Handball-WM Packendes Remis gegen Serbien
Hamburg - Die deutschen Handballer haben bei der Weltmeisterschaft in Kroatien einen großen Schritt Richtung Halbfinale verpasst. Im ersten Hauptrundenspiel in Zadar kam der Titelverteidiger nur zu einem 35:35 (16:19) gegen Serbien und hat nun in der Gruppe II 5:1 Punkte auf dem Konto.
Torsten Jansen war mit zehn Toren bester Werfer für die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB), die zwei Tage nach dem beeindruckenden 30:23 im letzten Vorrundenspiel gegen Vize-Weltmeister Polen zwar einen zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand aufholte, am Ende eine Führung aber nicht über die Zeit bringen konnte. Mladen Bojnovic gelang drei Sekunden vor dem Ende der Ausgleich für die Serben.
Die Stimmung in der Halle war bereits vor Beginn der Partie aggressiv. Die in Kroatien und besonders in Zadar ungeliebten Serben wurden im Sportcenter Visnjik in frostiger Atmosphäre empfangen. Während der Nationalhymne gellte ein Pfeifkonzert durch die Halle, Teile der Zuschauer setzten sich dabei demonstrativ wieder hin. Das kleine Häuflein serbischer Anhänger wurde von Sicherheitskräften und Polizisten von den anderen Zuschauern abgeschirmt.
Die Partie verlief dann wie erwartet sehr hart. Gleich zu Beginn bekamen Holger Glandorf und Sebastian Preiß Schläge ins Gesicht, Pascal Hens musste sich gegen eine enge Deckung durchkämpfen und blieb weitgehend blass. So fand das DHB-Team im Angriff zunächst überhaupt nicht zu seinem Rhythmus.
Im deutschen Tor bekam Johannes Bitter gegen die zielsicheren Serben um den Gummersbacher Bundesligaspieler Momir Ilic zunächst keinen Ball zu fassen. Bereits nach zehn Minuten schickte Heiner Brand dann Carsten Lichtlein in den Kasten, doch davor hatte die deutsche Deckung um Oliver Roggisch weiter große Probleme. Am Kreis waren Alem Toskic und Ratko Nikolic nur ganz schwer zu fassen.
Auf sechs Tore war der deutsche Rückstand erstmals nach 18 Minuten beim Stand von 8:14 schon angewachsen, an der Seitenlinie schüttelte Trainer Brand immer wieder den Kopf. Allein Linksaußen Torsten Jansen traf in dieser Phase noch für Deutschland, auf der gegenüberliegenden Position verwarf der nachnominierte Christian Schöne alle sieben Versuche in der ersten Hälfte.
Brand reagierte mit weiteren Wechseln und schickte immer neue Kombinationen in Angriff und Abwehr auf das Feld. Vor allem Michael Müller auf Halbrechts brachte anstelle von Glandorf einige Impulse und Michael Kraus spielte wenigstens ein paar Mal seine Schnelligkeit aus. Als dann auch der wieder eingewechselte Bitter bei drei Paraden nacheinander den gewohnten Rückhalt stellte, war die deutsche Mannschaft bis zur Halbzeit zumindest wieder auf Sichtweite herangekommen.
Aber erst in der zweiten Halbzeit kamen die große Aufholjagd und ein kleiner Lauf: Holger Glandorf traf in der 40. Minute beim 22:22 zum ersten Ausgleich seit dem 2:2. Und eine Minute später war es dann Kreisläufer Sebastian Preiß, der sein Team zum 24:23 erstmals in Führung brachte.
Der junge Martin Strobel, der für Spielmacher Kraus in die Partie kam, warf mit zwei Treffern nacheinander die deutsche Mannschaft dann mit 26:24 (44.) in Front. Doch reichte auch dies noch nicht, um die Serben abzuhängen: Nur vier Minuten später lief der Titelverteidiger beim 27:29 wieder einem Zwei-Tore-Rückstand hinterher.
Danach wogte die Partie hin und her, beide Teams brachten sich mit individuellen Fehlern immer wieder selbst in Bedrängnis. Jansen warf eine Minute vor dem Ende wieder einen Zwei-Tore-Vorsprung heraus (35:33), doch zum Sieg reichte es nicht.
Nächster Gegner der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB), die die Vorrundensiege gegen Mazedonien und Polen mit in die zweite Gruppenphase übernommen hatte, ist am Sonntag Norwegen. Zwei Tage später steht das Duell mit Europameister Dänemark an (jeweils 17.30 Uhr, beide Spiele im Liveticker von SPIEGEL ONLINE).