Ärzte im Dauereinsatz Kinder, Kinder!
"Kinder lassen sich aber nicht so behandeln wie Erwachsene", sagt Professor Frank Riedel, Direktor des Altonaer Kinderkrankenhauses in Hamburg. "Wir können keine Stellen mehr reduzieren. Allein im Pflegebereich schieben unsere Mitarbeiter einen Berg von 10.000 Überstunden vor sich her".
Schwester Britta ist ständig in Alarmbereitschaft. In ihrem Zimmer auf der Neugeborenenintensivstation liegen vier Frühgeborene: Babys mit einem Körpergewicht zwischen 600 und 1000 Gramm. Bei allen werden Herzschlag und Atmung maschinell überwacht. Bei größeren Unregelmäßigkeiten ertönt ein Warnsignal: "Meistens vergessen die Kleinen zu atmen. Wir müssen sie dann stimulieren und die Atmung wieder anregen, damit es nicht zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff im Blut kommt. Viel Zeit bleibt da nicht, da müssen wir oft rennen", sagt die Kinderkrankenschwester. Manchmal rennen sie den ganzen Tag, gerade wenn die Schichten mal wieder dünn besetzt sind.
Auf der Station für Lungenerkrankungen ist Assistenzärztin Rena Bornemann für 16 Patienten zuständig. Die 33-Jährige hatte sich nach ihrer Ausbildung um eine ganze Stelle beworben. Geld sei aber nur für eine Dreiviertelstelle da, sagte man ihr. Rena Bornemann nahm dennoch an und arbeitet jetzt soviel wie für anderthalb Stellen. Allein für die Visite braucht sie oft einen halben Tag, denn keines der Kinder öffnet bereitwillig den Mund, lässt sich anstandslos abtasten oder erzählt flüssig, wo es denn wehtut. "Bei Kindern dauert alles viel länger als bei Erwachsenen", sagt die Ärztin. Täglich schreibt sie drei bis vier Überstunden auf und hofft, dass sie im Sommer, wenn die Kinder witterungsbedingt seltener krank sind, einige davon nehmen kann. Eine Garantie hierfür gibt es nicht.
SPIEGEL TV-Reporterin Beate Schwarz hat Ärzte und Schwestern zwei Wochen lang mit der Kamera bei ihrem aufreibenden Job begleitet.
INTERVIEW
"Man merkt, dass man an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit stößt"
Dr. Rainer Süßenguth ist Facharzt für Kinderheilkunde, Neonatologie und Intensivmediziner. Er arbeitet als Oberarzt im Altonaer Kinderkrankenhaus. Mit SPIEGEL ONLINE sprach er über die besonderen Bedürfnise erkrankter Kinder, überlastete Mitarbeiter und den notwendigen Idealismus in Zeiten leerer Kassen. mehr...
Das Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK)
Das Altonaer Kinderkrankenhaus ist auf die medizinische Versorgung von Frühgeborenen, Säuglingen, Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Mit sechs Fachabteilungen, über 200 Betten und rund 600 Mitarbeitern ist es eines der größten Kinderkrankenhäuser Deutschlands. Als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg ist es an der Ausbildung von Medizinstudenten beteiligt.
Unterhalten wird das AKK von dem Verein Altonaer Kinderkrankenhaus von 1859 e. V., der es sich zur Aufgabe gemacht hat, kranken Kindern unabhängig von Herkunft, Sozialstatus und Art der Erkrankung zu helfen.
Angesichts der massiven Einsparungen im Gesundheitsbereich gerät die Klinik trotz intensiver Rationalisierungsmaßnahmen zusehends in finanzielle Schwierigkeiten. Unter dem Motto "Wie helfen Kindern" wurde nun eine Spendenaktion gestartet, um den Erhalt des renommierten Gesundheitszentrums für Kinder- und Jugendmedizin im Norden Deutschlands zu gewährleisten.
Adresse:
Altonaer Kinderkrankenhaus
Bleickenallee 38
22763 Hamburg
Tel.: 0 40 / 8 89 08 - 0
Fax: 0 40 / 8 89 08 - 3 66
GESUNDHEIT
Fehler im System
Ein neues Abrechnungsverfahren soll die Kosten in den Krankenhäusern senken. Gefährdet wird damit die Existenz vieler Kinderkliniken. mehr...