Bostons Rajon Rondo: Positive Arroganz - DER SPIEGEL
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Bostons Rajon Rondo Positive Arroganz

In Boston organisiert Rajon Rondo als Point Guard das Offensivspiel. Auch den Respekt von Stars wie Kevin Garnett hat er sich erarbeitet - obwohl ihn sein streitbares Gemüt immer wieder zu Konflikten mit Trainer und Kollegen treibt. Das Basketball-Magazin "FIVE" portraitiert.
Von Jan Schiecke
Bostons Celtics: 55 Millionen US-Dollar über fünf Jahre
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Foto: Kathy Kmonicek/ AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dies ist der zweite Teil des "FIVE"-Portraits über Rajon Rondo, zum ersten Teil gelangen Sie hier.

Der 1,81 Meter große Rajon Rondo teilte sich in seiner ersten Spielzeit bei den Boston Celtics die Einsatzzeit ausgerechnet mit Sebastian Telfair. Eine Szene aus dieser Saison zeigte Rondos ungemeines Potential auf. Bei einem Spiel im Madison Square Garden stieg er zuerst über Forward David Lee für einen spektakulären Tip-Dunk. Statt eines Freudentanzes blieb der 73-Kilo-Floh wachsam, fing den folgenden den Einwurf ab und vollendete trotz Foul per Korbleger.

Bei nur 24 Siegen in seiner Premieren-Saison gelang es Rondo nicht immer, seine Emotionen im Zaum zu halten. "Er rollte mit den Augen, wenn seine Teamkollegen nicht den Ball fingen", kritisierte Rivers. "Ein Leader darf nie Energie aus dem Team ziehen, sondern muss noch mehr Kraft geben." 6,4 Punkte und 3,8 Assists sowie ein nicht vorhandener Sprungwurf ließen noch viel Raum für Verbesserung.

Auch die spektakulären Neuverpflichtungen von Guard Ray Allen und Garnett, die ab der Saison 2008 zusammen mit Forward Paul Pierce die "Großen Drei" der Celtics formten, verringerten nur auf den ersten Blick den Druck auf Rondo. "Rajon hat einen verdammt schweren Job", beschrieb der Headcoach die neue Verantwortung. "Drei All Stars erklären ihm ständig, dass sie den Ball haben wollen, und er ist derjenige, der nein sagen muss. Um in seinem zweiten Jahr solche Veteranen dirigieren zu können, braucht man viel Selbstvertrauen und ein dickes Fell."

Die Nummer neun der Celtics jonglierte die Egos der Topstars wie ein Veteran und stellte mit seiner Geschwindigkeit immer wieder den Gegner vor Probleme. "Die ersten sechs Sekunden jedes Angriffs gehören ihm allein", sagte Rivers. "Wir denken, dass er der schnellste Spieler der NBA ist. Er soll attackieren und so entweder für sich oder seine Kollegen leichte Punkte kreieren." Die Celtics kamen mit ihrem jungen Aufbau bis ins Finale 2008 gegen die Los Angeles Lakers.

"Rondo ist arrogant, aber auf eine positive Art und Weise"

Dort legte Rondo im sechsten Spiel mit 21 Punkten, sieben Rebounds, acht Assists und sechs Steals den Grundstein für die erste grüne Meisterschaft seit 1986. "Er hat sich unseren Respekt verdient", sagte Pierce, mittlerweile der dienstälteste Celtic. "Er sagt uns, wenn wir etwas falsch machen. Und er zeigt keine Angst vor großen Namen." Das imponiert nicht nur den Big Three. "Rondo ist arrogant, aber auf eine positive Art und Weise", erklärt Kollege Kendrick Perkins die stoische Einstellung des Youngsters gegenüber den Celtics-Größen.

In der Saison 2008/09 machte Rondo den nächsten Entwicklungsschritt. "Er sieht die Dinge jetzt, bevor sie geschehen", zeigte sich Ray Allen begeistert. 8,2 Assists sind die Folge - 2007/08 hatte Rondo gerade mal 5,1 Vorlagen pro Partie verteilt. Coach Rivers stand dennoch mit der nächsten Kritik bereit. "Rajon muss besser verteidigen", befahl der "Doc". "Die Leute sehen seine 1,9 Steals, aber dieses Spekulieren macht uns angreifbar, wenn es nicht funktioniert. Wir brauchen solide Defense von unserem Point Guard, er startet unsere Verteidigung."

In den Playoffs zeigte Rondo wieder einmal seinen unbedingten Siegeswillen, nach der Auftaktniederlage gegen die Bulls, in der sein Gegenspieler Derrick Rose 36 Punkte erzielte, ließen ihn die Schuldgefühle kaum einschlafen. In der folgenden Partie machte er es, trotz einer Bänderdehnung im Knöchel, besser: 19 Punkte, 16 Assists und 12 Rebounds bedeuteten ein Triple-Double dazu kam Rose nur auf zehn Zähler. Trotz aller Bemühungen des jungen Guards verlor der Champion jedoch gegen die Orlando Magic in der zweiten Runde. Der Traum vom Repeat verpuffte.

Aus dem Schatten der Big Three

Den letzten Sommer nutzte Rondo, um fünf Kilo Muskelmasse aufzulegen, zudem nahm er Wurfnachhilfe beim ehemaligen All Star und Distanzexperten Mark Price.

"Ich sehe keinen Grund, warum Rajon dieses Jahr nicht All Star werden sollte", sagte Pierce bereits in der Vorbereitung auf die neue Spielzeit. Schon in der Preseason zeigte Rondo seine Leaderqualitäten. "Er bettelte mich an, im Spiel bleiben zu dürfen", erklärte Rivers. "Er wollte in einem Freundschaftsspiel gegen die Nets mit den Bankspielern die Partie unbedingt noch umbiegen. Rajon will es dieses Jahr einfach wissen. Der Junge verteidigt besser, spekuliert nicht, trifft die richtigen Entscheidungen in der Offensive und führt das Team an."

Unterdessen wächst auch der Respekt in der Liga. 25 Prozent aller General Manager der NBA sehen Rondo als den besten Verteidiger am Ball, gemeinsam mit Lakers-Guard Kobe Bryant. Ein Spielerbeobchter der Eastern Conference erklärt, dass es selbst mit Sicherheitsabstand kaum möglich sei, Rondo zu verteidigen. "Letztes Jahr hat man gesehen, wie die Celtics ohne KG leben können", erklärt der anonyme Scout.

"Auch Spiele ohne Ray und Paul konnten sie kompensieren. Aber was passiert, wenn Rondo nicht spielt? Wie soll das funktionieren?" Es war an der Zeit, den Mann mit dem Stirnband auf eine Stufe mit seinen namhaften Kollegen zu heben. Dieser Meinung waren auch die Celtics-Offiziellen, die Rondo nach langen Verhandlungen Anfang November einen neuen Vertrag über fünf Jahre und mindestens 55 Millionen US-Dollar unterzeichnen ließen. Der Aufbauspieler dankt es ihnen bisher mit knapp elf Punkten, rund neun Vorlagen und mehr als zwei Steals pro Partie in der laufenden Saison.

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