NBA-Profi Bogues: Kleiner Gigant - DER SPIEGEL
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NBA-Profi Bogues Kleiner Gigant

Trotz nur 1,60 Meter Körpergröße hielt Tyrone "Muggsy" Bogues mit den Riesen der NBA mit. Das Magazin "FIVE" stellt den kleinsten Spieler der Liga-Geschichte vor und erklärt, warum ihm der Türsteher den Einlass in die Kabine verweigerte.
NBA-Profi Bogues (1997 gegen die LA Lakers): Schnelligkeit, Stärke, Zug zum Korb
NBA-Profi Bogues (1997 gegen die LA Lakers): Schnelligkeit, Stärke, Zug zum Korb

NBA-Profi Bogues (1997 gegen die LA Lakers): Schnelligkeit, Stärke, Zug zum Korb

Foto: Michael Caulfield/ AP
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Um das Phänomen Muggsy Bogues zu verstehen, hilft eine Geschichte, die im April 1993 im US-Magazin "Sports Illustrated" erschien. Darin wird beschrieben, wie Nachbarskinder regelmäßig an der Tür des NBA-Stars klingeln und fragen, ob dieser mit ihnen spielt. Anstatt sie abzuwimmeln geht Bogues mit ihnen auf seinen eigenen Court, natürlich in den Farben seines Vereins Charlotte Hornets gehalten, und schon geht das Spiel los.

"Das Verrückte ist, dass die Kinder noch heute klingeln und mich fragen, ob ich ein paar Körbe mit ihnen werfe", sagt der inzwischen 46-jährige Bogues. "Und wenn es die Zeit erlaubt, gehe ich auch mit ihnen auf meinen Platz."

Bogues' Lebensgeschichte klingt wie das klassische NBA-Klischee: Ein Junge aus dem düsteren Ghetto einer amerikanischen Metropole kämpft sich in die Profiliga. Bei Tyrone Curtis Bogues, so sein voller Name, hat diese Geschichte jedoch einen besonderen Dreh. Mit nur 1,60 Meter Körpergröße ist der Point Guard bis heute der kleinste Spieler, der je ein NBA-Parkett betreten hat. Kein Wunder also, dass die Kinder eine gewisse Verbindung zu dem Hornets-Profi gespürt haben.

Eine andere Szene ereignet sich in Bogues erster Saison 1987/1988 bei den Washington Bullets. Vor einem Spiel gegen die Milwaukee Bucks geht der Liga-Neuling zusammen mit seinem Teamkollegen Moses Malone vom Hotel über eine Fußgängerbrücke zur Arena. Auf dem Weg treffen sie Kinder, die um Autogramme bitten. Da vor allem der Rookie signieren soll, geht Malone bald weiter.

Ist Bogues nur Teil einer Showtruppe?

Bogues schreibt derweil fleißig, ehe er nachkommt. "Als ich dann in die Kabine wollte, hielt mich der Wachmann auf", so der Spielmacher. "Er sagte: 'Junge, es tut mir leid, hier kannst du nicht rein.' Ich und die Kinder sagten ihm, dass ich ein Spieler der Washington Bullets sei, aber er glaubte mir einfach nicht." Erst nach einigem Hin und Her kommt Malone noch einmal aus der Kabine und "rettet" Bogues.

Nicht nur beim Gastspiel in Milwaukee muss der Aufbauspieler immer wieder beweisen, dass er dazu gehört. Und dass er mehr als eine Kuriosität ist. 1987 wählen die Bullets Bogues an zwölfter Stelle der Draft aus. Dabei ist nicht sicher, ob die Franchise sein Talent sieht oder ihn nur zu PR-Zwecken holt. Denn neben dem nun kleinsten Spieler der NBA-Geschichte hat der Club mit Manute Bol (2,31 Meter) den längsten Profi der Liga im Team. Ist Bogues also lediglich unfreiwilliger Teil einer Show-Truppe, die möglichst viele Plätze in der Arena füllen soll?

"Was er nicht an Körpergröße hat", sagte Lakers-Coach Pat Riley damals, "macht er durch Schnelligkeit, Stärke, seinen Zug zum Korb, Sprungkraft und Timing wett." Die Presse ist sich dagegen einig, dass er sich in der Liga nicht wird durchzusetzen können. Selbst die kleinsten Aufbauspieler überragen den Bullet um meist mehr als 20 Zentimeter. Wie soll er punkten und verteidigen?

Gefürchteter Balldieb aus Baltimore

"Ich habe mich damals nicht damit beschäftigt, ob ich vielleicht nur aus Marketing-Gründen geholt wurde", sagt Bogues. "Für mich war es damals einfach großartig, so nah an meiner Heimat zu spielen." Bogues stammt aus Baltimore, keine 60 Kilometer nördlich von Washington. Als er zwölf Jahre alt ist, kommt sein Vater wegen eines bewaffneten Raubüberfalls ins Gefängnis. Seine Mutter muss ihn und seine drei älteren Geschwister alleine durchbringen.

Statt auf die schiefe Bahn zu geraten, zieht es Bogues auf die Freiplätze im Osten der Stadt. Dort bekommt er auch seinen Spitznamen. Weil er seinen Gegnern die Bälle reihenweise aus den Händen schlägt, wird er Muggsy genannt, abgeleitet von "to mug" ("jemanden ausrauben").

Bekannt wird Bogues aber nicht mit seinen Auftritten auf den Courts in Baltimore, sondern mit seiner Schulmannschaft. Denn die Dunbar High dominiert auf Landesebene. Die "Poets", wie die Mannschaft genannt wird, bleiben während Bogues' Junior- und Senior-Saisons ungeschlagen, gewinnen 59 Partien in Folge. Er wird zum wertvollsten Spieler des Teams.

Oft wird er vor einer Auswärtspartie von Gegnern und Zuschauern ausgelacht und muss sich Sprüche anhören, aber spätestens wenn der Spielmacher über das Parkett rast und einen Korb nach dem anderen erzielt, ist es mit dem Gelächter vorbei.

Lesen Sie am Donnerstag im zweiten Teil: Wie Bogues seine Gegner verzweifeln lässt - und warum er nie mit Dirk Nowitzki auflaufen konnte.

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