Olympia-ABC Als Kipketer Schumanns Hacken sah
Hagenbäumer, Eva (5.1.1967): Die deutsche Hockeyspielerin gewann 1992 mit dem Team die olympische Silbermedaille. 1996 in Atlanta verlor sie während der Begegnung gegen Spanien ihren Rock, musste deshalb kurzzeitig im Slip über den Platz laufen und sorgte somit ungewollt für Schlagzeilen, auch wenn sie anschließend klagte: "Und dann für solch einen Mist."
Hajos, Alfred (1.2.1878-12.11.1955) gewann 1896 bei der Premiere der Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen die ersten beiden Schwimmmedaillen - über 100 und 1200 Meter. Für das Rennen über die längere Distanz wurden die Athleten in einem Boot aufs Meer hinaus gefahren und mussten zum Ufer zurückschwimmen. Der Ungar sagte nach dem Sieg, dass er in dem 13 Grad kalten Wasser nicht um den Sieg, sondern ums Überleben gekämpft habe.
Halassy, Olivér (31.7.1909-10.9.1946) geriet als Junge in Budapest unter eine Straßenbahn. Sein linker Fuß musste amputiert werden, doch der begeisterte Schwimmer trainierte verbissen weiter. 1928 schaffte er es trotz seines Handicaps in die ungarische Wasserball-Nationalmannschaft, mit der er 1928 Silber gewann und 1932 sowie 1936 Olympiasieger wurde.
Hambüchen, Fabian (25.10.1987) war 2004 in Athen als 16-Jähriger der jüngste deutsche Olympiaturner aller Zeiten. In Peking zählt er als amtierender Reck-Weltmeister zu den Favoriten. Zum großen sportlichen Erfolg in der Schule hat es bei ihm aber nicht gereicht: Auf seinem Abiturzeugnis steht "nur" eine 2 als Sportzensur. "In der Praxis musste ich neben Turnen auch Leichtathletik machen. Und Kugelstoßen ist halt nicht mein Ding."
Hartel, Lis (14.3.1921) gewann 1952 und 1956 jeweils die olympische Silbermedaille im Dressurreiten. 1944 war die Dänin an Kinderlähmung erkrankt, verbrachte Monate im Krankenhaus. Auch anschließend litt Hartel weiterhin unter den Folgen der Krankheit und musste lange Zeit im Rollstuhl verbringen. Als sie sich auf Krücken fortbewegen konnte, bat die Reiterin ihren Mann, sie wieder auf ein Pferd zu setzen. Es folgte ein tägliches Training und schließlich die Qualifikation für Olympia 1952.
Eine doppelte letzte Runde und ein Ringer, der seinen Trainer als Schal benutzte
Iso-Hollo, Volmari Fritijof "Vomma" (1.5.1907-23.6.1969): Der finnische Hindernisläufer holte 1932 seine erste olympische Goldmedaille über 3000 Meter. Der Fauxpas eines Funktionärs verhinderte jedoch die Schlusspointe - den Weltrekord: Der Kampfrichter, der die Runden zählen sollte, hatte während des Laufes zum Zehnkampf geschaut und vergessen, die letzten 400 Meter einzuläuten, so dass das ganze Feld die Schlussrunde zweimal laufen musste. Den Weltrekord holte sich Volmari schließlich ein Jahr später. Er verteidigte 1936 bei den Spielen von Berlin seinen Olympiasieg, erneut in Weltrekordzeit.
Joyner-Kersee, Jackie, eigentlich Jacqueline (3.3.1962): Die US-Amerikanerin wurde nach Jackie Kennedy benannt. Als erste schwarze Athletin erhielt sie große Werbeverträge und wurde dreifache Olympiasiegerin (in Seoul 1988 im Siebenkampf und Weitsprung, 1992 im Siebenkampf). Bei den wegen ihrer Kommerzialisierung kritisierten Spielen von 1996 in Atlanta war das Motto ihrer großen Nike-Reklametafeln: "Ich bin nicht hier, um Anstecknadeln zu tauschen."
Karelin, Alexander (19.9.1967) war dreimal hintereinander (1988-1996) Olympiasieger in der schwersten Ringerklasse, in der er 2000 noch einmal Silber gewann. Der superschwere Russe (130 Kilogramm) war dafür bekannt, dass er sich mit seinem Trainer aufwärmte. Dazu legte er den Coach wie einen Schal um seine Schultern und machte Kniebeugen.
Eine überaus erfolgreiche Olympia-Familie, ein verhinderter Olympiasieger und ein Wein trinkender Marathonläufer
Die Hockey-Familie Keller aus Berlin ist die erfolgreichste Sportfamilie bei Olympischen Spielen. Erwin Keller (8.4.1905-1971) gewann 1936 Silber, sein Sohn Carsten (8.9.1939) holte 1972 Gold. Für Carstens Sohn Andreas (1.10.1965) reichte es 1984 und 1988 zu Silber und 1992 zur Goldmedaille. Dessen ehemalige Lebenspartnerin Anke Wild gewann mit den Damen in Barcelona '92 Silber. Andreas' Halbschwester Natascha (3.7.1977) wurde 2004 in Athen Olympiasiegerin.
Kipketer, Wilson (12.9.1970): Der aus Kenia stammende 800-Meter-Läufer gehört zu den verhinderten Olympiasiegern. Er hatte sich 1990 als Student in Dänemark niedergelassen. Mit einer Sondergenehmigung des Leichtathletikweltverbandes wurde der Afrikaner für sein neues Land 1995 Weltmeister. Die dänischen Behörden bürgerten den Starathleten allerdings nicht rechtzeitig für Olympia '96 ein, obwohl dieser in absoluter Topform war. Um die Staatsbürgerschaft zu erhalten, hätte Kipketer sieben Jahre in dem neuen Land leben müssen.
Bei den Spielen in Sydney und Athen holte Kipketer Silber und Bronze. In Australien verlor er dabei auf der Zielgeraden gegen den Sensationssieger Nils Schumann.
Louis, Spyridon (12.1.1873-26.3.1940) sorgte bei der Premiere der Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen für den ersten griechischen Sieg. Er gewann den Marathonlauf. Dabei musste er ohne die heute üblichen Verpflegungsstellen auskommen. Ein rohes Ei und ein Becher Wein - gereicht von seinem späteren Schwager Kontos - mussten als Energieschub reichen. Einen Spezialpreis für seinen Olympiasieg nahm er übrigens nicht entgegen. Olympiamäzen Georgios Averoff hatte dem Marathonsieger seine Tochter versprochen, doch Louis war schon verheiratet...
Lesen Sie morgen, wie "Eric, der Aal" die Welt begeisterte und ein Beinahe-Ertrunkener Schwimm-Olympiasieger wurde.
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