Footballstar Michael Vick: Der Auferstandene - DER SPIEGEL
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Michael Vick: Atlanta, Gefängnis, Philadelphia

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Footballstar Michael Vick Der Auferstandene

Wegen illegaler Hundekämpfe saß Football-Spieler Michael Vick 18 Monate im Gefängnis. Nach Ende der Haft rehabilitierte er sich sportlich. Doch abseits des Spielfelds polarisiert sein Comeback. Vick symbolisiert die Diskussion über Vergebung. Wie sie ausgeht, ist ungewiss.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es sind nur wenige Worte. Sie verändern Michael Vicks Leben. Am 21. April 2001 steht der damalige Chef der National Football League (NFL), Paul Tagliabue, in New Yorker Madison Square Garden auf einer Bühne und sagt: "Mit der ersten Selektion des NFL Drafts 2001 wählen die Atlanta Falcons Michael Vick, Quarterback, Virginia Tech."

Vick, der Junge aus den Armenviertel von Newport News im US-Bundesstaat Virginia, hat nur 20 College-Spiele gebraucht, um sich zum kommenden NFL-Superstar zu machen. Er bekommt einen Sechsjahresvertrag. 15,3 Millionen Dollar garantiert, maximales Volumen 62 Millionen - als Neuling, der noch kein Profispiel bestritten hat.

Michael Vick ist ganz oben.

Gut sechs Jahre später verändern nur zwei Worte Michael Vicks Leben erneut: "Plea Agreement", juristischer Vergleich. Am 24. August 2007 veröffentlicht das Bezirksgericht Ostvirginia ein so überschriebenes Dokument, das Vicks Übereinkunft mit der Staatsanwaltschaft wiedergibt. Darin gesteht Vick, einen Hundekampfring finanziert und einen Hund darin gesponsort zu haben.

Am 10. Dezember 2007 verurteilt ihn das Gericht zu 23 Monaten Haft. "Sie müssen sich bei den Millionen junger Leute entschuldigen, die zu Ihnen aufgeblickt haben", sagt Richter Henry E. Hudson. "Ja, Sir", antwortet Vick. Er geht 18 Monate ins Gefängnis, verbringt den Rest seiner Strafe im offenen Vollzug, verliert seine Werbeverträge, seinen Job als Quarterback der Falcons und ist bald pleite.

Michael Vick ist ganz unten.

Knapp vier Jahre später. Nach dem 27:17-Sieg gegen den Division-Konkurrenten New York Giants Sonntagnacht jubeln die Fans der Philadelphia Eagles Vick zu. Er spielte fehlerfrei und effizient. Sein neues Team, das ihn vor der vergangenen Saison unter Vertrag nahm, hat nun sieben Siege, drei Niederlagen und gilt als Meisterschaftskandidat.

"Bei dieser Leistung wurde ich zum Fan"

Bereits in der Vorwoche beim 59:28-Sieg in Washington, das pikanterweise mit dem ehemaligen Eagles-Spielmacher Donovan McNabb antrat, überragte Vick mit vier Touchdown-Pässen und zwei Touchdown-Läufen. Das Spiel war seine sportliche Wiedergeburt, durch seine Leistung etablierte er sich als klare Nummer eins in Philadelphia. Medien, Teamkollegen und sogar Gegner überhäuften ihn mit Lob. "Eine der besten Quarterback-Leistungen in der NFL-Geschichte", schreibt Peter King vom Magazin "Sports Illustrated". Giants-Cheftrainer Tom Coughlin sagt: "Bei dieser Leistung wurde ich zum Fan."

Michael Vick ist wieder ganz oben - zumindest sportlich.

Auf dem Platz ist er rehabilitiert. Seine athletischen Fähigkeiten sind unbestritten. Er ist zwar schon 30. Aber durch die Pause im Gefängnis ist sein Körper in besserer Verfassung als bei gleichaltrigen Spielern.

Und er ist in Philadelphia ein besserer Quarterback als in Atlanta. Dort schaute er zu seinem Receiver Nummer eins - und wenn der gedeckt war, fing Vick an, zu laufen. Jetzt ist er ein Spielmacher, der, wie man im Football sagt, "das ganze Feld sieht". Erst wenn kein Passfänger offen ist, läuft Vick los. Und er läuft besser als jeder andere Quarterback. Das macht ihn so gefährlich für gegnerische Teams und zum Kandidaten bei der Wahl des wertvollsten Spielers.

Vom Jungen aus dem Armenviertel zum College-Star zum höchstbezahlten Neuling zum Häftling zum wiederauferstandenen Sporthelden - Amerika liebt solche Geschichten.

Zumindest ein Teil des Landes. Denn Vick polarisiert auch. Er ist eine Symbolfigur in der gesellschaftlichen Diskussion über Vergebung.

Footballstar, Tierquäler - oder beides?

Kritiker wie die Tierschutzorganisation Peta sehen eben nicht den Footballstar, sondern den Mann, der Hunde erhängte, mit Elektroschocks quälte, ertränkte, erschoss und gegen andere Hunde bis zum Tod kämpfen ließ.

Andere Beobachter vertreten dagegen die Position, Vick habe seine Strafe verbüßt und damit müsse es gut sein. Sein Co-Trainer Marty Mornhinweg sagt: "Er hat Riesenfehler gemacht, aber er hat den Preis dafür bezahlt." Der ESPN-Journalist Rick Reilly überschrieb am Samstag eine Kolumne mit "Es ist Zeit, Vick zu vergeben".

Tatsächlich hat sich der 30-Jährige seit seiner Entlassung kaum Fehltritte erlaubt. Tony Dungy, ehemaliger Meistertrainer der Indianapolis Colts und einer der angesehensten Männer im Football, war sein Mentor. Vick gibt sich als bescheidener Eagles-Spieler. Er geht im Namen der Tierschutzorganisation Humane Society an Schulen oder Gemeindezentren, um Jugendliche vor seinen Fehlern zu warnen und gegen Hundekämpfe zu werben.

"Abseits des Feldes hat er sich phantastisch gemacht", sagte NFL-Boss Roger Goodell. Er hoffe, Vick werde eine Erfolgsgeschichte. "Die Leute müssen dadurch inspiriert werden - eine Person, die einen tragischen Fehler machte und ihn überwunden hat."

Und Vick selbst? "Ich denke nicht darüber nach, den Weg, den ich gegangen bin, erneut zu gehen, weil ich weiß, dass das nicht passieren wird", sagt er. Die Frage, die hinter solchen Äußerungen steht, kann letztlich nur Vick beantworten: Zeigt er ehrliche Reue oder hat er nur eine clevere PR-Strategie?

In jedem Fall weiß er, dass er sich keinen Fehler mehr erlauben kann. Schon ein Aussetzer wie im November 2006, als er nach einer Niederlage den Falcons-Fans beide Mittelfinger zeigte, könnte sein mühsam aufgebautes Image endgültig zerstören. Und Vick weiß auch noch etwas anderes: So sehr er sich auch bemüht, so korrekt er sich auch verhält - seine Vergangenheit wird ihn nie loslassen.

Wie schnell ihn die Hundekampf-Assoziationen einholen können, zeigte sich nach dem Sieg gegen Washington. Da sagte Vicks Teamkollege DeSean Jackson zu Reportern, die Eagles seien "wie Pitbulls" gewesen.