Sturm verteidigt WM-Titel: Champion mit Imageproblem - DER SPIEGEL
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Kampf um den WBA-Gürtel: Sturm bleibt Champion

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Sturm verteidigt WM-Titel Champion mit Imageproblem

Es war spannend, mehr aber auch nicht. In einem Duell auf mäßigem Niveau verteidigte Felix Sturm gegen einen tapferen Briten seinen WM-Titel. Nun geht der Blick nach vorn. Im Visier: starke Gegner mit prominentem Namen. Sollte man diese wirklich finden, muss Sturm aber an seiner Leistung arbeiten.
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Eine halbe Stunde nach Mitternacht gab Felix Sturm noch einmal richtig Gas. "Ich halte das Urteil für völlig falsch. Murray hat vielleicht eine einzige Runde gewonnen und so gut wie keinen Wirkungstreffer bei mir gesetzt", versuchte der 32-Jährige bei der Pressekonferenz wenigstens noch den verbalen K.o.-Schlag. Eben diesen alles entscheidenden Wirkungstreffer, der ihm in den zwölf Runden zuvor gegen den Briten Martin Murray verwehrt geblieben ist.

Remis hieß am Ende das Urteil der Richter, einer sah Sturm vorne, einer Murray, der dritte keinen von beiden. Remis also, ein Urteil, dass Sturms Trainer Fritz Sdunek als eine Art Revanche für jenes empfand, welches in Sturms vorherigem Kampf gegen Matthew Macklin gefällt wurde. Damals siegte Sturm höchst umstritten, und auch dieses jüngste Urteil war nach einhelliger Meinung am Ring in der Mannheimer SAP-Arena alles andere als klar. Wenn auch am Ende doch nachvollziehbar.

Die Truppe um Murray jedenfalls schüttelte bei der nächtlichen Fragerunde bei den Worten Sturms nur noch entnervt den Kopf. Naturgemäß sah sie ihren Kämpfer vorne. Schon ein scharfer Blick in Sturms Gesicht genügte, um zu ahnen, wie sehr ihn sein britischer Widersacher zwölf Runden lang malträtierte. Dicke Beulen, Wunden und Schrammen zierten das Gesicht des Boxers, der mutige und bestens austrainierte Murray hatte also doch getroffen - und das nicht nur einmal.

Schwache Leistung von Sturm

Insgesamt ist aus sportlicher Sicht festzuhalten, dass Sturm vor den Augen der 10.000 Zuschauer in Mannheim einen enttäuschenden Fight abgeliefert hat. Auch wenn er sich als den "dominierenden Mann" gesehen hat, offenbarte Sturm doch einige boxerische Mängel. Fit wie immer trieb er seinen Kontrahenten, der von etwa 1.000 britischen Anhängern fanatisch nach vorne gepeitscht wurde, durch den Ring, von klaren Treffern und zielgerichteten Schlagkombinationen war allerdings nicht viel zu sehen. Wieder einmal war es bei Sturm der fehlende harte Punch, der ihm das Leben schwer machte. Zudem zeigte er, wie schon bei seinem letzten Duell gegen Macklin, deutliche Schwächen bei der Deckungsarbeit.

Was aber bedeutet dieses Unentschieden perspektivisch? Was Sturm von einem Wiederholungskampf gegen Murray hält, machte er zu später Stunde vor den Pressevertretern in den Katakomben der SAP-Arena mehr als deutlich. "Ich will dieses scheiß Rematch nicht haben", sagte er und reagierte wieder einmal äußerst dünnhäutig auf Fragen nach stärkeren Gegnern. Natürlich wolle er bekannte Namen boxen, deren Gagenforderungen seien aber entweder deutlich zu hoch oder sie wären schlichtweg zu feige, sich dem Duell mit ihm zu stellen, erklärte er in zornigem Tonfall.

Schnell wurde bei diesen Worten klar: Der Boxer und Geschäftsmann Sturm mit dem eigenem Boxstall "Sturm Promotion" ist viel zu clever, um aus den Mechanismen der Box-Branche nicht ordentlich Profit zu schlagen. "Feuerwerk", "Spektakel", den "Ring zum Brennen bringen" - das waren die Schlagworte, die die Sturm'sche PR-Maschinerie in den vergangenen Tagen in die Medienwelt verstreute. Herausgekommen ist gegen Murray ein Kampf, der zwar spannend aber bei weitem nicht hochklassig war.

Wohl keine Kämpfe im Ausland

So fehlen auf Sturms Kampfkartei weiterhin die Gegner mit internationalem Format. Noch immer zehrt seine Bekanntheit von seinem Galaauftritt vor vielen Jahren gegen Oscar de la Hoya im Box-Mekka Las Vegas. Mittlerweile aber scheint dem Kölner der Weg in die USA versperrt. Sein Exklusiv-Vertrag mit dem Privatsender SAT1 macht ihm boxerische Exkursionen über den großen Teich so gut wie unmöglich. Im kommenden Jahr plant SAT1 Boxen als Premium-Event in die deutschen Haushalte zu transportieren. Sechs bis acht Kampfabende soll es 2012 geben, die Hälfte mit aktiver Beteiligung von Felix Sturm, die andere Hälfte mit Boxern aus dessen Kölner Profistall. Fights im Ausland sind da wohl eher nicht vorgesehen.

Sturm geht Risiko. Der Spagat zwischen Boxer und Geschäftsmann ist kein leichter, schließlich kann er sich Niederlagen kaum erlauben, will er zusammen mit SAT1 weiter im Geschäft bleiben. Schwache Rivalen allerdings, und zu denen muss letzten Endes auch Murray gezählt werden, machen Sturms Ringauftritte auf der anderen Seite nicht gerade populärer. Bereits in Mannheim verlief der Kartenvorverkauf nicht gerade rasant, und auch die TV-Quoten erreichten vor dem Murray-Fight nicht immer Bestwerte. Der Druck auf Sturm ist also groß.

Kein Duell mit Abraham

Zu einem aber würde sich der Weltmeister, der in Mannheim seinen Titel im Mittelgewicht zum elften Mal erfolgreich verteidigte, offenbar nicht mehr bewegen lassen: zu einem Kampf gegen Arthur Abraham. "Abraham ist boxerisch nicht einmal mehr Mittelklasse. Er kann prügeln und mehr nicht", fand Sturm Samstagnacht noch einmal deutliche Worte, bevor er sich zur VIP-Party verabschiedete. "Ich würde ihn leicht und locker besiegen." Das hatte er vor dem Kampf gegen Martin Murray wohl auch gedacht.

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