Boxen Immerhin ein Gegner
Hamburg - Kult-Promoter Don King wird wieder wie aufgekratzt mit seinen Plastikfähnchen wedeln. Wieder gibt es schöne Fotos vorneweg, diesmal mit Jan Koller, dem größten Stürmer des 1. FC Nürnberg. Und wieder verkündet Nikolai Walujew (2,13 Meter), dass er Weltmeister werden will, wieder erzählt Manager Wilfried Sauerland, dass der Russe der beste Schwergewichtler der Welt sei, "wenn er seine physischen Vorteile ausspielt."
Statt eines im Grunde vorher bereits feststehenden Erfolges wie bei Walujews letzten Kampf im September gegen den Kanadier Jean-Francois Bergeron könnte es nun allerdings interessant werden. Immerhin hat Walujew diesmal einen Gegner vor sich, für den der Kampf ebenfalls die wohl letzte Chance auf das große Geld und erneute Titelehren ist: Sergej Lijakowitsch. Zwei frühere Weltmeister stehen sich da im Ausscheidungskampf um das Herausfordererrecht für den WBA-Weltmeister gegenüber.
Der Weißrusse Lijakowitsch besaß einmal den Gürtel der WBO, der Russe Walujew war Champion der WBA, bis er im April 2007 gegen den Usbeken Ruslan Tschagajew verlor. Lijakowitsch hat seit seiner K.o.-Niederlage im November 2006 gegen Shannon Briggs nicht mehr im Ring gestanden. "Für beide Schwergewichtler geht es am Samstag um alles oder nichts. Wer verliert, wird sich in den Ranglisten wieder hinten anstellen müssen", sagt Sauerland. Für den 150 Kilogramm schweren Walujew, der sich auch wegen seines Körpergewichts seit Jahren mit Knieberschwerden plagt, wäre dies praktisch das Ende - zumal Sauerland in Alexander Powetkin bereits einen weiteren WM-Kandidaten für die Königsklasse aufgebaut hat.
Nach der Niederlage gegen Tschagajew wechselte Walujew den Trainer. Mit Alexander Simin bereitete er sich in seiner Heimatstadt St. Petersburg, in Japan und in Berlin auf den WM-Ausscheidungskampf vor. "Ich bin in einer sehr guten Form. Ich werde mit sehr viel Selbstsicherheit in den Kampf gehen", kündigte Walujew an. Bei seinem ersten Auftritt unter der Regie von Simin reichte es im September jedoch nur zu einem müden Punktsieg über den Kanadier Jean-Francois Bergeron. "Gegen Lijakowitsch werde ich mehr von dem zeigen können, woran wir in den letzten Monaten gearbeitet haben", sagte Walujew.
Doch auch Lijakowitsch ist von seinen Stärken überzeugt: "Ich bin eindeutig der schnellere und beweglichere Boxer. Ich werde den russischen Riesen jagen", sagt der 31-Jährige, der sich in Bulgarien auf den Kampf vorbereitet hat. Sollte Walujew in seinem 50. Kampf den 48. Sieg feiern, könnte es schon im April zur Revanche mit Tschagajew kommen. Das Management des Weltmeisters hat jedoch bei der WBA einen Antrag gestellt, die Pflichtverteidigung noch zu verschieben. Tschagajew soll seinen Titel zunächst freiwillig gegen seinen Stallgefährten Luan Krasniqi verteidigen.
Bessere Führhand, beweglicher, größeres Selbstvertrauen
Einen Sieg hat Walujew in diesem Jahr bereits errungen. Der Boxer soll vor zwei Jahren in St. Petersburg einen Parkwächter krankenhausreif geschlagen haben, der Walujews Ehefrau Galina wegen falschen Parkens ermahnt hatte. Die Krankenhauskosten und 3600 Euro Strafe muss Walujew nach dem Urteil im Januar berappen. Die Staatsanwaltschaft hatte 30.000 Euro Strafe und zweieinhalb Jahre Arbeitslager beantragt. Dagegen ist das harte Training von Coach Simin nur ein Zuckerschlecken, dem sich der "russische Riese" mit dem großen Ziel gerne unterzieht: "Ich will meinen Titel zurück". Seine Führhand sei besser geworden, er beweglicher und das Selbstvertrauen groß heißt es - wieder einmal.
fsc/sid/dpa