Günstige Rezepte: Asiatischer Gurkensalat mit Tofu – für 2 Euro - DER SPIEGEL
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Kochen ohne Kohle Wie Sie das Beste aus Tofu herausholen – für 2 Euro

Tofu war in Deutschland erst verboten und ist nun als geschmackloser Steak-Ersatz verschrien. Völlig zu Unrecht! Mit diesem Rezept überzeugen Sie auch eingefleischte Hasser vom weißen Würfel.
Eine Kolumne von Sebastian Maas
Das Gegenteil von labbrig und geschmacklos: Knusprige Tofuwürfel auf asiatischem Gurkensalat
Das Gegenteil von labbrig und geschmacklos: Knusprige Tofuwürfel auf asiatischem Gurkensalat

Das Gegenteil von labbrig und geschmacklos: Knusprige Tofuwürfel auf asiatischem Gurkensalat

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als ich Dorfkind das erste Mal von Tofu gehört habe, ging es eigentlich um Fleisch. Mit Freunden scherzte ich darüber (ohne jegliche Ahnung), wie blöde Veganer:innen seien, weil sie sich so eine geschmacklose Pampe reinziehen. Niemals könne dieses Zeug Fleisch ersetzen. »Ekelhaft«, lautete damals mein Urteil.

»Komm mir jetzt nicht mit Tofu, das finde ich doof, du.«

Zeile aus dem Song »Alles wird aus Hack gemacht«

Heute verzichte ich zwar selbst weitestgehend auf Fleisch. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich damals in einem Punkt recht hatte: Tofu ist kein Fleischersatz. Der sollte er aber auch nie sein. Sondern eine geniale und abwechslungsreiche Zutat, mit der man viel, viel mehr anstellen kann, als sich einen Block davon auf einen Burger zu werfen (Bitte tun Sie das nicht!).

»Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

In China wird der fermentierte Sojabohnenquark wohl schon seit 2000 Jahren  gegessen, ganz ohne großstädtische Hipster-Kultur und Jutebeutel. Auch in vielen anderen Ländern Asiens ist ein Leben ohne die günstige Zutat kaum vorstellbar.

Dass Tofu hierzulande eher als fade und matschige Steak-Alternative wahrgenommen wird, hängt aber nicht nur mit unserer kulinarischen Beschränktheit zusammen. Sondern auch damit, dass er bis 1990 verboten war , zum Schutze der Milchbauern. Vielleicht wird er auch deshalb bis heute in der kleinen Ökoecke im Kühlregal versteckt – da findet ihn nicht einmal die Polizei.

Um sein Image ein wenig aufzupolieren, mache ich heute einen extrem einfachen Gurkensalat mit gebratenem Tofu, das Dressing fungiert dabei gleichzeitig als Marinade. Ein leichtes Sommergericht also, das nur 15 Minuten Arbeit und etwas Wartezeit kostet. Auf diese Art zubereitet taugt Tofu als Topping für Salate und Bowls, als Füllung für Wraps und vietnamesische Banh-Mi-Sandwiches, oder einfach als Snack auf der Couch.

Das benötigt man für zwei Personen:

Alle Zutaten ließen sich im Discounter kaufen, bis auf das Sesamöl

Alle Zutaten ließen sich im Discounter kaufen, bis auf das Sesamöl

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • 200 g Naturtofu

  • 1 große Salatgurke

  • 1 daumengroßes Stück Ingwer

  • 1 Lauchzwiebel

  • 2 EL Weizenmehl, Pankomehl oder Paniermehl

  • Optional: eine Handvoll gehackter Erdnüsse

Für das Dressing beziehungsweise die Marinade außerdem:

  • 4 EL Sojasoße

  • 4 EL Öl (am besten aus Sesam)

  • 2 EL Chilisoße (z. B. Sriracha)

  • 2 EL Chiliflocken

  • 2 EL Essig (am besten aus Reis)

  • 1 EL Zucker

Was kostet das?

Pro Person etwa zwei Euro

Wie lange dauert das?

15 Minuten für die eigentliche Arbeit und mindestens eine Stunde Wartezeit zum Marinieren und Durchziehen

So einfach macht man leckere Tofu-Knusperwürfel mit Gurkensalat

Das Hauptproblem für Europäer:innen bei der Zubereitung von Tofu: Er ist ungewohnt feucht, man kann ihn so, wie er ist, also nicht braten. Im ersten Schritt wollen wir ihn daher möglichst trocken bekommen. Den Tofu dazu erst einmal aus seinem Plastikkleid befreien und dann auspressen. Das geht am besten zwischen zwei Tellern oder zwei Frühstücksbrettchen, die mit einem großen Buch oder einem Kilo Mehl beschwert werden. Sofern man seine Kräfte kontrollieren kann, geht es alternativ auch mit flachen Händen und etwas Geduld über dem Spülbecken.

Sinn der Übung ist aber trotz der Zen-Körperhaltung nicht die Meditation: Durch das Entfernen der Flüssigkeit entstehen im Tofu Hohlräume, die später unsere Marinade aufsaugen. Aus dem fälschlicherweise als »langweilig« abgestempelten Lebensmittel wird so eine blanke Leinwand, mit der man wild experimentieren kann.

Fotostrecke

Crashkurs Tofubehandlung für Anfänger

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Die Salatgurke waschen, mit dem Sparschäler in lange Streifen schneiden und diese in eine Schüssel legen. Das weiche Kerngehäuse kann entsorgt werden.

In einer Pfanne das Sesamöl für eine Minute erhitzen. Den Ingwer reiben und in einer kleinen Schale mit den Chiliflocken und dem Zucker vermengen. Das heiße Öl darüber geben und kurz verrühren. Sojasoße, Chilisoße und Essig nun ebenfalls dazugeben.

Die Lauchzwiebel halbieren und in feine Ringe schneiden. Der weiße Teil landet jetzt mit im Gurkensalat, der grüne Part wird später als Garnitur verwendet.

Den nun hoffentlich weitestgehend trockenen Tofu in Würfel mit etwa zwei Zentimeter Kantenlänge schneiden und in eine verschließbare Dose legen. Die Hälfte des Dressings über die Gurken, die andere Hälfte über den Tofu gießen. Beides gut vermengen und in den Kühlschrank stellen.

Jetzt heißt es: mindestens eine Stunde warten, länger ist noch besser. Ideale Ergebnisse erreichen Sie, wenn Sie Salat und Tofu mindestens drei Stunden ziehen lassen und die Dose mit dem Tofu einmal pro Stunde wenden, damit alle Seiten das Dressing aufsaugen können. Essig, Sojasoße und Chilisoße verschwinden mit der Zeit im Tofu, sodass sich seine Farbe von weiß zu hellrot ändert.

Wenn Sie vor Hunger nicht mehr warten können, den Tofu kurz in ein paar Esslöffeln Mehl wälzen (die Restfeuchtigkeit der Marinade sollte ausreichen, damit es haftet) und dann mit etwas Fett für vier bis fünf Minuten in der Pfanne goldbraun anbraten.

Dazu passt am besten: Sonnenschein, Urlaub und ein kaltes Getränk

Dazu passt am besten: Sonnenschein, Urlaub und ein kaltes Getränk

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Wer mag, streut beim Servieren über den Gurkensalat noch ein paar gehackte Erdnüsse. Und ja, die günstigen, gesalzenen aus der Dose sind absolut geeignet. Auch Koriander passt hervorragend, sofern man ihn mag. Aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.

Guten Appetit!

Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir – oder schicken Sie mir ein Bild davon! 

PS: Aufmerksame Leser:innen werden gemerkt haben, dass viele der Zutaten auch bei den »Peanutbutter Garlic Noodles« zum Einsatz kamen – wie ich aus Ihren vielen Zuschriften weiß, sind die eines Ihrer absoluten Lieblingsrezepte dieser Kolumne. Wer es noch nicht kennt, hat nach dem Einkauf für unser heutiges Gericht schon fast alles dafür im Schrank.