Markus Eisenbichler krönt bei der WM in Seefeld seine Saison - DER SPIEGEL
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WM im Skispringen: Historischer Doppelsieg

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Skisprung-Weltmeister Eisenbichler Schusters Werk

Gold und Silber gewonnen: Wie so oft sind die deutsche Skispringer beim Saisonhöhepunkt in Bestform. Markus Eisenbichler und Karl Geiger dürfen verdient feiern - der Erfolg aber gebührt Bundestrainer Werner Schuster.
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Skispringen ist eine so wechselhafte Sportart. Das liegt nicht nur daran, dass die Athleten von Wind und Wetter abhängig sind wie wenige andere im Sport. An einem Tag gelingt ein Siegsprung, eine Saison scheint man unbesiegbar zu sein, dann wieder scheint nichts zusammenzugehen. Vor drei Jahren erst war Severin Freund der Star der Szene, bei der Weltmeisterschaft 2015 flog er zu Gold. Heute nach schweren Verletzungen und Formtiefs spricht keiner mehr von ihm.

Markus Eisenbichler ist vermutlich der erste, der dies nachfühlen kann. Auch er hat schon unter Verletzungen gelitten, 2012 brach er sich im Training mehrere Brustwirbel, er hat sich mühsam wieder herangekämpft. Vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang feierten seine Kollegen Teamsilber, er war als Ersatzmann nicht dabei. Aber jetzt, jetzt steht er ganz oben. Beim Springen von der Großschanze gelang ihm im zweiten Durchgang "einer der geilsten Sprünge meines Lebens", erst bei 135,5 Metern berührte er wieder den Boden.

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WM im Skispringen: Historischer Doppelsieg

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Gold für Eisenbichler, Silber für seinen Zimmerkumpel Karl Geiger - es ist auch wieder einmal das Händchen des Bundestrainers Werner Schuster, seine Athleten fürs Ereignis des Jahres in Topform gebracht zu haben. Bei der Vierschanzentournee zum Jaherswechsel waren sie schon stark, vor allem Eisenbichler, aber auch sein Teamkollege Stephan Leyhe, der hinter ihm Gesamtdritter war. Dass Leyhe am Samstag nur zugucken durfte, zeigt die Leistungsdichte beim DSV.

Kobayashi landet diesmal nur auf Platz vier

Aber bei der Tournee war noch der Japaner Ryoyu Kobayashi der große Dominator, der alle vier Wettbewerbe für sich entschied, auch am Bergisel, wo auch jetzt gesprungen wurde. Kobayashi wurde nur Vierter. In diesem Augenblick konnte er sich von all den Erfolgen in der Saison nichts kaufen.

Es ist schon eine bemerkenswerte Geschichte um diesen Markus Eisenbichler, der im Weltcup zuvor noch nie Erster geworden war. "Wie soll man das verdauen, wen man noch nie gewonnen hat und plötzlich Weltmeister ist?", fragte er sich selbst, er wisse "gar nicht, was ich jetzt eigentlich fühlen soll". Er probierte es damit, seine Freude einfach herauszuschreien. Geiger und Eisenbichler, sie teilen sich nicht nur das Quartier, sie haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Lange im Schatten von Richard Freitag und Andreas Wellinger, die in den vergangenen Jahren die gefeierten Springer waren. Nun stehen sie im Licht.

Schuster hat für Konstanz gesorgt

Für Trainer Schuster ist es noch einmal ein besonderer Moment. Der 49jährige Österreicher gibt das Amt beim DSV nach elf Jahren ab, Schuster hat den Skisprung in Deutschland geprägt, verändert. Er hat vor allem dafür gesorgt, dass in dieser Sportart, in der der Wechsel so normal ist, Konstanz einkehrt. Dass der deutsche Skisprung nach den Erfolgen von Dieter Thoma, Jens Weißflog, Martin Schmitt und Sven Hannawald nicht in ein Leistungsloch gefallen ist. Er hat immer wieder junge Springer gefunden und geformt. Auf die Nervenstärke der DSV-Springer ist mittlerweile schon fast Verlass bei Großereignissen, auch das hat der studierte Psychologe Schuster zu verantworten.

Die Weltmeisterschaft ist die Abschiedsfeier für den Trainer, der mit seiner ruhigen, eher zurückgenommen Art meist den richtigen Ton getroffen hat. Ein Mann der leisen Töne. Der es vor allem hinbekam, Eifersüchteleien, Neidgefühle im Team schon zu ersticken, bevor sie aufkommen konnten. Wer gesehen hat, wie sehr sich Geiger darüber freute, dass sein Kollege Eisenbichler zum Sieg sprang, obwohl er ihm damit ja auch die Goldmedaille verdarb, der bekam einen Eindruck davon, wie gut es in der Skisprungmannschaft um die Atmosphäre bestellt ist.

Daher wird die Mission des scheidenden Trainers erst am Sonntag (14.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) so richtig abgeschlossen. Dann steht der Teamwettbewerb auf dem Programm. Dort eine Goldmedaille zu gewinnen - das würde für alles stehen, für das Werner Schuster im DSV gewirkt hat.