meinung •Gute Vorsätze zum Semesterstart So klappt’s mit der Uni-Life-Balance
Mehr mit Freund:innen kochen, statt jeden Abend erschöpft ins Bett zu fallen
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Vor einem Jahr begann für mich ein völlig neues Kapitel: Ich startete ins Studium. Alles war neu und aufregend – von der Größe des Campus bis zu den Inhalten der Vorlesungen und der Herausforderung, selbstständig in der Bibliothek zu lernen. Nach den Semesterferien kehre ich nun in eine vertraute Routine zurück. Die Universität kommt mir im dritten Semester nicht mehr vor wie eine fremde Welt.
Mitten in der Pandemie Abitur gemacht, Traumstudienplatz nicht bekommen, trotzdem in die Unistadt gezogen: In ihrer Kolumne »Wird schon!« beschreibt Ananda Klaar, wie man trotz Dauerkrise gut ins Erwachsenenleben startet. Und die Dinge dabei vielleicht sogar besser macht als vorherige Generationen.
Ananda Klaar, geboren 2003, ist Autorin des Sachbuchs »Nehmt uns endlich ernst! Ein Aufschrei gegen die Übermacht der Alten«. Sie ist inaktives Mitglied bei den Jusos und setzt sich in der Hochschulgruppe »Students for Future« für Klimaschutz ein.
Ich weiß jetzt allerdings auch, wie stressig es sein kann, die Literatur für alle Lehrveranstaltungen rechtzeitig zu lesen, genügend Kapazitäten für die ehrenamtliche Arbeit aufzubringen, die mir wichtig ist, und neben alldem Freundschaften nicht zu vernachlässigen.
Deswegen habe ich mir für das neue Studienjahr gute Vorsätze notiert, ähnlich wie andere es zum Jahresbeginn tun. Für Studierende wie mich ergibt es keinen Sinn, mit Veränderungen noch über zwei Monate zu warten. Die beste Zeit für neue Routinen ist jetzt.
Uni-Life-Balance
Für dieses Studienjahr nehme ich mir vor, die richtige Balance zwischen Studium und Sozialleben zu finden. Denn im vergangenen Jahr habe ich gemerkt, dass ich nach langen Tagen an der Uni oft zu erschöpft war, noch Freund:innen zu treffen. Oder dass sich unsere Gespräche zu oft um Kurse, Prüfungen und Hausarbeiten drehten.
Natürlich treffe ich auch an der Uni Freund:innen, aber unsere Freundschaften sollen nicht nur in der Mensa oder in den Lernpausen stattfinden. Wenn wir uns außerhalb des Campus treffen, reden wir automatisch weniger über die Uni – das hilft beim Abschalten. Ich möchte deswegen öfter in unserer WhatsApp-Gruppe nach spontanen Treffen am Dönerladen um die Ecke, in der Boulderhalle oder in unserer Stammkneipe fragen. Und dort mit meinen Freund:innen über das sprechen, was uns außerhalb des Studiums ausmacht.
Ein gut gepflegter Kalender
Um Studium und Freundschaften unter einen Hut zu bekommen, brauche ich eine effektive Zeitplanung. Deshalb habe ich mir am Anfang des Semesters meinen Stundenplan vorgenommen. Neben all meinen Lehrveranstaltungen habe ich auch feste Slots für andere Aktivitäten festgelegt: So steht in meinem Kalender, wann ich in die Bibliothek gehe (Mittwoch und Donnerstag vor meinen Nachmittagsseminaren), wann ich Sport mache (Montag- und Freitagvormittag) und wann ich mir Zeit für Freund:innen nehme (vor allem am Wochenende).
Durch feste Lernzeiten verliere ich den Anschluss in der Uni nicht und weiß gleichzeitig genau, wann ich mich zum Kaffee verabreden oder zum Kochen treffen kann. Diese verbindlichen Pläne helfen mir, weder meine Pflichten noch meinen Ausgleich zu kurz kommen zu lassen.
Das klingt vielleicht erst einmal einengend, bedeutet aber nicht, dass ich jeden Abend erschöpft nach Hause komme und direkt ins Bett falle. Ich lasse genug freie Zeit, die nur für mich bestimmt ist, die ich aber auch spontan verplanen kann. Dann verbringe ich einen Abend mit einem neuen Buch, backe vormittags Zimtschnecken mit meinem Nachbarn oder übe einen Nachmittag lang Klavier.
Auch die nächsten Semester im Blick behalten
Wenn man neu an der Uni ist, verleiten die Semester dazu, nur in Halbjahresschritten zu denken. Aber jetzt, wo ich schon ein Jahr studiere, will ich langfristiger denken. Wie soll der Rest meines Bachelors aussehen? Welche Lehrveranstaltungen will ich unbedingt noch belegen? Welche Termine und Fristen darf ich nicht übersehen? Und eine Frage, die mir besonders wichtig ist: Wann ist es Zeit, meinen Auslandsaufenthalt zu organisieren?
Denn von einem Auslandssemester träume ich schon länger, als ich studiere – für mehrere Monate in einem anderen Land zu leben, dort eine Sprache neu zu lernen oder aufzubessern, in eine andere Kultur einzutauchen. An meiner Uni in Leipzig beginnt die Bewerbungsphase für das darauffolgende akademische Jahr im November. Ich trage also schon jetzt alle Unterlagen und Formulare zusammen, lasse meine Sprachkenntnisse bescheinigen und informiere mich zu Finanzierungsmöglichkeiten und Partneruniversitäten. So rechne ich mir die besten Chancen aus, in einem Jahr an meiner Wunschuniversität in Indonesien studieren zu dürfen.
Immer wieder neue Kontakte knüpfen
Auch wenn ich nun schon über ein Jahr in Leipzig bin, möchte ich mich hier noch besser vernetzen. In Lerngruppen für verschiedene Module arbeite ich mit Studierenden zusammen, die ich noch nicht so gut kenne. Gemeinsam können wir über Seminarlektüren sprechen, uns über Hausarbeitsthemen beraten und Fragen aus den Vorlesungen klären. Dadurch verstehe ich nicht nur die Inhalte meines Studiums besser, sondern gewinne auch neue Verbündete für den Stress in der nächsten Klausurenphase.
Mit meinen Studienvorsätzen verhält es sich vielleicht nach einer Weile wie mit Neujahrsvorsätzen, irgendwann verliert man sie aus den Augen. Doch auch wenn ich meinen Kalender in ein paar Wochen schon etwas weniger akribisch führe oder nicht mehr alle Vorlesungen besuche, geben mir die Pläne gerade viel Motivation. Sie helfen, nach den Semesterferien, in denen jeder Tag anders war, in die manchmal zähe Routine des Studienalltags zurückzufinden. Und ich glaube, dass Vorsätze auch dazu da sind, um irgendwann gebrochen zu werden.