Radsport kompakt Aldag entschuldigt sich, Vandenbroucke außer Lebensgefahr
Hamburg - "Es gibt keine Ermittlungen in unserem Team und es gibt auch keinen Grund dafür", hieß es in einer Mitteilung des Quick-Step-Rennstalls. Gestern hieß es noch, es seien auch Fahrer der Mannschaft um die Weltmeister Paolo Bettini und Tom Boonen bei der Doping-Razzia von der belgischen Polizei vernommen worden. Das sei falsch, von einem Betreuer sei das Mobiltelefon und der Laptop kurz beschlagnahmt worden, ließ das Team verlauten. Es seien jedoch keine illegalen Produkte gefunden worden.
Die Trennung von seiner Frau soll ein Auslöser für den Selbstmordversuch des belgischen Profis Frank Vandenbroucke gewesen sein. "Wenn man eine Familie verliert, ist es schwierig, weiter zu machen. Diese letzten Wochen waren für mich sehr hart", zitierte die italienische Zeitung "Il Giornale" den 32-Jährigen. Zudem habe er eine Pechsträhne am Spieltisch gehabt. Vandenbroucke hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten. Sein Zustand bezeichneten die Ärzte im Mailänder Krankenhaus Fornaroli heute als "ernst, aber nicht mehr lebensgefährlich".
Rolf Aldag hat sich nach seinem Doping-Geständnis vor den Fahrern vom T-Mobile-Team Reue gezeigt. "Sie sind es, bei denen ich mich vorrangig zu entschuldigen habe. Die haben mit der Sache von damals nichts zu tun, und doch trifft es sie heute", sagte der Sportdirektor des Rennstalls der "Frankfurter Rundschau". Der 38-Jährige hatte zugegeben, zwischen 1995 und 2002 gedopt zu haben. Gerald Ciolek aus dem T-Mobile-Team zum Beispiel sei damals erst neun Jahre alt gewesen. "Aber er hat jetzt keine ärztliche Versorgung mehr und er wird eventuell beim Training beschimpft, weil er ein magentafarbenes Trikot anhat. Da braucht es natürlich Gespräche", sagte Aldag.
Die wichtigste Frage für ihn sei derzeit, ob ihm nach seinem Geständnis vom Team noch Vertrauen geschenkt werde. "Die Grundtendenz war die, dass die Fahrer gesagt haben: Es war falsch, aber ich weiß nicht, wie ich in dieser Situation reagiert hätte", schildert Aldag den Tenor seiner Rennfahrer. Einer habe seinem Chef offen das Misstrauen ausgesprochen und gesagt: "Du hast zwölf Jahre nicht die Wahrheit gesagt, woher weiß ich, dass du heute die Wahrheit sagst?"
Der italienische Radsportverband FCI wird am kommenden Freitag über eine mögliche Sperre gegen den unter Dopingverdacht stehenden früheren Giro-Sieger Ivan Basso verhandeln. Den Termin für das Meeting des zuständigen FCI-Gremiums kündigte der Verband heute an. Ettore Torri, ermittelnder Staatsanwalt des nationalen Olympischen Komitees Italiens Coni, hatte für Basso eine Sperre von 21 Monaten gefordert. Basso wird die Verletzung des Ehren-Codex der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) vorgeworfen. Der Italiener beharrt darauf, nur Blut-Doping beabsichtigt, aber nie fabriziert zu haben. Auch dieser Tatbestand kann mit einer zweijährigen Sperre geahndet werden.
Der ebenfalls im Rahmen des spanischen Dopingskandals um dem Madrider Medizinier Eufemiano Fuentes in Dopingverdacht geratene italienische Radprofi Michele Scarponi soll auf Empfehlung von Torri für 18 Monate gesperrt werden.
bri/dpa/sid