American Football Vier Quarterbacks und ein Pflegefall
NFL-Superstar Brady: Auf dem Weg zur Titelverteidgung?
Foto: AP/dpaEs könnte so einfach sein. Die NFL besteht aus 32 Teams, die auf acht Divisionen verteilt sind. Die Sieger dieser acht Divisionen könnten nach der regulären Saison ein Playoff-Viertelfinale bestreiten, und von da aus ginge es dann im K.o.-Verfahren bis zur Super Bowl.
Aber nein.
Stattdessen bekommen die besten vier Mannschaften ein Freilos für die erste Runde der Playoffs, an ihrer Stelle bekommen vier weitere Teams eine Wild Card, nämlich die Zweit- oder Drittplatzierten mit der besten Bilanz.
Dass dieser unhandliche Modus sogar durchaus seine sportliche Berechtigung hat, zeigte das vergangene Wochenende. Alle vier Wild Card-Mannschaften gewannen auswärts bei Divisions Champions und treffen nun in den Divisional Playoffs, also dem tatsächlichen Viertelfinale, auf die vier besten Teams der Saison. Das gab es noch nie in der Liga, vier Auswärtssiege in der ersten Playoff-Runde! Und damit noch nicht genug: Keiner der vier Außenseiter ist am Wochenende chancenlos.
New England Patriots - Kansas City Chiefs (Samstag, 22.35 Uhr MEZ)
Deutscher NFL-Profi Vollmer: Bradys Bodyguard ist zurück
Foto: Erik S. Lesser / dpaTitelverteidiger New England und sein Superstar-Quarterback Tom Brady gehen nominell als klare Favoriten in ihr Heimspiel gegen die Kansas City Chiefs. Brady hat mehr Playoff-Spiele gewonnen als irgendein anderer Quarterback in der Geschichte der Liga, sein Ziel ist es, mit den Patriots den fünften Super-Bowl-Titel seiner Karriere zu gewinnen - auch das wäre ein Rekord. Nach dem "Deflategate"-Skandal um zu weiche Bälle war Brady von der Liga zunächst für die ersten Saisonspiele der laufenden Spielzeit gesperrt worden. Ein Bundesrichter hob diese Sanktion im September auf.
Während die Patriots in der Ära von Brady und Trainer Bill Belichick (beide seit 2000 im Team) Dauergast in den Playoffs sind, hatte man von den Kansas City Chiefs lange nichts gehört. Vor 50 Jahren bestritten sie die allererste Super Bowl und verloren gegen die Green Bay Packers. Zuletzt hatten die Chiefs 23 Jahre lang kein einziges Playoff-Spiel mehr gewonnen - bis sie vergangenes Wochenende 30:0 bei den Houston Texans siegten.
Nicht nur in Houston überzeugte die Defense der Chiefs. Kaum ein anderes Team der NFL schafft es so gut, das Passspiel gegnerischer Quarterbacks zu stören, wie die Mannschaft von Head Coach Andy Reid. Da kommt es den Patriots gerade recht, dass Sebastian Vollmer rechtzeitig zu den Playoffs wieder fit geworden ist. Der Deutsche könnte entscheidend dazu beitragen, Brady gegen die Passverteidigung der seit elf Spielen ungeschlagenen Chiefs zu beschützen.
Arizona Cardinals - Green Bay Packers (Nacht auf Sonntag, 2.15 Uhr MEZ)
Green-Bay-Profi Rodgers: Hoffen auf einen Top-Tag
Foto: ELSA / AFPDie Cardinals, einst in Chicago gegründet, und die Packers sind zwei der ältesten Teams der NFL. Doch während Green Bay vier Super Bowls gewonnen hat, stand Arizona nur einmal im Endspiel, das 2009 gegen Pittsburgh verloren ging. In Green Bay, das eine durchwachsene Saison hinter sich hat und sechs der letzten zehn Spiele vor den Playoffs verlor, erinnert man sich nach dem überzeugenden 35:18-Erfolg in Washington vor einer Woche jetzt schon an 2011. Damals gewannen die Packers als Wild-Card-Team die Super Bowl und zogen mit drei Auswärtssiegen in Folge ins Finale ein.
Damit ein solches Märchen erneut geschrieben werden kann, muss Aaron Rodgers, einer der besten Quarterbacks der NFL, einen sehr guten Tag erwischen, was immer auch bedeutet, dass seine Offensive Line dem Pass Rush der Cardinals standhält. Erst vor drei Wochen gastierte Green Bay bei den Cardinals. Damals wurde Rodgers achtmal von den Cardinals gesackt. Läuft es wieder so, hat seine Mannschaft keine Chance.
Auf der Gegenseite wartet Carson Palmer, der Quarterback der Cardinals, auch mit 36 Jahren immer noch auf seinen ersten Playoff-Sieg. Aber Palmer spielt eine sehr gute Saison, sein Passspiel ist ein wesentlicher Faktor dafür, dass Arizona aktuell die beste Bilanz der langen Teamgeschichte aufweist.
Carolina Panthers - Seattle Seahawks (Sonntag, 19.05 Uhr MEZ)
Panther Newton: Immer "on Fire"
Foto: Grant Halverson / AFPWann immer Carolina spielt, sind alle Augen auf Cam Newton gerichtet. Der Quarterback, der seit seiner ersten Profisaison 2011 zu den besten der NFL zählt, polarisiert mit seinen Touchdown-Choreographien und seiner extrovertierten Art. Eine von Newtons Stärken besteht in seiner Fähigkeit, selbst Laufspielzüge auszuführen, anstatt den Ball an einen Running Back zu übergeben oder zu passen. So hat er selbst in dieser Saison die Rekordmarke von zehn eigenen Rushing Touchdowns aufgestellt. Das ist umso interessanter, als Carolina jetzt mit Seattle auf die beste Laufverteidigung der NFL trifft.
Dass die Seahawks überhaupt noch die Chance haben, ihre dritte Super Bowl in Folge zu erreichen, verdanken sie allerdings weder ihrer Defense noch Quarterback Russell Wilson, sondern Blair Walsh. Der Kicker der Minnesota Vikings vergab in den Schlussekunden des Wild-Card-Spiels vergangene Woche ein vermeintlich einfaches Field Goal und schenkte den Seahawks so eine weitere Playoff-Runde.
Denver Broncos - Pittsburgh Steelers (Sonntag, 22.40 Uhr MEZ)
Denver-Oldie Mannig: Seine letzte große Show?
Foto: AP/dpaIm Alter von inzwischen 39 Jahren tritt Broncos-Quarterback Peyton Manning zu seinem vielleicht letzten NFL-Spiel an. Eventuell hätte der 14-fache Pro-Bowl-Teilnehmer ein Jahr früher Schluss machen sollen, denn Manning erlebte in Denver gerade die statistisch gesehen schlechteste Saison seiner Profikarriere und verlor nach einer Verletzung sogar kurz seinen Stammplatz als Quarterback. Dazu sieht er sich seit einigen Wochen dem Vorwurf ausgesetzt, vor einigen Jahren illegale Wachstumshormone konsumiert zu haben.
Aber nicht Manning steht hinter der guten Saison Denvers als bestes Team der AFC, sondern vor allem die Broncos-Defense, die beste der NFL in diesem Jahr. Sie könnte es gegen Rekord-Titelträger Pittsburgh sogar noch leichter haben, weil die beiden Schlüsselspieler der Steelers, Quarterback Ben Roethlisberger und Receiver Antonio Brown, durch Verletzungen gehandicapt sind und zuletzt nicht trainieren konnten.
Steeler Roethlisberger (r.): bangen um seine Fitness
Foto: Andy Lyons / AFP