arbeiten AUF DEN SCHIRM
Der Ausbildungsweg zum Fernsehjournalisten liegt, anders als bei Ärzten, Richtern oder Tischlern, nicht fest, denn Journalismus ist ein Beruf mit freiem Zugang. Jeder darf sich Journalist nennen.
Erfahrene Redakteure pochen beim Nachwuchs vor allem auf ein Studium und viel praktische Erfahrung: »Eine fundierte akademische und journalistische Ausbildung, die nicht von Anfang an auf Fernsehen spezifiziert sein muss«, empfiehlt etwa Miriam Meckel, Fernsehredakteurin, Professorin für Kommunikationswissenschaften und seit vier Monaten Regierungssprecherin in der Düsseldorfer Staatskanzlei.
Wer einen der begehrten Volontariatsplätze - auf eine Stelle kommen durchschnittlich 100 Bewerber - ergattern möchte, muss bei den öffentlich-rechtlichen Sendern schon ein Studium vorweisen, um an den meist mehrstufigen Auswahlverfahren teilnehmen zu können. Insgesamt durchlaufen zurzeit rund 160 Volontäre verschiedene Stationen bei den Radio- und Fernsehsendern der ARD. Das ZDF bietet zwölf Volontariatsplätze; wer zuvor als Praktikant beim ZDF besonders auffiel, hat die besten Chancen. Aus cleveren Praktikanten rekrutieren sich auch die meisten der sechs Volontäre bei SPIEGEL TV. Viele Privatsender wie SAT.1 und Pro Sieben, Premiere World, N24 oder DSF sowie verschiedene Fernsehproduktionsfirmen bilden ebenfalls Volontäre aus.
Anfang des Jahres ging die RTL-Journalistenschule mit 30 Schülern an den Start. Anders als auf den traditionsreicheren Journalistenschulen in Hamburg und München dreht sich in Köln alles um TV und Multimedia.
Wer schon an der Uni vom Fernsehen träumt, kann einen Studiengang wie Journalistik, Medienwissenschaften oder Publizistik- und Kommunikationswissenschaft wählen. Journalistik orientiert sich stärker an der Praxis als Publizistik und Co., die vor allem die theoriegestützte Forschung und Lehre pflegen. Ein Praktikum zuvor, spätestens während des Grundstudiums, gehört meist zum Journalistik-Pflichtprogramm.
Praxis geht über alles. Peter Kloeppel, Direktor der RTL-Schule und Anchorman von »RTL aktuell«, empfiehlt: »Man sollte auf jeden Fall während des Studiums zumindest schon mal in den Journalismus reinschnuppern, nach Möglichkeit auch schon in irgendeine Form von elektronischem Journalismus, um das Gefühl dafür zu bekommen, was muss ich später überhaupt machen.« Robert Sarter, zuständig für die Personalauswahl unter anderem für die Nachrichtensendungen »heute« und »heute-journal« beim ZDF, ergänzt: »Praktika können auch dazu dienen, die oftmals skurrilen Vorstellungen auszuräumen - über den Journalismus generell und speziell beim Fernsehen über die Produktionsbedingungen dieses Mediums.«
Möglichkeiten, erste Erfahrungen zu sammeln, bieten auch offene Kanäle und Hochschulfernseh-Programme. Neugierige Köpfe können dort viel ausprobieren, sich mit der Technik auseinander setzen - und bei späteren Bewerbungen schon ein wenig Praxiserfahrung nachweisen. TINA DETTMAR
TV FÜR ANFÄNGER
Volontariate:
Mehr dazu auf den Webseiten der großen Sender und TV-Anbieter
Journalistenschulen:
Deutsche Journalistenschule in München
www.djs-online.de
Berliner Journalistenschule
www.berliner-journalistenschule.de
Evangelische Journalistenschule in Berlin
www.gep.de/medienakademie
Henri-Nannen-Schule in Hamburg
www.journalistenschule.de
Burda Journalistenschule in München
www.burda.de/jobs
Journalistenschule Axel Springer in Hamburg
www.asv.de
Studium:
Eine Liste aller Journalistik-Studiengänge liefert die Suchmaschine der Hochschulrektorenkonferenz unter www.hochschulkompass.de
Buchtipps:
Walther von La Roche (1999): »Einführung in den praktischen Journalismus«. List Verlag München; 268 Seiten; 29,80 Mark.
Gerhard Schult / Axel Buchholz (2000): »Fernsehjournalismus«. List Verlag München; 488 Seiten; 48 Mark.