Polizeipfarrer im Einsatz "Bitte sagen Sie, dass das nicht wahr ist"
Krefeld - Leicht ist der Gang auch für Michael Hack nicht. Er muss einer Familie die Nachricht überbringen, dass der Vater, Jahrgang 1927, überraschend bei einer Operation im Krankenhaus gestorben ist. Früh morgens klingelt der 61-Jährige Polizeipastor an der Tür der Familie. Mit ruhigen Worten erklärt er, was passiert ist. "Nein", ruft der Sohn. "Bitte sagen Sie, dass das nicht wahr ist!" Und Michael Hack kann nichts anderes sagen als: "Doch, das ist leider so." Eineinhalb Stunden nimmt er sich Zeit, redet mit den fassungslosen Angehörigen.
"Eine Todesnachricht ist fast immer ein Schock für die Angehörigen", sagt der Pfarrer und Psychologe. "Ein Mensch darf und soll in einer solchen Situation nicht allein gelassen werden." Das gilt auch für Polizisten, die bei Einsätzen mit Erlebnissen konfrontiert werden, die sie nicht allein bewältigen können. Die Krefelder Polizistin Claudia Jacobsen etwa wurde mit einem Kollegen zu einem Ehestreit gerufen. Die Auseinandersetzung eskalierte, der Mann rammte sich selbst ein Messer in der Bauch und stürzte sich aus dem Fenster. Er schlug direkt vor den Füßen von Claudia Jacobsen auf. Bei der Verarbeitung der Situation war ihr der Beistand Pastor Hack eine große Hilfe - ebenso wie ihrem Kollegen. Den plagen Schuldgefühle, weil er in einer Blutlache ausrutschte und den Mann nicht von dem Sprung abhalten konnte.
Polizeiseelsorger - ob evangelisch oder katholisch - bekommen spezielle Schulungen, um mit Menschen in kritischen Situationen umgehen zu können. Dazu gehört meistens eine Ausbildung im psychosozialen Bereich und in Krisenintervention. Doch die Erfahrung in der Praxis können Seminare nicht ersetzen.
Nach Ansicht von Michael Hack muss ein Polizeiseelsorger Ärger, Wut und Trauer der Betroffenen zulassen. Wichtig sei vor allem, menschliche Nähe zu vermitteln, so Hack. Und eins weiß er nach all seinen Einsätzen: "Die Menschen sind oft stärker, als sie es sich selbst zugetraut hätten."