Medienbericht: Fall Ullrich vor Entscheidung - DER SPIEGEL
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Medienbericht Fall Ullrich vor Entscheidung

Die Frage, ob Jan Ullrich wieder ins Renngeschäft einsteigen kann, steht offenbar kurz vor der Beantwortung. Die Bonner Staatsanwaltschalt soll in Kürze Blutbeutel erhalten, die im Labor des spanischen Arztes Fuentes gefunden wurden. Ein Vergleich mit Ullrichs Blut könnte für Klarheit sorgen.
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Cala d'Or - Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, sollen die Blutbeutel, die im Mai 2006 im Labor des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes sichergestellt wurden, zur Staatsanwaltschaft Bonn verschickt werden. Dann könnten die Ermittler mittels der Speichel-Probe, die Ullrich im September 2006 abgeben musste, das Puzzle zusammenfügen und den Toursieger von 1997 bei übereinstimmender DNA überführen.

Ullrichs Rückkehr auf die große Tour-Bühne ist ohnehin unwahrscheinlich. Tourchef Christian Prudhomme machte als Gast im T-Mobile-Trainingslager auf Mallorca deutlich, dass er seine konsequente Haltung im Anti-Doping-Kampf beibehalten werde: "Wir behalten uns das Recht vor, Fahrer auch kurz vor dem Start aus dem Rennen zu nehmen", so der Franzose, "da machen wir keinen Unterschied, was Namen betrifft. Das gilt für Ullrich, Basso und für jeden anderen auch. Wichtig ist, dass der Geist von Straßburg und die damit verbundene Entschlossenheit weiter getragen wird."

Da hilft es dem Wahl-Schweizer auch nur wenig, dass laut einer Umfrage des ZDF 75 Prozent der Deutschen Ullrich wieder bei der Tour am Start sehen möchten. Erschwerend kommt für Ullrich hinzu, dass er derzeit ohne Lizenz ist und die ProTour-Teams angesichts der ungewissen Rechtslage einen Bogen um den 32-Jährigen machen. Zuletzt wurde Ullrichs Name bei zweitklassigen Teams wie Acqua Sapone gehandelt.

Alle Spekulationen um Ullrichs Zukunft dürften ohnehin beendet sein, sollte die Bonner Justiz grünes Licht aus Spanien erhalten. Ein Mediziner des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen wird dann die Blutplasma-Funde in Madrid abholen. Die Ermittlungsakte zur spanischen Doping-Affäre ist bereits eingetroffen. Ullrich, der sämtliche Vorwürfe abstreitet, aber keine Beweise für seine Unschuld vorlegte, kann bis Ende Januar Widerspruch gegen die Herausgabe seiner DNA an die deutsche Justiz einlegen. Sein Verteidiger Johann Schwenn will erst kurz vor Ablauf der Frist über die Einlegung von Rechtsmitteln entscheiden.

Das Verfahren in Bonn ist unabhängig von den Ermittlungen des Schweizer Radsport-Verbandes, der wohl Anklage gegen Ullrich erheben wird, sobald er die Unterlagen aus Spanien verwenden darf. Dies hatte die spanische Justiz bislang verweigert, da das Verfahren gegen Fuentes noch nicht abgeschlossen ist. In Bonn hatte die frühere Leichtathletin Britta Bannenberg Strafanzeige gegen Ullrich wegen des Verdachts auf Betrug zum Nachteil des T-Mobile-Teams gestellt.

Beim Bonner Radrennstall gehört das Thema Ullrich der Vergangenheit an. "Wir werden den Weg für einen sauberen Sport weitergehen. Darauf hat es auch keinen Einfluss, ob Ullrich bei der Tour an den Start steht oder nicht", sagtte der neue T-Mobile-Sportdirektor Rolf Aldag.

Gleichwohl zeigte sich der Westfale irritiert von dem Verhalten der anderen Teams, die bei einer Abstimmung in Brüssel mit 8:7 gegen einen Ausschluss von Discovery Channel aus der Vereinigung der Profi-Teams votiert hatten. Das US-Team hatte entgegen des Ethik-Codes den gleichfalls unter Verdacht stehenden Basso verpflichtet. "Das passt uns nicht und ist ein Schritt zurück im Anti-Doping-Kampf. Da müssen wir mehr Überzeugungsarbeit leisten, damit wir wieder mit einer Stimme sprechen", sagte Aldag, und auch Prudhomme kritisierte: "Das Verhalten von Medien, Gerichten und Teams ist nicht einheitlich. Der Radsport kann den Kampf gegen Doping gewinnen. Wichtig ist dann aber, dass alle ihrer Verantwortung auch gerecht werden. T-Mobile hat diesbezüglich eine Vorreiterrolle eingenommen."

Sollten sich unter Doping-Verdacht stehende Fahrer für die Frankreich-Schleife einklagen wollen, sei die Tour-Organisation für diesen Fall vorbereitet. Präsident Pat McQuaid vom Radsport-Weltverband (UCI) äußerte sich dagegen vorsichtiger: "Bevor rechtlich nicht alles geregelt ist, können wir nichts machen. Da müssen wir die Fahrer an den Rennen teilnehmen lassen. Der Radsport-Kalender und die Justiz passen da leider nicht zusammen."

Der Tour-Dritte Andreas Klöden hat dagegen offenbar noch nicht begriffen, um was es in diesen stürmischen Zeiten geht. Dem früheren T-Mobile-Profi scheint nur wenig daran zu liegen, dass der Radsport ein wenig an Glaubwürdigkeit zurückgewinnt. Klöden würde sich ungeachtet der Erkenntnisse wünschen, Ullrich bei der Tour wiederzutreffen: "Wenn er die Lizenz vom Schweizer Verband erhält, gehe ich davon aus, dass er auch bei der Tour am Start steht. Ich würde ihm wünschen, dass er dort nochmal fahren kann."

fpf/sid

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