer die Knochen für das Nationalteam hinhält. Nach drei NBA-Saisons hat er nur zwei Spiele verpasst.

Danach allerdings häufen sich die Knochenbrüche in Knien und Füßen: Yaos Geist ist willig, doch sein Fleisch ist zu schwach. In seinen letzten sechs Jahren in der NBA verpasste Yao 250 Saisonspiele. Noch bitterer ist seine Playoff-Bilanz: nur 28 Auftritte, nur 12 Siege, nur eine gewonnene Playoff-Serie.

Yao war besser vorbereitet als jeder andere - und genau das wurde zu seinem Untergang. Zu viel und zu hartes Training, zu viele Pflichten fürs Vaterland, zu wenig Erholung. Selbst Yaos unschätzbarer Wert als Imageträger brachte ihm keine Sonderrechte: Als er 2007 minimal verspätet zum Nationalteam stieß, mahnte die "China Sports Daily": "Egal, wie süß das Privatleben sein mag, es ist nichts im Vergleich zum Jubel, seiner Nation zur Ehre aufzulaufen."

Ein erneuter Fußbruch verhindert die Playoff-Teilnahme 2009

In seiner Karriere, so schien es, war Yao neun Jahre lang dem Rat aus der "Kunst des Krieges" gefolgt. Eines der frühesten Bücher über Strategie und Wege zum Erfolg, geschrieben vor rund 2500 Jahren. "Zeige zuerst die Schüchternheit eines Mädchens, bis dein Feind den ersten Zug macht, danach entwickle die Geschwindigkeit eines rennenden Hasen, und für den Feind wird es zu spät sein, sich dir zu widersetzen." Die Bilanz von Yaos neun direkten Duellen mit seinem Rivalen Dwight Howard? 7:2 für Houston - und 23,6 Punkte und 10,4 Rebounds gegenüber Howards 12,2 und 9,8.

Doch die große Schlacht blieb aus. 2009 schafft es Houston erstmals seit zwölf Jahren in die zweite Playoffrunde - doch ein erneuter Fußbruch bei Yao zerstört die Chancen auf ein Weiterkommen gegen die Lakers.

Yao begann über das Karriereende nachzudenken, wog das Für und Wider lange ab - und entschied sich schließlich für seine Gesundheit sowie das Dasein als Ehemann und Familienvater, analog zu einer Buchpassage: "Nur wer die schrecklichen Auswirkungen eines langen Krieges kennt, vermag die überragende Bedeutung einer raschen Beendigung zu sehen."

Er wollte nicht enden wie Bill Walton, der Center-Star der 70er Jahre, den Rückenschmerzen beinahe in den Suizid getrieben hätten. Zwei weitere Passagen aus der "Kunst des Krieges" scheinen eigens für Yao geschrieben zu sein. Die erste lautet: "Ein Mann, der darauf brennt, nach Hause zurückzukehren, kämpft todesmutig gegen jeden, der sich ihm in den Weg stellt. Deshalb ist er kein Gegner, den man angreifen sollte."

Am Tag der Pressekonferenz zu seinem Rücktritt mutierte Chinas staatliches Fernsehen sogar fünf Stunden lang zum "Yao-Ming-TV". Ein würdevoller Abschied für einen 30-Jährigen mit 26 Schrauben im linken Fuß, zweifellos: "Doch ein Königreich, das einmal zerstört wurde, kann nie wieder errichtet werden."

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