meinung •Notizen im Studium mit System Endlich vernünftig mitschreiben
Eichhörnchen legen Vorräte mit System an – das kann man sich fürs Mitschreiben abgucken
Foto: Pati Gagarin / Stocksy UnitedKönnten Eichhörnchen studieren, wären sie stets die Jahrgangsbesten. Warum? Weil sie über eine "innere Schatzkarte" verfügen , die ihre Erinnerungsfunktion unterstützt. Um satt durch den Winter zu kommen, verstecken sie im Jahr bis zu 10.000 Nüsse – Vorräte, auf die sie in der kalten Jahreszeit zurückgreifen können. Doch wie merkt sich das Eichhörnchen, wo es welche Nuss verbuddelt hat? Ganz einfach: Es legt seine Vorräte nach einem System ab . Und dieses Grundprinzip kannst du dir für das Mitschreiben während der Vorlesung zunutze machen.
Gutes Zeitmanagement, die richtige Lernstrategie vor Prüfungen, Tipps für den Einstieg ins digitale Semester: In dieser Kolumne gibt Dr. Tim Reichel Rat zu Herausforderungen im Studium und zeigt, wie Studierende erfolgreich durch den Bachelor kommen – ohne Dauerstress.
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Sei ein Eichhörnchen
Viele Studierende machen sich während der Vorlesung Notizen. Doch weil ihnen niemand beigebracht hat, wie man eine kluge Mitschrift anlegt, ist der Nutzen überschaubar. So berichten es die Leserinnen und Leser meines Blogs. Lieblos werden ein paar Stichpunkte auf den Collegeblock gekritzelt oder große Ausrufezeichen an den Rand gemalt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass du dich an solche Aufzeichnungen erinnerst? Oder wichtige Informationen in diesem Wirrwarr wiederfindest? Eben. Aus diesem Grund brauchst du ein einfaches System, nach dem du deine Notizen anfertigst. Diese sieben Regeln helfen dir dabei.
1. Per Hand
Handschriftliche Notizen auf Papier prägen sich besser ins Gedächtnis ein als abgetippte Informationen am Laptop. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Studierende, die sich Notizen auf Laptops machten, bei konstruierten Prüfungsfragen schlechter abschnitten als ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen, die Notizen mit der Hand anfertigten. Schreibe daher immer per Hand mit.
2. Keine Romane
Wenn du keine Grundausbildung in Stenografie vorweisen kannst, solltest du dich beim Mitschreiben auf Stichworte und Bulletpoints beschränken. Versuche nicht, die Sätze der Dozierenden wortwörtlich mitzuschreiben, sondern gib die Inhalte kurz und prägnant in deinen eigenen Worten wieder. Das spart Zeit und stärkt dein Erinnerungsvermögen.
3. Fachbegriffe
Greife beim Mitschreiben so oft es geht auf Fachbegriffe zurück. In jedem Fach wirst du Ausdrücken begegnen – sei es Fatigue (Medizin), Trägheitsmoment (Ingenieurwesen) oder affektives Handeln (Sozialwissenschaften). Nutze sie inflationär! Erstens prägen sie sich dadurch besser ein, zweitens wird deine Sprache präziser, und drittens gewöhnst du dich schneller an die Lehrinhalte.
4. Abk. verwenden
Ich will nicht spoilern, aber die Lehrenden an deiner Uni werden in der Vorlesung nicht warten, bis du eine Notiz in Ruhe ausformuliert hast. Beim Mitschreiben musst du schnell sein. Darum empfiehlt es sich, Abkürzungen, Symbole oder Zeichen zu verwenden. Auf diese Weise kannst du deine Schreibgeschwindigkeit deutlich erhöhen und sparst Platz für andere Notizen. Falls du in puncto Abkürzungen etwas Inspiration gebrauchen kannst: hier entlang, bitte.
5. Mit Farben
Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts lernt das menschliche Gehirn schneller, wenn Informationen von unterschiedlichen Sinnesorganen miteinander assoziiert werden. Auch innerhalb einer Sinneswahrnehmung kannst du den Erinnerungseffekt deines Gehirns verbessern – der Einsatz unterschiedlicher Farben im Lernmaterial zum Beispiel kann die Gedächtnisleistung zusätzlich fördern . Aus diesem Grund solltest du deine Mitschrift möglichst farbenreich gestalten; am besten nach einer logischen Systematik: Fachbegriffe rot, Beispiele grün, und so weiter.
6. Skizzen anfertigen
Grafiken können sich ebenfalls positiv auf die Erinnerungsfunktion deines Gehirns auswirken . Falls es sich während der Vorlesung ergibt, solltest du daher wichtige Informationen in einer Abbildung zusammenfassen oder ein kleines Bild zur Veranschaulichung zeichnen. Dabei geht es nicht um künstlerische Meisterleistungen, sondern um eine kreative Gedankenstütze. Mindmaps kommen für diesen Zweck ebenfalls infrage, sie können zudem größere Informationsmengen aufnehmen .
7. Verweise nutzen
Deine Vorlesungsmitschrift muss nicht den kompletten Stoff beinhalten, den dein Dozent vorgetragen hat. Es geht nicht darum, jedes Detail aufzuschreiben, das du auch im Skript nachlesen könntest. Vielmehr sollten in deinen Notizen zusätzliche Anmerkungen deiner Professorin stehen und besondere Erkenntnisse vermerkt sein. Reine Informationen brauchst du nicht mitzuschreiben. Nutze dafür Verweise auf Vorlesungsfolien oder Seiten im entsprechenden Lehrbuch. Besonders wichtige Inhalte und Kernaussagen kannst du in gekürzter Form notieren (siehe Regel 4).
Fazit
In Zeiten von Homeschooling steigt die Bedeutung deiner Vorlesungsmitschrift. Erstens, weil durch die Umstellung auf den digitalen Lehrbetrieb einige direkte Interaktionen zwischen Dozierenden und Studierenden wegfallen. Zweitens, weil du zu Hause vorm Monitor auf dich allein gestellt bist. Du kannst nicht nach links oder rechts schauen und vergleichen, was deine Mitstudierenden aufschreiben.
Mit der Strategie des Eichhörnchens wird es dir gelingen, Notizen so anzufertigen, dass sie möglichst lang in deinem Gedächtnis bleiben. So kommst du clever durch das Wintersemester – und findest spätestens während der Prüfungsvorbereitung all deine Informationsvorräte wieder.