NFL-Playoffs: Ende der Schonzeit - DER SPIEGEL
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NFL-Playoffs Ende der Schonzeit

Das Ziel heißt Super Bowl: In der NFL geht es nun um die Meisterschaft - ohne klaren Favoriten. Benjamin Schulz blickt auf die Duelle der ersten Playoff-Runde und analysiert die Ausgangslage der Football-Teams. Für Quarterback-Legende Brett Favre dürfte es die letzte Titelchance sein.
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NFL-Playoffs: Brillanter Brady, fabelhafter Favre

Foto: MIKE BLAKE/ REUTERS

Die einzige Konstante in den NFL-Playoffs ist die Veränderung. Sechs der zwölf Teams, die in der vergangenen Saison um die Meisterschaft spielten, sind dieses Mal nicht dabei, darunter Titelverteidiger Pittsburgh Steelers. Zum 14. Mal in Folge sind mindestens fünf der zwölf Teams in den Playoffs Clubs, die im Jahr zuvor nicht um den Titel spielten.

Zudem sind drei der vier Paarungen in der ersten Playoffrunde Spiele, die in der Vorwoche schon einmal stattfanden. Für die Dallas Cowboys war der 24:0-Erfolg vom letzten Spieltag der regulären Saison gegen den Philadelphia Eagles ein gutes Omen. Samstagnacht schlug Dallas seinen Divisionskonkurrenten überzeugend 34:14. Für die Cowboys war es mehr als nur ein Sieg - es war der erste Playoff-Erfolg seit 13 Jahren.

Besonders dankbar dürften Trainer Wade Phillips und Quarterback Tony Romo gewesen sein. Bei einer Pleite wäre Phillips wohl seinen Job los gewesen. Romo konnte mit einer souveränen Leistung (Pässe für 244 Yards Raumgewinn und zwei Touchdowns) zeigen, dass er gereift ist. In den vergangenen Jahren hatte er Dallas mindestens einen sicheren Playoff-Erfolg gekostet.

Der enttäuschende Eagles-Angriff konnte sich gegen die dominante Cowboys-Verteidigung nur selten durchsetzen. Anthony Spencer und DeMarcus Ware setzten McNabb konstant unter Druck und brachten ihn drei Mal zu Boden. McNabb fand nie seinen Rhythmus und brachte nur etwa die Hälfte seiner Pässe an den Mann. In dieser Form ist Dallas in Minnesota bei Brett Favres Vikings am kommenden Wochenende kein Außenseiter.

Auch im Spiel der Cincinnati Bengals gegen die New York Jets am Samstagnachmittag gewann mit den Jets das Team, das in der Vorwoche bereits 37:0 gewonnen hatte. Dieses Mal war es knapper (24:14). Entscheidend für New Yorks Erfolg waren mehrere Faktoren. Zum einen machte Rookie-Quarterback Mark Sanchez eines seiner besten Spiele und stellte seine Fehleranfälligkeit aus der regulären Saison ab. Er warf keine Interception, einen Touchdown-Pass und brachte 80 Prozent seiner Würfe an den Mann.

Benson kann die Bengals nicht retten

Zusammen mit New Yorks hervorragendem Laufangriff und seiner dominanten Verteidigung war das zu viel für die Bengals, bei denen der erfahrene Quarterback Carson Palmer eine bestenfalls durchwachsene Leistung zeigte. Dies konnte selbst Runningback Cedric Benson, der 169 Yards Raumgewinn und einen Touchdown erzielte, nicht ausgleichen. Cincinnati ist nun seit 1990 ohne Playoffsieg.

Die Neuauflage eines Spiels vom vergangenen Wochenende werden die Zuschauer auch bei der NFC-Partie von Vizemeister Arizona Cardinals gegen die Green Bay Packers sehen. Die Packers haben nach ihrem 33:7-Auswärtssieg viel Selbstvertrauen. Ihre Verteidigung um Rookie-Nose-Tackle B.J. Raji und Rookie-Linebacker Clay Matthews ließ den Cardinals-Angriff kaum zur Entfaltung kommen.

Zudem haben die Packers in Charles Woodson einen Cornerback, der die herausragenden Cardinals-Receiver Larry Fitzgerald und Anquan Boldin aus dem Spiel nehmen kann. Umgekehrt sollte Packers-Quarterback Aaron Rogers dank seiner im Lauf der Saison deutlich verbesserten Offensive Line genug Zeit haben, Arizonas Verteidigung zu zerpflücken.

"Wes kann man nicht ersetzen"

Die Partie zwischen den New England Patriots und den Baltimore Ravens ist das einzige Spiel des Wochenendes, dessen Erstausgabe in der laufenden Spielzeit schon etwas länger her ist. New England schlug die Ravens am 4. Oktober 27:21. Es war einer von acht Heimsiegen für die zu Hause ungeschlagenen Patriots. Die Ravens gewannen dagegen nur drei ihrer acht Auswärtsspiele.

Dennoch ist New England kein hoher Favorit. Patriots-Wide-Receiver Wes Welker riss sich am vergangenen Wochenende im bedeutungslosen Spiel in Houston mehrere Bänder im Knie. Damit fehlt Quarterback Tom Brady sein am häufigsten anvisierter Passfänger. Randy Moss ist nun Bradys einziger hochwertiger Receiver. "Wes kann man nicht ersetzen", sagte Brady.

Dass Rookie Julian Edelman Welker zumindest teilweise vergessen machen kann, glaubt Ravens-Trainer John Harbaugh. "Er ist wie ein Welker-Klon." Weil aber New Englands Passspiel auch mit Edelman eingeschränkt ist, wird Trainer Bill Belichik wohl das Laufspiel stärker nutzten müssen. Sammy Morris, Kevin Faulk und Fred Taylor sind zwar gute Running Backs, doch die Ravens sind mit Willis McGahee und vor allem Ray Rice besser besetzt.

Weil Bradys Wurfoptionen durch Welkers Ausfall beschränkt sind, fällt der Offensive Line mit dem Deutschen Tackle Sebastian Vollmer noch mehr Verantwortung zu. Vollmer beeindruckte in seiner ersten Profisaison, kam in 14 von 16 Spielen zum Einsatz und spielte sogar acht Mal von Beginn an. An ihm und seinen Kollegen liegt es nun, Brady gegen Baltimores starke Verteidigung genug Raum und die Extrasekunde mehr zum Werfen zu verschaffen. Und er muss nun wohl öfter als geplant gegen die aggressive Defensive Line der Ravens für New Englands Runningback-Trio Platz zum Laufen schaffen.

Damit beendeten Jets und Cowboys an diesem Wochenende einen Trend - in der ersten Playoff-Runde gab es bisher neunmal eine Neuauflage eines Spiels aus der Vorwoche. Nur viermal hatte zuvor der Sieger der ersten Partie das Playoffspiel gewinnen können.

2. Teil: Wie Teams mit Freilos die Playoffs angehen

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NFL-Playoffs: Brillanter Brady, fabelhafter Favre

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Schwer einzuschätzen sind die in AFC und NFC an Nummer eins und zwei gesetzten Teams. Sie haben für die Wildcard-Spiele am Wochenende ein Freilos. Das muss kein Vorteil sein. Nicht aus Zufall ist nur ein top-gesetztes Team seit dem Jahr 2000 Meister geworden (Patriots 2003). Viermal (Patriots 2001, Tampa Bay Buccaneers 2002, Patriots 2004, Steelers 2008) gewannen an zwei gesetzte Teams.

Den besten Lauf scheinen derzeit die San Diego Chargers zu haben. Elf Siege in Folge haben sie zur Nummer zwei in der AFC gemacht. Mit Philip Rivers verfügt das Team über einen sehr guten Spielmacher - und Rivers wiederum hat fünf exzellente und mindestens 1,90 Meter große Passfänger. Gegen sie haben die meist deutlich kleineren Verteidiger bei hoch geworfenen Bällen kaum eine Chance.

Weniger entspannt ist die Lage bei der Nummer eins in der AFC, den Indianapolis Colts. Sie hatten sich bereits nach 14 Spielen ein Freilos und Heimvorteil bis zum Super Bowl gesichert. In den abschließenden Partien der regulären Saison (15:29 gegen die New York Jets und 7:30 bei den Buffalo Bills) ließen sie Stammspieler, darunter Quarterback Peyton Manning, auf der Bank, um keine Verletzungen zu riskieren. Dafür wurden die Colts heftig kritisiert, weil manche Teams dies als Wettbewerbsverzerrung ansahen. Ob die Schontaktik aufgeht, ist fraglich. Die Colts haben sie bereits 1999, 2005 und 2007 versucht - nur um dann ihr erstes Playoffspiel zu verlieren.

Das am stärksten verunsicherte Nummer-1-Team der vergangenen Jahre

Noch schlechter als den Colts geht es in der NFC den an eins gesetzten New Orleans Saints. Sie waren auf dem Höhepunkt, als sie am 30. November die Patriots schlugen. Danach ging es bergab. Die vergangenen drei Spiele verlor New Orleans und gilt damit als das am stärksten verunsicherte Nummer-1-Team der vergangenen Jahre.

Ein wenig zuversichtlicher können die Minnesota Vikings, Nummer zwei in der NFC, sein. Vor der Saison holten sie Quarterback-Legende Brett Favre aus dem Ruhestand, stolperten aber nach brillantem Saisonstart. Wenn Favre noch einen Titel gewinnen will, muss er es dieses Jahr tun. Ein besseres Team und günstigere Umstände wird der 40-Jährige nicht mehr finden. Helfen könnte ihm dabei das Wetter: Sollte er es bis zum Super Bowl in Miami schaffen, wird er jedes Spiel in der Halle und keines in der Kälte bestreiten. Denn seit seinem Weggang von den Packers, wo er Dutzende Partien bei Minusgraden absolvierte, hat er bei niedrigen Temperaturen ungewohnt oft schlecht ausgesehen.