Wie Trittbrettfahrer die Panik vor Biowaffen schüren: Angst vor Anthrax - DER SPIEGEL
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Wie Trittbrettfahrer die Panik vor Biowaffen schüren Angst vor Anthrax

Fünf Stunden und 23 Minuten stand Deutschland am Freitag unter Schock, nachdem in Thüringen und Schleswig-Holstein Milzbrand-Alarm gegeben worden war.
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Inzwischen konnte Entwarnung gegeben werden: 30 in Neumünster aufgestellte und mit Gips gefüllte Pakete erwiesen sich als Aktionskunst, ein Brief an das ostthüringische Arbeitsamt in Rudolstadt-Volkstedt enthielt zwar weißes Pulver, doch Nachprüfungen durch das Berliner Robert-Koch-Institut konnten den Anfangsverdacht auf Anthrax-Bakterien nicht bestätigen.

Trotzdem, die Republik ist alarmiert. Und das nicht zum ersten Mal. So wundert es, dass ein bayerischer Trittbrettfahrer vom Amtsgericht Bamberg zu gerade mal fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde. Der 60-jährige Günter G. hatte seiner Nachbarin ein Zucker-Päckchen vor die Tür gelegt, um sie zu ärgern. Wie in vielen anderen Fällen, führte auch dies zu einem Großalarm.

Wie groß die Gefahr ist, die von Anthrax-Bakterien ausgeht, zeigen Versuche des britischen Militärs im Zweiten Weltkrieg. SPIEGEL TV zeigt erstmals Original-Farbaufnahmen dieser geheimen Bio-Waffen-Tests auf der schottischen Insel Gruinard. Trotz intensiver und wiederholter Desinfektionsmaßnahmen blieb die Insel bis Mitte der 80er Jahre verseucht. In aufwändigen Erdarbeiten musste schließlich die obere Humusschicht der Insel abgetragen und verbrannt werden. Nur so waren die langlebigen, zähen und klimaresistenten Anthrax-Sporen unschädlich zu machen.

Vor dem Problem, die tödlichen Bakterien aus den Briefverteilersystemen eliminieren zu müssen, stehen auch die amerikanischen Behörden. Inzwischen will die Post millionenteure Bestrahlungsgeräte installieren. Da kommt eine Meldung aus Wien gerade recht: Wissenschaftler der Universitätsklinik hatten ein Desinfektions-Spray entwickelt, das in der Lage ist, Anthrax-Bakterien abzutöten. Jetzt werden weitere Versuche in einem Grazer Hochsicherheits-Labor zeigen, wie gut das Mittel funktioniert, das ursprünglich zur Desinfektion in der Ölindustrie entwickelt wurde.


MILZBRAND-FEHLALARM

Gipspakete zum Geburtstag

Der Robert-Koch-Institut hat inzwischen endgültig Entwarnung gegeben: Die verdächtigen Sendungen in Thüringen und Schleswig Holstein enthielten keine tödlichen Anthrax-Erreger. Das Gesundheitsministerium von Thüringen räumt inzwischen Fehler beim Ablauf der Aktion ein. mehr...








TERROR

Konjunktur für Trittbrettfahrer

Nie war es leichter, mit anonymen Drohbriefen eine Massenpanik auszulösen. Selbst harte Strafen schrecken Täter nicht ab. mehr... 








ANTHRAX

Verhaltensregeln für den Ernstfall

Finger weg, die Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen und schnellstens die Polizei alarmieren - das raten Experten für den Fall, dass verdächtige Briefe oder Päckchen auftauchen. Informationen über die Infektionskrankheit hat das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seine Webseite gestellt. mehr...



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