Doping T-Mobile entlässt Fahrer Bernucci, bleibt aber Sponsor
Hamburg - "Wir wissen nicht, ob dies ein Versuch war, die Leistung zu steigern, oder eine fehlerhafte Einschätzung Bernuccis. Wir wissen aber, dass es inakzeptabel ist, dass Fahrer Medikamente ohne Erlaubnis des Teamarztes nehmen. Das ist ein klarer Verstoß gegen unseren Verhaltenskodex", begründete Team-Manager Bob Stapleton die fristlose Entlassung.
Bernucci fuhr seit 2006 für T-Mobile. Er lebt in Monaco und fährt mit einer Lizenz des Fürstentums. Das Team nahm Bernucci mit sofortiger Wirkung aus dem Aufgebot der zurzeit laufenden Spanien-Rundfahrt.
Während der diesjährigen Tour de France war im Team T-Mobile der Dopingfall Patrik Sinkewitz bekannt geworden, dem Topfahrer wurde Testosteron-Doping nachgewiesen. Dennoch hatte sich T-Mobile Anfang August entschieden, sein Engagement im Radsport bis mindestens 2010 fortzusetzen. Damals hatte das Unternehmen betont, beim nächsten Dopingfall im eigenen Team die Förderung einzustellen. T-Mobile lässt sich sein Engagement im Radsport jährlich rund zwölf Millionen Euro kosten.
"Für uns steht ein Ausstieg wegen des Falls Bernucci nicht zur Debatte", sagte T-Mobile-Sprecher Christian Frommert auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Man müsse differenzieren, das Vergehen Bernuccis sei mit dem von Sinkewitz nicht zu vergleichen. "Wir haben immer betont, jeden Fall einzeln zu bewerten. Einen Ausstiegsautomatismus gibt es es bei uns nicht", sagte Frommert, "Bernuccis Aktion war eine Dummheit, aber wir werden deshalb nicht alles hinwerfen."
Bei Bernucci war der Wirkstoff Sibutramin nachgewiesen worden, getestet wurde der 27-Jährige nach der 6. Etappe der Deutschland-Tour am 15. August im österreichischen Kufstein. In einem Gespräch mit der Teamleitung des Teams T-Mobile hatte Bernucci zugegeben, den Appetitzügler "Ectiva" eingenommen zu haben. Er habe sich dieses Präparat in Italien verschafft und verwende es seit vier Jahren. Bernucci behauptete, nicht gewusst zu haben, dass die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) Sibutramin vergangenes Jahr auf die Liste der verbotenen Substanzen gesetzt hatte.
Wie der Radsport-Weltverband UCI Bernuccis Vergehen ahndet, ist noch unklar. Beim erstmaligen Nachweis der Einnahme von Sibutramin ist eine Verwarnung, aber auch eine einjährige Sperre möglich. Der Fahrer muss aber glaubhaft machen können, das Mittel nicht eingenommen zu haben, um seine Leistung zu steigern.
Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) bedauerte den erneuten Dopingfall, wies aber auf die Wirksamkeit der Kontrollen hin. "Wo konsequent kontrolliert wird, steigt die Wahrscheinlichkeit positiver Befunde und darüber sollten wir uns eher freuen", so Scharping.
fsc/dpa