Wo Armut wohnt: Unterwegs mit Sozialhilfekontrolleuren und Asylarbeitern - DER SPIEGEL
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Wo Armut wohnt Unterwegs mit Sozialhilfekontrolleuren und Asylarbeitern

Sie kommen unangemeldet und lassen sich nicht abwimmeln: Die Kontrolleure der Berliner Sozialämter. Wer von ihnen beim Schummeln erwischt wird, braucht auf die Hilfe von Vater Staat nicht mehr zu hoffen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?



21 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in Deutschland für Sozialhilfe ausgegeben, schätzungsweise mehr als 42 Millionen davon für so genannten missbräuchlichen Bezug. Dabei haben die Stadtstaaten die höchsten Kosten, allein in Berlin rechnet man mit 949 Millionen Euro pro Jahr. In der Hauptstadt beziehen 265.818 Einwohner Sozialhilfe, ein Drittel davon Kinder. Das ist eine mittlere deutsche Großstadt, die da am Tropf hängt.

Seit einiger Zeit rücken die Kommunen ihren Hilfeempfängern nun auf die Pelle: Wer was will, bekommt Besuch vom Prüfdienst. Ist das alte Bett wirklich nicht mehr zu gebrauchen, steht im Keller vielleicht eine nagelneue Küche oder lebt der Bedürftige gar mit einem Lebensgefährten zusammen? Die Arbeit lohnt sich. Im Bezirk Steglitz-Zehlendorf zum Beispiel gab es bei rund 41 Prozent der Antragsteller etwas zu beanstanden. Das bedeutet Einsparungen von über 600.000 Euro im Jahr, die Prüfer bringen also mehr ein, als sie kosten.

SPIEGEL TV war mit ihnen unterwegs und begleitet außerdem Mitarbeiter des vor 90 Jahren in Hamburg gegründeten "Pik As", Deutschlands ältestem Obdachlosenasyl. Mit dünner Personaldecke und knappen Mitteln versucht man dennoch, sozial Gestrauchelten eine menschenwürdige Übernachtungsmöglichkeit zu bieten, mitten in einer der reichsten Städte Europas.


PIK AS

Obdach für Gestrandete jeder Art

Auf Hamburgs Straßen leben nach Schätzungen der Sozialbehörde mehr als 1280 Wohnungslose - die Dunkelziffer ist etwa viermal so hoch. Im "Pik As", der größten Obdachlosenherberge der Stadt, finden Menschen ohne Bleibe vorübergehend Zuflucht. Vor 90 Jahren gegründet, ist das "Pik As" auch Deutschlands älteste Anlaufstelle für unfreiwillig Wohnungslose und überzeugte Verweigerer jeder Art von Sesshaftigkeit.

In dem vierstöckigen Backsteinbau in Hamburgs Neustadt leben Gestrandete jeder Art und mit den unterschiedlichsten Problemen: Obdachlose und Drogensüchtige, psychisch Kranke und Alkoholiker. Bis zu 250 Menschen verteilen sich hier auf 62 spärlich eingerichtete Räume. Nur die wenigsten Besucher bleiben länger als ein, zwei Nächte - nach etwas Ruhe und einem Plausch im Fernsehraum des "Piko" ziehen sie unverdrossen weiter.


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BAHNHOFSMISSION

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EIN PLATZ FÜR WOHNUNGSLOSE FRAUEN


Die "Kemenate" in Hamburg

Rund 22 Prozent der Obdachlosen in Hamburg sind weiblichen Geschlechts. Die fünf Mitarbeiterinnen des Vereins "Kemenate Frauen Wohnen" helfen und begleiten seit zehn Jahren wohnungslose Frauen, die auf der Straße und in Notunterkünften leben. Die Beraterinnen organisieren wichtige Behördengänge, besorgen verloren gegangene Unterlagen und unterstützen die Suche nach einer Wohnung. Um die täglich bis zu 30 hilfesuchenden Frauen für das Leben auf der Straße auch bei Kälte ausrüsten zu können, braucht die "Kemenate" Geld. Von Seife, Handtüchern und Handschuhen bis zur Isomatte und Wolldecke wird alles benötigt. Aus Sachspenden ist ein kleiner Teil abzudecken. Viele Dinge müssen gekauft werden.

Kemenate Frauen Wohnen e.V.
Charlottenstraße 30
20257 Hamburg
Tel.: 040/430 49 59

ANLAUFSTELLE FÜR STRASSENKINDER

Kids e.V.
KIDS (Kinder in der Szene)
Beratungsstelle für minderjährige Frauen und Männer
Hachmannplatz 2
20099 Hamburg
Tel.: 040/280 16 06

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