Kieler Triumph Meisterfeier ohne Meistercoach
Hamburg Die Kieler Handballer tanzten auf dem Parkett der Ostseehalle, Serdarusic saß in der Kabine und gönnte sich eine Zigarette. Auch als das Team des THW auf dem Rathaus-Balkon den 15.000 Fans die Meisterschale präsentierte und anschließend auf einer Bühne bis Mitternacht feierte, fehlte der 56-Jährige, der das Team seit 1993 coacht. "Noka freut sich im Stillen, das ist seine Art", sagte THW-Manager Uwe Schwenker. Mit dem 34:28-Sieg in der Bundesliga gegen Nordhorn hatte Kiel das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League geschafft. "Wir sind unsterblich", freute sich Nationalspieler Dominik Klein. Nur der VfL Gummersbach war 1983 genauso erfolgreich (der Europapokal der Landesmeister ist der Vorgänger-Wettbewerb der heutigen Champions League).
"Der THW ist in die Königsklasse des Sports aufgestiegen und hat gemeinsam mit der Nationalmannschaft 2007 zum Königsjahr des deutschen Handballs gemacht", sagte DHB-Präsident Ulrich Strombach. Die Norddeutschen sind mit 13 nationalen Titeln nunmehr alleiniger deutscher Rekordmeister (Gummersbach hat einen weniger). Der diesjährige Triumph war allerdings der schwierigste. Nur aufgrund der besseren Tordifferenz setzte sich Kiel gegen Hamburg durch und konnte die dritte Meisterschaft nacheinander feiern. Über eine lange Zeit hatte der THW nur acht gesunde Feldspieler, in der Not musste sogar der 42 Jahre alte Kreisläufer Andrei Xepkin reaktiviert werden.
"Ein gutes Umfeld, ein guter Trainer, sensationelle Zuschauer - in Kiel kommt alles zusammen", sagte THW-Kapitän Stefan Lövgren. Der 35-jährige Schwede, der seit 1999 an der Förde spielt und damit dienstältester Kieler Profi ist, hatte nach sechswöchiger Pause (Sehnenabriss in der Leiste) gegen Nordhorn sein Comeback gefeiert und erzielte fünf Tore.
Damit es auch kommende Saison Erfolge zu feiern gibt, soll der Saisonetat 2007/2008 von 6,0 auf 6,6 Millionen Euro steigen. Größer werden soll der Kader dennoch nicht. "Das ist wirtschaftlich nicht zu stemmen", so Manager Uwe Schwenker. Spätestens zur Saison 2008/2009 sollen der Tscheche Filip Jicha aus Lemgo und der Norweger Börge Lund von der TSG Nordhorn zum THW wechseln. Es könnte aber auch schneller gehen. "In der nächsten Woche werden wir einige Dinge bekannt geben. Es wird Überraschungen geben", so Schwenker.
Den Verein verlassen werden Nationaltorhüter Henning Fritz, Xepkin, Pelle Linders, Lars Krogh Jeppesen und Kurzzeit-Aushilfe Tobias Karlsson. Fritz wurde gegen Nordhorn sieben Minuten vor dem Abpfiff eingewechselt, die Zuschauer feierten den scheidenden Keeper, der 2001 aus Magdeburg nach Kiel gekommen war. Weltmeister Fritz, bei Serdarusic hinter dem Franzosen Thierry Omeyer seit Monaten nur noch die Nummer zwei, wechselt zum Liga-Konkurrenten Kronau-Östringen.
Und was macht Noka Serdarusic ("Zvonimir nennen mich nur Menschen, die mich nicht mögen")? Im September wird Serdarusic 57. Noch zwei Jahre läuft dessen Vertrag, dann hört er vermutlich auf. "Ich habe Knieprobleme, rauche drei Schachteln Zigaretten am Tag. Was soll ich da noch planen?", so Serdarusic. In seine bosnische Heimatstadt Mostar wird er nicht zurückkehren. Serdarusic, der seit Mai 1998 deutscher Staatsbürger ist, möchte in Kiel bleiben.
ach/dpa/sid