NBA-Historie: Ein Magier gegen den Fluch - DER SPIEGEL
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NBA-Historie Ein Magier gegen den Fluch

Über 22 Jahre erlebten die Boston Celtics Schicksalsschläge, Tragödien und schier unglaubliches Pech. Im dritten Teil der "FIVE"-Serie schildert Autor Johannes Korge, wie der Club mit Coach Rick Pitino einen Magier gegen den Fluch verpflichtete.
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Dies ist der dritte Teil einer History-Serie über die Boston Celtics. Wenn sie die ersten Teile verpasst haben, klicken sie hier für Teil 1 und hier für Teil 2.

Während eines leichten Wurftrainings brach Reggie Lewis erneut zusammen, der Notarzt konnte wenig später nur noch den Tod feststellen. Radio und Fernsehen übertrugen den Trauergottesdienst live, mehr als 15.000 Menschen erschienen, um Abschied zu nehmen.

Viele Fans trauerten wohl nicht ausschließlich um den Forward, sondern auch um ihre Franchise, die dem freien Fall immer näher rückte. Die Zeitungen beklagten den zweiten Todesfall binnen sieben Jahren und spekulierten über den "Fluch der Celtics". Tatsächlich könnten die beiden tragischen Vorfälle mehr gemein gehabt haben, als den Celtics-Offiziellen lieb war. Die Stimmen, die Lewis' Herzleiden mit regelmäßigem Drogenkonsum in Verbindung brachten, wollten nicht verstummen. Offiziell spielen illegale Substanzen in der Tragödie keine Rolle, gerade bei jungen Menschen jedoch wird Narbengewebe, wie es an Lewis' Herz festgestellt wurde, häufig durch Kokain-Missbrauch verursacht.

Mit dem Ableben von Reggie Lewis begannen für die Celtics-Fans fast anderthalb Dekaden in der Schattenwelt der unterklassigen NBA-Teams. Dass der ebenso baufällige wie altehrwürdige Boston Garden, Schauplatz legendärer Spiele und Heimat einiger der größten Helden der NBA-Geschichte, 1997 abgerissen wurde, kann als Sinnbild für den Niedergang des Vereins genommen werden. Im neuen Fleet Center, heute der TD Banknorth Garden, funktionierten zwar (im Gegensatz zum alten Garden) die Duschen, der Geist von Cousy, Russell, Bird und McHale blieb in den Ruinen der alten Arena zurück.

Selbst ein Zauberer vermochte den Fluch des Kleeblatts nicht zu brechen. Als Rick Pitino im Mai 1997 den Posten als Cheftrainer der Celtics übernahm, haftete ihm ein geradezu magischer Ruf an. Wo immer er gearbeitet hatte, war der Erfolg nicht weit. Siege feierte er auf dem College-Level, führte Kentucky zum NCAA-Titel 1996. In der NBA coachte Pitino die New York Knicks in zwei Spielzeiten von einer 24-58-Bilanz zum ersten Atlantic-Division-Titel seit zwei Jahrzehnten. Genau der richtige Mann also, um das Elend der Celtics zu beenden. Der Club demonstrierte sein Vertrauen, machte den Trainer in Personalunion zum Präsidenten – Urgestein Red Auerbach musste dafür seinen Posten räumen.

In seiner Antrittsrede versprach Pitino den Fans eine Rückkehr in die Playoffs innerhalb von drei Jahren. Das Publikum war entzückt, die Sportpresse überschlug sich ob des neuen starken Mannes. Die Führungsetage der Celtics schließlich war sich sicher: Mit Pitino hatte man den Anführer auf der Trainerbank gefunden. Was fehlte, war ein Leader auf dem Platz, doch auch hier schien Abhilfe in Sicht. An der Universität von Wake Forest in North Carolina spielte sich ab 1993 ein schlaksiger Forward/Center auf die Wunschzettel der NBA-Manager. Vier Jahre blieb Tim Duncan am College, führte als erster Basketballer überhaupt die Atlantic Coast Conference in Punkten, Rebounds, Blocks und Wurfquote aus dem Feld an. Beim Gedanken an seine fundamental blitzsaubere, konstante, fast schon stoische Dominanz leckten sich Coaches und Fans der schwächeren NBA-Clubs die Finger. Am miesesten in der Vorsaison: die Celtics.

Dass sich mit einer Bilanz von 15 Siegen bei 67 Niederlagen die Chancen auf den ersten Draftpick, der zwangsläufig Tim Duncan sein würde, drastisch erhöhten, dürfte bei der katastrophalen Saisonausbeute eine Rolle gespielt haben. Immerhin war die Aussicht auf den Power Forward eines der Lockmittel, mit denen das Team Pitino zur Unterschrift bewegt hatte. Tatsächlich standen die Chancen bestens: Boston besaß zwei Top-Ten-Picks, die Chance auf Duncan lag bei 36 Prozent. Mit glänzenden Augen schalteten die Celtics-Fans an jenem Abend ihre Fernsehgeräte an, keiner wollte den ersten Akt der Rückkehr des Heilands verpassen. Eine gute Stunde später hallte das Gelächter der Basketballgötter durch die Straßen von Bean-Town, Fans konvertierten zum Völkerball – und Rick Pitinos Blick huschte von seinem frisch signierten Zehn-Jahres-Vertrag zum Tintenkiller und wieder zurück.

Ohne Tim Duncan, dafür mit dem jüngsten Team der Liga: Im vierten Teil der "FIVE"-Serie verliert Coach Rick Pitino die Beherrschung und macht sich bei Fans und Medien unbeliebt. Seine Nachfolger bringen Hoffnung nach "Bean-Town".

Teil 1: Die Gier der Celtics wird bestaft.
Teil 2: Club und Fans schöpfen neue Hoffnung - und werden bitter enttäuscht.

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