Frischer Fisch Das Monster im dunklen Wasser
Riesen-Wels in Thailand: Ist letztens nicht ein Dackel verschwunden?
Foto: APEiner meiner Lieblingsfilme ist ja "Der weiße Hai". Ein großer, hungriger Fisch, der jeden Köder nimmt, ein paar Angler. Die alte Geschichte Bestie gegen Mensch. Als der Film damals in den Kinos angelaufen war, soll die Zahl der Badegäste an den amerikanischen Küsten um zwei Drittel zurückgegangen sein. Ab und zu ist hierzulande die Provinzversion in den Zeitungen zu bestaunen. Dann hat irgendwo ein Angler einen großen Wels gefangen, und schon fragen die Boulevard-Blätter: "Dürfen wir jetzt nicht mehr im Weiher baden gehen?"
Denn um den Wels ranken sich viele Mythen. Dabei ist er eigentlich ein unscheinbarer Fisch, dem kaum ein Angler nachstellen würde, wenn er nicht so verdammt groß werden würde. Der Hitparaden-Rekord im "Blinker", dem monatlichen Fachorgan der Anglerschaft, liegt bei 160 Pfund, aufgestellt im Jahr 2000. Solche Burschen bringen es locker auf über zwei Meter Länge, fressen fast alles, was ihnen vors Maul schwimmt: Würmer, Schnecken, Krebse und Fische. Angeblich auch mal einen Wasservogel, aber dann wohl eher den Nachwuchs.
Das hindert manche Zeitungen im Sommerloch nicht daran, noch ein paar Sachen hinzuzudichten: Ist letztens nicht ein Dackel verschwunden, als er einen Stock aus dem Wasser holen wollte? Hatte die süße Entenfamilie gestern nicht noch zwei Mitglieder mehr? Und was war mit dem Badegast, der einen "langen, schwarzen Schatten" direkt neben ihm im Wasser gesehen haben wollte? Manche Familien lassen ihre kleinen Kinder nach solchen Horror-Geschichten gar nicht mehr an den Baggersee, wenn dort das Monster im dunklen Wasser lauert.
Wir Angler nehmen solche Meldungen mit Humor. Als Spezialisten in Sachen Anglerlatein wissen wir den Wahrheitsgehalt solcher Weiher-Märchen richtig einzuschätzen. Trotzdem schleichen wir dann abends heimlich in den Keller und stellen schon die Ausrüstung für das nächste Wochenende zusammen. Die Angel-Kumpel wundern sich dann plötzlich, wenn wir mit einem Knüppel von Rute auftauchen, wo es doch nur auf Forellen gehen sollte. "Mal was anderes ausprobieren", murmelt man dann am besten.
Das größte Problem ist dann immer: Was packt man an den Haken? Großer Köder für große Fische, so lautet eigentlich die Faustformel aller Angler, die was auf sich halten. Schließlich hat der Hai im Film auch mal eben Luftmatratzen gleich mitverschlungen. Bei toten Köderfischen ist irgendwann die Grenze erreicht, weil man die nicht mehr auswerfen kann. Also schwören viele auf das bewährte Tauwurmbündel. Allerdings spießen sie nicht nur fünf oder sechs davon auf den Haken, sondern so viele, dass selbst der klassische Vileda-Wischmopp von den Ausmaßen her nicht mehr mithalten kann.
Ich gebe zu: Auch ich habe schon oft versucht, einen Wels zu fangen. Dabei habe ich Gewässer aufgesucht, in denen sich die Welse unter Wasser eigentlich stapeln hätten müssen. Wo weit und breit keine Ente zu sehen und kein Hundebellen zu hören war. Dafür lockte viel dunkles Wasser. Und verdächtige Schatten. Fast so groß wie die des weißen Hais.
Leserbrief der Woche
Zu
Böse Buben am Baggersee schreibt Fabian Linge:
Wie die meisten Sportfischer wurde ich bereits in meiner Kindheit mit dem Angelvirus infiziert und somit war es meine Pflicht, so schnell wie möglich die Sportfischereiprüfung abzulegen. Nachdem ich also mein 13. Lebensjahr beendet hatte, legte ich auch umgehend die Sportfischereiprüfung beim Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) ab. Mittlerweile bin ich 30 und aus beruflichen Gründen musste ich von Niedersachsen nach Bayern umsiedeln. Selbstverständlich wollte ich ich in Bayern meinem Hobby weiterhin nachgehen und genügend Gewässer gibt es hier ja auch. Leider aber auch "Karteikartenreiter", die einem die Freude am Angel schlicht vermiesen. In Bayern benötigt man einen sogenannten Jahresfischereischein - in Niedersachsen nicht -, den man vorab beim Land beantragen muss. Die Dinger sind zwar nicht ganz billig, aber welches Hobby ist das schon?
Somit habe ich mich telefonisch erkundigt, um seitens der Bürokratie folgendes zu erfahren: "Seit dem 31. Januar 2006 werden Fischereiprüfungen, die in Niedersachsen abgelegt wurden, nicht mehr anerkannt." Ich müsste die Fischereiprüfung in Bayern erneut ablegen. Nun bin ich schon seit 16 Jahren Sportfischer und von einem Tag auf den anderen wird mir die Fähigkeit aberkannt, im Einklang mit der Natur und den geltenden Fischereigesetzen auf Fischwaid zu gehen. Ich hätte es ja verstanden, wenn ich ein Wochenendseminar bezüglich der "Gesetze und Gewässerordnungen in Bayern" zu absolvieren hätte, aber noch einmal die komplette Fischereiprüfung ablegen, das geht mir dann für meinen Geschmack doch eindeutig zu weit. Ein Hoch auf die Bürokratie!