Interview mit Claudia Pechstein "Einfach geil, total schön"
Sie haben bei der Medaillenvergabe Ihr Gold in die Hand genommen und immer wieder den Kopf geschüttelt. An was haben Sie da noch gezweifelt?
Claudia Pechstein:
Ich hatte nicht mit einer derart guten Zeit gerechnet. Ich kann den Weltrekord noch nicht so richtig fassen, die 3:57:70 Minuten sind unglaublich. Außerdem hatte ich erwartet, dass es mit Anni (Friesinger; die Red.) enger wird.
Welches Gefühl hatten Sie bei der Siegerehrung vor 20.000 Zuschauern auf der Medal Plaza im Zentrum von Salt Lake City? Sie haben sich bei der deutschen Nationalhymne ein paar Mal die Tränen aus den Augenwinkeln gewischt.
Pechstein: Geil. Das war einfach geil, total schön. Der Blick direkt in die vielen Gesichter, die Menge, die sich vor einem wie eine Wand aufbaut - das war der Hammer. Jens Boden hatte mir schon davon erzählt, auch für ihn war das der größte Moment.
War dies für Sie der schönste Ihrer drei Olympiasiege?
Pechstein: Das kann man so nicht sagen. Jeder war in irgendeiner Hinsicht etwas ganz Besonderes. Aber es war nach Bronze 1994 in Lillehammer und Silber 1998 in Nagano die schönste Medaille über 3000 Meter.
Einen Tag nach Ihrem 30. Geburtstag können Sie am 23. Februar mit dem Goldhattrick über 5000 Meter Sportgeschichte schreiben und zur erfolgreichsten deutschen Winter-Olympionikin aufsteigen. Haben Sie daran schon gedacht?
Pechstein: Nein, daran will ich auch vorerst nicht denken. Mir ist es bewusst, aber ich will mich nicht darauf versteifen. Wenn es nicht klappt, geht die Welt nicht unter. Ich möchte keinen unnötigen Druck aufbauen, sondern zuerst mal ein bisschen feiern.
Verraten Sie auch wie?
Pechstein: Besaufen werde ich mich nicht, in Utah darf man das ja nicht.
Aufgezeichnet von Berthold Mertes, sid
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