ELITEN VOR! - DER SPIEGEL
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denk mal! ELITEN VOR!

• aus UNI SPIEGEL 4/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

»Wir werben an unserer Hochschule um die besten Studenten«, sagt der Prof in der ersten Vorlesung. Das schmeichelt. »Aber leider haben wir nur Sie gekriegt.« Das schmerzt.

Und da ist er wieder, der Vorwurf: Studenten sind eine träge Masse, die es zu nichts bringen wird, die zu lange studiert, die dem Staat auf der Tasche liegt und die den Professor von der hehren Forschung zum Wohle der Menschheit abhält.

Es sind übrigens oft genau die Dozenten, die einerseits behaupten, man könne, wenn man sich nur anstrenge, sein Studium in acht Semestern locker ("aber wirklich locker") bewältigen - und die dann selbst nicht in der Lage sind, noch in diesem Semester einen Sprechstundentermin zu ermöglichen.

Fragt man einen Personalchef, wie der ideale Bewerber aussieht, dann erhält man ungefähr folgende Antwort: 25 Jahre alt, abgeschlossenes Studium (natürlich als Jahrgangsbester), Auslandserfahrung durch Praktika (Nasa, Weltbank, Genlabor - in dieser Reihenfolge), Fremdsprachen über Englisch, Französisch und Spanisch hinaus (Grundkenntnisse im Kirgisischen sollten schon vorhanden sein) sowie Sicherheit im Umgang mit Computern: HTML, Perl, Java, C++. Bei letzterem spielt die Reihenfolge keine Rolle, weil der Personalchef keine Ahnung hat, was das alles ist.

Ach ja, ein wenig Berufserfahrung sollte er auch mitbringen: »Leute aus dem Elfenbeinturm kann man nicht gebrauchen«, sagt der Personalchef - hätte er sich über die Studienbedingungen informiert, so wüsste er, dass das einzige Stückchen Elfenbein, das je in einer unserer Universitäten gesehen wurde, im Klavier bei den Musikwissenschaftlern eingebaut ist.

Klar, dass der ideale Bewerber männlich ist, weil Männer keine Kinder kriegen. Klar auch, dass seine Familie klaglos bereit sein muss, einmal im Jahr den Wohnort zu wechseln - falls nicht, ist eben der Bewerber bereit, sich scheiden zu lassen.

Und ebenso klar ist, dass der Bewerber den Job natürlich nicht kriegen wird. Denn erstens hat der Kumpel des Personalchefs noch einen arbeitslosen Sohn, der dringend versorgt werden muss. Und zweitens ist unser Mann natürlich völlig überqualifiziert. Ansbert Kneip

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