Hawks-Forward Josh Smith: Mein Freund, der Coach - DER SPIEGEL
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Hawks-Forward Josh Smith Mein Freund, der Coach

Die Atlanta Hawks spielen in der NBA um die Spitze mit - nicht zuletzt, weil Forward Josh Smith eine starke Saison liefert. Dabei hätte ihn die Dauerfehde mit seinem Trainer fast zum Vereinswechsel getrieben. Im zweiten Teil des Porträts blickt das "Basketballmagazin FIVE" zurück.
Atlanta-Forward Smith (mit Ball): "Es fühlt sich großartig an"
Atlanta-Forward Smith (mit Ball): "Es fühlt sich großartig an"

Atlanta-Forward Smith (mit Ball): "Es fühlt sich großartig an"

Foto: Mark Duncan/ AP
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Dies ist der zweite Teil des FIVE-Porträts über Josh Smith. Lesen Sie im ersten Teil: Wie der Forward seinen Hawks zum guten Saisonstart verhalf - und warum er sogar die Center-Riesen der NBA zum Zittern bringt.

Schon die vergangenen Playoffs hatten einen verheißungsvollen Blick auf das zugelassen, was sein könnte. 23 Punkte, zehn Rebounds und drei Steals lieferte Josh Smith in der ersten Partie gegen Miami ab und brachte seinen Teamkollegen Al Horford ins Schwärmen: "Wir sind als Mannschaft kaum zu kontrollieren, wenn er auf diesem Niveau spielt. Das färbt auf uns alle ab."

Am Ende setzten sich die Hawks 4:3 gegen die Heat durch. Es war die erste gewonnene Playoff-Serie seit einem Jahrzehnt - für Smith, der in einem Vorort von Atlanta geboren wurde, eine Frage der Ehre. "Es fühlt sich großartig an, Teil eines Teams zu sein, auf das die Stadt stolz sein kann. Wenn man von ganz unten kommt, weiß man es zu schätzen, wenn man 50 Spiele gewinnt und nicht nur 12 oder 13", sagte Smith.

Diese Zahlen wählte er mit Bedacht, musste Smith doch in seinem ersten Jahr gleich den NBA-Crashkurs für Kellerkinder mitmachen. Ganze 13 Spiele gewannen die Hawks 2004/05. Für den direkt aus der Highschool an Position 17 gedrafteten Smith eine prägende Erfahrung. Als einziges Glanzlicht entschied er im Februar 2005 den Slam-Dunk-Contest beim All-Star-Wochenende für sich.

Mit 19 Jahren auf dem Dunk-Olymp

Von diesem Höhepunkt, der den 19-Jährigen mit einem Schlag in den Fokus der Öffentlichkeit rückte, einmal abgesehen, geriet das erste Jahr in Atlanta zur Geduldsprobe. Halt gab dem Teenager in dieser schweren Phase die Familie. Vor allem Vater Pete stand mit wertvollen Ratschlägen bereit, immerhin war dieser einst selbst als Profi aktiv gewesen (wenn auch nur für eine ABA-Saison in San Diego).

Die folgenden Jahre brachten stetig verbesserte Zahlen. Von 9,7 Punkten pro Partie in seiner Rookie-Saison ging es bis auf durchschnittlich 17,2 Zähler in der Spielzeit 2007/08. Bei aller Freude über diese Entwicklung machten jedoch auch unschöne Gerüchte die Runde. Smith sei in der Mannschaft als "Erst-mal-ich-Werfer" verschrien. Talentiert, aber eigensinnig. Athletisch, aber zu oft zu lethargisch. Vor der Saison 2008/09 ließ er zudem verlauten, dass ein Vereinswechsel nicht unangenehm wäre. Die Hawks waren anderer Meinung und verhinderten einen Abgang ihres zweitbesten Punktesammlers nach Memphis. Für 58 Millionen Dollar sicherten sie sich seine Dienste für weitere fünf Jahre.

Dauerkrach mit dem Trainer

Doch statt die finanzielle Sicherheit und den Vertrauensbeweis des Vereins als Ansporn zu nutzen, enttäuschte Smith in der Saison 2008/09 mit sinkenden Statistiken - und einem öffentlichen Disput mit Coach Mike Woodson. "Josh spielt jetzt seit fünf Jahren in der Liga, Mann", sagte der Trainer nach einer Niederlage in San Antonio im Dezember 2008, die Smith nach äußerst fragwürdigen Distanzwürfen über weite Teile von der Bank aus mitverfolgen durfte. "Wir verbieten ihm nicht, Dreier zu nehmen. Aber wenn er fünf Würfe vergibt, muss ihm irgendwann ein Licht aufgehen", so Woodson weiter.

Die Fehde zwischen Coach und Spieler erreichte einen neuen Höhepunkt, als sich das Duo im März 2009 während der Halbzeitpause in Charlotte ein lautstarkes Wortgefecht lieferte. Das Resultat waren weitere 24 Minuten im Trainingsanzug für Smith - und offenbar ein Denkanstoß. Seit diesem Vorfall blieben weitere Negativschlagzeilen aus, der Forward steigerte sein Intensitätslevel bis hin zur Topleistung in der Playoff-Serie gegen Miami. Auf diese folgte zwar ein 0:4 gegen Cleveland, doch Smith scheint seine blendende Form konserviert zu haben.

Doch warum dieser Entwicklungssprung? Und warum gerade jetzt? "Ich bin einfach ein Jahr älter und habe mehr Erfahrung gesammelt", erklärt Smith lapidar. Bei aller langjährigen Liga-Zugehörigkeit: Hätte Smith die volle College-Ausbildung genossen, wäre er nun gerade einmal in seiner zweiten Profi-Saison.

Beste Laune in Atlanta

Tatsächlich scheint Smiths bisherige Breakout-Saison in einer Verkettung glücklicher Umstände begründet. Neben der persönlichen Weiterentwicklung des Forwards kommt ihm die neue, schnellere Spielweise des Teams entgegen (die Smith mit seinen Defensivaktionen oft genug einleitet). Dazu machen die Verpflichtungen des Sommers (Forward Joe Smith, Guard Jamal Crawford und Rookie-Aufbau Jeff Teague) das Team vielseitiger. Der Einsatz in einer erfolgreichen Mannschaft scheint dem sensiblen Smith gut zu tun. "Es herrscht eine ganz andere Stimmung in der Kabine", gibt er bereitwillig zu.

Der größte Entwicklungsschub dürfte jedoch weniger der Arbeit in stickigen Turnhallen, sondern vielmehr einem mentalen Reifeprozess geschuldet sein. Mit Coach Woodson scheint der Forward mehr als nur einen Burgfrieden geschlossen zu haben. Als Medienvertreter in der Hawks-Kabine Stellungnahmen zu einer möglichen Vertragsverlängerung für Woodson einfingen, avancierte Smith gar zum Fürsprecher seines einstigen Intimfeindes: "Er ist ein guter Coach, der auf die Spieler eingeht. Er verdient einen neuen Vertrag."

Wie lange sich die Euphorie in der Hawks-Organisation halten kann und ob das Team dauerhaft in der Lage ist, den "Großen Drei" (Orlando, Boston, Cleveland) die Stirn zu bieten, müssen der weitere Saisonverlauf und vor allem die Playoffs zeigen. Klar ist jedoch, dass Josh Smith mit sechs Jahren Anlauf endlich seinen größten Sprung gemeistert hat. "Alles fügt sich zusammen. Ich habe zwar noch einen weiten Weg vor mir, aber ich fange an, einige Dinge klarer zu sehen."

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