Handball: Heubergers heikle Olympia-Mission - DER SPIEGEL
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Handball Heubergers heikle Olympia-Mission

Mit Martin Heuberger spielt die deutsche Nationalmannschaft um ihre letzte Chance auf die Olympischen Spiele. Das "Handball-Magazin" erklärt, wie sich der neue Bundestrainer von Vorgänger Heiner Brand abgrenzen will - und welches Team es nach London schaffen kann.
Handball-Bundestrainer Heuberger: "Ich werde meinen eigenen Stil entwickeln"
Handball-Bundestrainer Heuberger: "Ich werde meinen eigenen Stil entwickeln"

Handball-Bundestrainer Heuberger: "Ich werde meinen eigenen Stil entwickeln"

Foto: Thomas Frey/ picture alliance / dpa
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Die Kommentare klangen düster. Bundestrainer Martin Heuberger habe keine Chance, aus dem Schatten des Meisters herauszutreten. Der 47-Jährige trete als Nachfolger Heiner Brands ein schweres Erbe an, hieß es. Von riesigen Fußstapfen war die Rede, von der Gefahr, dass Heuberger schier erdrückt werden könnte vom Vergleich mit dem ewigen Heiner. Heuberger aber hat schnell klargemacht, dass er sich davor keineswegs fürchtet. "Ich glaube, die Öffentlichkeit hat damit ein größeres Problem als ich."

Er wird sich emanzipieren von der großen Figur des deutschen Handballs, eine Rolle als Doppelgänger schwebt ihm nicht vor. "Ich werde kein Brand-Klon sein", hatte er gesagt, bevor er seine letzte Aufgabe als Trainer der Junioren bei der U21-WM in Griechenland anging. Dort holte sein Team den Titel. Nun will er die A-Mannschaft behutsam weiterentwickeln: "Es wird in der Mannschaft einen fließenden Übergang geben. Heiners Rat zählt weiter bei mir, und ich wäre dumm, nicht darauf zurückzugreifen. Aber ich werde meinen eigenen Stil entwickeln", sagt der ehemalige Kreisläufer.

Auch die Struktur dieser Mannschaft, die bei der Europameisterschaft in Österreich (Platz 10) und bei der Weltmeisterschaft in Schweden (Platz 11) so heftig enttäuschte, die aber beim entscheidenden Gruppenspiel der EM-Qualifikation in Innsbruck gegen Österreich eine bemerkenswerte Steigerung zeigte, bleibt zunächst erhalten. Die personellen Optionen, die sich Heuberger bieten, sind rar.

Beim zurückliegenden Junioren-Turnier in Griechenland drängten zwar einige Spieler in den Vordergrund. Hendrik Pekeler etwa, der Kreisläufer des Aufsteigers Bergischer HC. Auch der Halblinke Christian Dissinger, der für drei Jahre in die Schweiz zum Champions-League-Teilnehmer Kadetten Schaffhausen wechselt, und Torwart Nils Dresrüsse, der in der neuen Saison für Lemgo aufläuft, zeigten ihr Potential. Doch das nächste Großturnier kommt für diese Talente zu früh. "Die EM ist zu wichtig für Experimente. Wir alle haben das große Ziel Olympische Spiele in London vor Augen", sagt Heuberger.

Der größte Vorteil des neuen Bundestrainers ist, dass die meisten aktuellen Nationalspieler schon unter Heuberger die Junioren-Auswahl durchlaufen haben, etwa Michael Kraus, Matthias Flohr, Christian Sprenger, Dominik Klein oder Lars Kaufmann. Auch in seiner Zeit als Brand-Assistent, die er 2005 begann, hat er sich mit den Ticks und Macken der Profis auseinandersetzen müssen. Heuberger weiß also um ihre Stärken und Schwächen.

Zeitz sagt per Zeitung ab

Ein Comeback des aktuell besten deutschen Rückraum-Linkshänders ist allerdings gescheitert, bevor überhaupt ein Gespräch stattfinden konnte. "Ich habe den Urlaub im Januar schon gebucht", ließ THW-Star Christian Zeitz, der 2008 zurückgetreten war, dem neuen Bundestrainer über die Presse ausrichten. Eine Rückkehr komme nicht in Frage. Auch HSV-Torwart Johannes Bitter hat bereits kundgetan, dass er seine Pause von der Nationalmannschaft nicht verkürzen wolle.

So bleiben Heuberger nur wenig Optionen, um das Team umzustellen. Nicht ausgeschlossen scheint, dass er es am Kreis mit Patrick Wiencek (VfL Gummersbach) probiert, um auf dieser Position, wo das deutsche Team in letzter Zeit die vielleicht größten Defizite aufwies, auch physisch Akzente zu setzen. Die wichtigste Voraussetzung für einen Einsatz im DHB-Team ist laut Heuberger der erklärte Wille, mit Stolz und ganzer Hingabe den Adler auf der Brust zu tragen. Er setzt auf die "deutschen Tugenden", Einsatz- und Leistungswillen. "Das war leider bei den vergangenen zwei Großturnieren nicht immer der Fall."

Immerhin scheint die Zusammenarbeit mit der Bundesliga wieder besser zu funktionieren. "In den letzten Jahren hat sich niemand mit Ruhm bekleckert", sagt Holger Kaiser, Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt. "Die Clubs wissen ganz genau, dass die Nationalmannschaft das Premiumprodukt des Handballs ist."

"Heuberger muss noch viel lernen"

Die Frage ist, wie der eher zurückhaltende Heuberger umgeht mit dem vielleicht größten Unterschied, den der Sprung von den Junioren zu den Männern bietet. "Bei der Junioren-WM in Griechenland war nur ein deutscher Journalist", berichtet Bredemeier. "Das kann man natürlich nicht mit dem großen Medienaufkommen bei einer EM oder WM vergleichen."

Bleibt zu hoffen, dass Heuberger mit den Männern einen besseren Start erwischt als 2003, bei seiner ersten WM mit den Junioren. Damals unterlag sein Team dem Handball-Zwerg Katar und schied in der Vorrunde aus. Heuberger schimpfte über das arrogante Auftreten einiger seiner Spieler. Daraufhin entgegnete der Torwart: "Heuberger muss auch noch viel lernen, aber das weiß er auch." Der Name des Torwarts: Johannes Bitter.