Trotz negativer B-Probe Dopingexperte fordert Jones-Sperre
Hamburg - "Es gibt genügend Indizien und Zeugenaussagen, um Marion Jones zu sperren", sagte Franke dem sid, nachdem er die Fakten über den Balco-Prozess gesichtet hatte. Der Heidelberger Dopingexperte mutmaßt, die Anwälte der dreifachen Sydney-Olympiasiegerin Jones hätten die amerikanischen Verbände und die Anti-Doping-Behörde USADA erfolgreich eingeschüchtert.
Franke argumentiert, dass Kollegen der Sprinterin eben wegen ihrer Verstrickung in die Balco-Affäre aus dem Verkehr gezogen worden seien: "Warum wurden nur andere ohne positive Probe gesperrt - sogar für acht Jahre wie die frühere Hallen-Weltmeisterin Michelle Collins?" Vier Jahre hatte der zweimalige Olympiasieger Alvin Harrison (4x400 Meter) bekommen, der allerdings einräumte, Dopingmittel genommen zu haben. Kelli White wurde für zwei Jahre nach ihren WM-Siegen 2003 in Paris über 100 und 200 Meter gesperrt.
Jones war im Balco-Prozess sowohl durch den Vater ihres Sohnes, Ex-100-Meter-Weltrekordler Tim Montgomery, und ihren früheren Ehemann C. J. Hunter belastet worden. Hunter, wie Montgomery überführter Doper, hatte ausgesagt, er sei dabei gewesen, als sich Marion Jones Epo injiziert habe. Jenes Mittel, mit dem sie am 23. Juni 2006 bei den US-Meisterschaften in Indianapolis positiv getestet wurde - aber nur in der A-Probe. Die Gegenanalyse erwies sich im Labor von Los Angeles diese Woche als negativ.
Ähnliches hatte Balco-Chef Conte 2003 zu Protokoll gegeben. Er erklärte schon vor dem Prozess, der ihm nur vier Monate Haft brachte, weil er über Hintermänner berichtete, Jones habe schon vor den Olympischen Spielen in Sydney gedopt. Er habe daneben gesessen, als sie sich entsprechende Dopingmittel gespritzt habe. Dabei soll es sich um Epo, Wachstumshormone und das Designer-Steroid THG gehandelt haben.
Marion Jones hatte wenig später vor dem nordkalifornischen Bezirksgericht in San Francisco eine Verleumdungsklage gegen Victor Conte eingereicht und von diesem eine Entschädigung von 25 Millionen Dollar gefordert. Im Februar 2006 zog sie diese dann nach Verhandlungen ihrer Anwälte mit Conte zurück.
goe/sid