Hinter den Kulissen deutscher Behörden: Das Amt - DER SPIEGEL
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Hinter den Kulissen deutscher Behörden Das Amt

SPIEGEL TV-Autoren blicken hinter die Kulissen des größten Fundbüros Deutschlands in Berlin-Tempelhof und beobachten die Beamten des Finanzamts Düsseldorf-Süd bei der Erhebung der Steuern.
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Letzte Hoffnung Fundbüro - im Archiv der Vergesslichkeit

Vergesslichkeit kennt keine Grenzen: Rund 20.000 Fundstücke sind in den Katakomben des Zentralen Fundbüros von Berlin zwischengelagert, direkt unter dem Flughafen Tempelhof. Darunter befinden sich Kostbarkeiten wie Kuriositäten: ein Karton mit 200 Pappnasen, ein Kunstlederkoffer mit 10.000 englischen Pfund, zahllose Seh- und Gehhilfen - und natürlich Schlüsselbunde, Geldbörsen, Mobiltelefone und Fahrräder ohne Ende. Wie Detektive forschen die Mitarbeiter des Fundbüros nach Hinweisen auf die Eigentümer der verlorengegangenen Gegenstände. Doch die Sisyphusarbeit ist oft vergeblich: Gerade mal jede vierte Fundsache erreicht am Ende wieder ihren Besitzer.

Das größte Fundbüro Deutschlands ist ein Ort der letzten Hoffnungen, ein Ort der großen Enttäuschungen. Was nach einem halben Jahr Lagerzeit nicht abgeholt wurde, steht dem ehrlichen Finder zu. Hat der kein Interesse daran, kommt die Fundsache unter den Hammer. Fahrräder sind bei den monatlichen Versteigerungen der Renner - und gehen manchmal zu Preisen über den Tisch, die ihren Neuwert übersteigen.


Staatsdiener als Prügelknaben - auf den Fluren eines deutschen Finanzamtes

Von allen Staatsdienern muss er mit dem schlechtesten Image leben: der Finanzbeamte. Wer dem Bürger ans Geld will, kann nicht damit rechnen, auch geliebt zu werden. Deutsche Steuersätze sind Weltspitze, der Ruf der geldeintreibenden Beamtenschar rangiert irgendwo im unteren Bereich der Bewertungsskala. Dabei führt der brave Beamte nur aus, was "oben" beschlossen wird. Die Gesetze machen andere und mittlerweile ist das deutsche Regelwerk über die Steuer- und Abgabenerhebung das komplizierteste innerhalb der EU. Im Paragraphen- und Verordnungsdschungel verlieren selbst Fachleute die Orientierung.

Die 320 Beamten des Finanzamts Düsseldorf-Süd stellen sich täglich dieser Herausforderung. Ein ganz normales Amt im 70er Jahre Zweckbau-Ensemble. 90.000 Steuerfälle gehen hier jährlich über die Tische des mittleren und gehobenen Dienstes und was am Ende dabei herauskommt, klingt beeindruckend: 4,5 Milliarden Euro Steueraufkommen pro Jahr, eine Spitzenposition in NRW. Dabei werden im Finanzamt Düsseldorf-Süd nicht die edlen Boutiquen der Kö "veranlagt" - hier zahlt der kleine Arbeitnehmer seine Steuern. In 49 sogenannten Veranlagungsbezirken ziehen die Beamten täglich das gesamte Register der deutschen Steuerklaviatur. Trotz Pressescheu und Steuergeheimnis durfte SPIEGEL TV-Autor Mate Spörl hinter die Kulissen des Finanzamtes blicken. Er ging mit Beamten der Vollstreckung zu säumigen Steuerzahlern, erlebte rückengeplagte Beamte beim kollektiven Entspannungstraining und sah Betriebsprüfern bei ihrer Arbeit über die Schulter.