NBA-Lockout: Wandern im Nebel - DER SPIEGEL
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NBA-Lockout Wandern im Nebel

Fällt die neue NBA-Saison aus? Dürfen die Profis ins Ausland wechseln? Und was passiert, wenn sich Spieler und Clubs auf einen neuen Tarifvertrag einigen? Das Basketball-Magazin "FIVE" beantwortet die wichtigsten Fragen zum Lockout in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga.
NBA-Superstar Nowitzki (l.), Teamkollege Chandler: Fällt die Saison aus?
NBA-Superstar Nowitzki (l.), Teamkollege Chandler: Fällt die Saison aus?

NBA-Superstar Nowitzki (l.), Teamkollege Chandler: Fällt die Saison aus?

Foto: JOE SKIPPER/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit dem 1. Juli dieses Jahres wandert die gesamte NBA-Fangemeinde in einem dichten Nebel. Denn die Clubs der nordamerikanischen Basketball-Profiliga haben ihre Spieler ausgesperrt. Grund ist der ausgelaufene Tarifvertrag zwischen den Teams und der Spielergewerkschaft. Bislang konnten sich beide Seiten auf keinen neuen Kontrakt einigen.

Fällt die Saison aus?

Die Fronten sind verhärtet. Seit dem Beginn des Lockouts gab es keinerlei Annäherung zwischen den beiden Seiten. Im Gegenteil, die NBA verklagte die Spielergewerkschaft vor einem Arbeitsgericht. Grund der Klage: Die Liga wirft der National Basketball Players Association (NBPA) vor, in den Verhandlungen nicht auf einen Kompromiss hinzuarbeiten, sondern das Ziel der Auflösung zu verfolgen. Die Auflösung der NBPA würde das Ende der Gewerkschaft bedeuten. Somit gäbe es keine Vertretung der Profis mehr, was es den einzelnen Spielern ermöglichen würde, die NBA zu verklagen. Jeder Profi könnte dann eine Kartell-Klage gegen die Liga auf den Weg bringen. Ein solcher Schritt würde unabsehbare Folgen haben.

Im gerade beendeten Arbeitskampf der NFL gegen die Gewerkschaftder American Football Profis kam es zwar ebenfalls zu einer Auflösung der Gewerkschaft und zu Klagen einzelner Spieler, doch waren dort die Fronten bei weitem nicht so verhärtet wie in der NBA. Während es im Basketball um die Runderneuerung des kompletten Finanzsystems geht, wurden in der NFL einzig die Milliardengewinne der lukrativsten Sportliga der Welt neu verteilt.

Mit ihrer Klage kam die NBA der Gewerkschaft zuvor und hofft so, die Taktik der Spieler durchkreuzt zu haben. Damit soll der Lockout verkürzt werden. Denn ein in den Gerichten entschiedener Arbeitskampf würde sich auf unabsehbare Zeit hinziehen.

Dürfen die Teams während des Lockouts Kontakt zu ihren Spielern haben?

Die NBA verbietet jeglichen Kontakt und ist in dieser Hinsicht auch extrem hart. Bei einer Preis-Verleihung des Sportsenders "ESPN" in Los Angeles im Juli waren die Profis des Meisters Dallas Mavericks zwar zusammen mit ihrem Boss Mark Cuban auf der Bühne zu sehen, diesen Auftritt musste sich der Club aber im Vorfeld von der Liga genehmigen lassen. Ohne diese Erlaubnis hätte der Verein bis zu einer Million US-Dollar Strafe zahlen müssen.

Können NBA-Profis im Ausland spielen und müssen sie, wenn die NBA-Saison 2011/2012 beginnen sollte, sofort wieder zurück zu ihren Teams?

Der Weltverband Fiba erlaubte Ende Juli allen ausgesperrten NBA-Profis, die noch einen laufenden Vertrag mit einem NBA-Club haben, dass sie im Ausland unter Fiba-Regeln spielen dürfen. Dafür müssen die Spieler eine Erklärung unterschreiben, dass sie beim Ende des Lockouts sofort zu ihren US-Teams zurückkehren. Außerdem mussten die Profis eine Klausel unterzeichnen, keine Schadensersatzansprüche an die Fiba und ihre Vereine zu stellen, falls sie sich während ihres Engagements verletzen sollten. Diese Regelung gilt allerdings nur für Spieler, die einen gültigen Vertrag in der NBA besitzen.

Wird es zu einer Schwemme von NBA-Stars kommen, die während des Lockouts im Ausland spielen?

Es gibt nur wenige Vereine, die sich die Dienste eines Hochkaräters aus der NBA leisten können. Zum einen haben diese Stars hohe Gehälter, zum anderen müssen ihre neuen Arbeitgeber sie gegen einen möglichen künftigen Verdienstausfall versichern. Nicht jedes Team findet genügend Sponsoren, um einen spektakulären Zugang finanziell stemmen zu können. Außerdem werden die besten Nicht-NBA-Teams auf Allstars der nordamerikanischen Profiliga verzichten, solange nicht absehbar ist, wie lange der Lockout dauert. Denn im schlechtesten Fall bauen sie ihre Spielphilosophie auf solch einen Profi auf, verwenden den Großteil ihrer Finanzen auf ihn und dann muss er den Club mitten in der Saison verlassen. Kein ambitioniertes Euroleague-Team würde ein solches Risiko eingehen. Zweit- oder Drittklassige NBA-Profis werden sich jedoch vermehrt nach Alternativen umsehen.

Wann endet der Lockout?

Der Chef der Spielergewerkschaft, Billy Hunter, sagte im August, dass er kein Geld darauf setzen würde, dass die Saison 2011/2012 stattfindet. Hunter begründete dies mit einer Minderheit unter den Besitzern, die auf die Erfüllung der Forderungen der Liga pochen würde. Diese Teambosse seien die Eigner, die erst in den vergangenen Jahren ihre Clubs übernommen hätten. Bisher hätten sie finanzielle Verluste eingefahren und würden deshalb drastische Veränderungen fordern. Wenn diese Hardliner nicht einlenken, dauert der Lockout noch einige Zeit. Druck, den Lockout zu beenden, haben sie nicht. Da die NBA auch im Falle eines Saisonausfalls das Geld der TV-Sender überwiesen bekommt, machen die Teams im Zweifel weniger Verluste, wenn sie keine Spieler bezahlen müssen - oder sogar Gewinn. Die Liga hofft, dass den Profis irgendwann das Geld ausgeht und sie ihre Gewerkschaft dann zum Einlenken bringen. Allerdings haben die Spieler aus dem Lockout in der Saison 1998/1999 gelernt und frühzeitig mit dem Sparen begonnen.

Wie endet der Lockout?

Ist irgendwann eine Einigung gefunden, müssen beide Seiten über den gefundenen Kompromiss abstimmen. Nehmen Spieler und Teambesitzer jeder für sich den neuen Tarifvertrag an, wird ein Zeitplan festgelegt: Wann beginnt das Trainingslager? Wann die Saison? Sollten aufgrund der langen Verhandlungen Partien ausfallen müssen, wird ein Notspielplan erstellt.

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