Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft Junge Menschen fühlen sich von Firmen schlecht über Ausbildung informiert
Bewerbungsverfahren, Vergütung, Tätigkeiten: Viele junge Menschen wünschen sich darüber mehr Informationen, bevor sie sich für eine Ausbildung entscheiden
Foto: Christian Charisius / picture alliance / dpaUnternehmen könnten bei angehenden Auszubildenden mit attraktiven Angeboten punkten. Aber viele Firmen decken nach einer gemeinsamen Auswertung der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nicht den Informationsbedarf von potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern.
So geben 95 Prozent der befragten jungen Menschen an, dass ihnen Informationen zur Ausbildungsvergütung wichtig sind, wie die Bertelsmann Stiftung mitteilte . Demgegenüber stellen aber nur 60 Prozent der befragten Firmen diese vor einem Bewerbungsgespräch auch bereit.
Für die repräsentative Auswertung wurden 1755 junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren befragt.
Lücke zwischen Angebot und Informationen
Neun von zehn Befragten wünschen sich demnach Informationen über den Ablauf des Bewerbungsverfahrens. Auch hier gibt es eine Lücke zwischen dem, was die Firmen bieten, und wie sie darüber informieren. Neun von zehn Unternehmen bieten einfache Bewerbungsverfahren an. Etwas weniger als die Hälfte informiert die Bewerberinnen und Bewerber dazu vorab.
Auch Informationen über konkrete Inhalte und Tätigkeiten einer Ausbildung stellen laut IW-Befragung nur drei Viertel der Unternehmen vorab bereit.
Entsprechend rät IW-Experte Dirk Werner Ausbildungsbetrieben, mehr darauf einzugehen, was jungen Menschen wichtig sei: »Sie sollten transparenter machen, wie das Bewerbungsverfahren abläuft, was die Ausbildung bei ihnen attraktiv macht, wie der Arbeitsalltag aussieht und welche Perspektiven es für die Zeit nach der Ausbildung gibt – und das so konkret wie möglich.«
Viele unbesetzte Ausbildungsstellen
Der Handlungsbedarf, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern, sei »ungebrochen hoch«, erklärte die Bertelsmann Stiftung. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen konnte im vergangenen Jahr nur einen Teil oder gar keine der angebotenen Ausbildungsstellen besetzen. Umgekehrt findet demnach ein Viertel der befragten jungen Menschen, dass es zu wenige Ausbildungsplätze gibt.
Zu ähnlichen Ergebnissen kam in diesem Jahr auch eine weitere Befragung unter Auszubildenden sowie Schülerinnen und Schülern. Demnach ist die Zahl derer gesunken, die zwischen zwei oder mehr unterschiedlichen Ausbildungsstellen wählen können.
Zudem bejahten fast 35 Prozent der Befragten, bei der Bewerbung um eine Ausbildungsstelle negative Erfahrungen gemacht zu haben. Dazu zählten etwa unangenehme Bewerbungsgespräche oder Zusagen, die nicht eingehalten wurden. Auch »Ghosting« hatten offenbar bereits 60 Prozent der Befragten erlebt.