Frank Kunerts kleine Welten: Wo Tragik zu Komik wird
Bildband "Lifestyle" Hübsche Welten - böse Botschaften
Mit der Erschaffung künstlicher Welten kennt Frank Kunert sich aus. Eigentlich ist er Werbefotograf. Heutzutage schafft der Frankfurter aber Illusionen, die weniger verlockend sind. In "Ein Platz an der Sonne" setzt er einen strahlendweißen Architektenkubus neben ein abgewohntes Reihenhaus. Der Balkon des Prachtbaus ragt über den der Nachbarn und macht den kleinen Flecken Arbeiterglück unbrauchbar.
Knapp werdender Wohnraum, Gentrifizierung, das gesellschaftliche Miteinander, das erst zum Neben- und dann Gegeneinander wird: Kunert bildet in seinen Miniatur-Kulissen ernste Themen ab. Er schafft es jedoch, das Tragische dieser Situationen mit Heiterkeit zu versehen. Seine Szenen erinnern den Betrachter an Schildbürger und BER-Irrsinn.
Frank Kunerts kleine Welten: Wo Tragik zu Komik wird
Kunert wagt sich nicht nur an Gesellschaftskritik und Tristesse. Einige Arbeiten stimmen optimistisch. Fenster spielen dabei eine große Rolle. Hinter ihnen beginnt eine himmelblaue Welt, in der die Sehnsüchte der Menschen zu liegen scheinen. "Ein Kindheitstraum" zeigt eine Kinderwiege, die in ein Motorrad mündet. Abfahrbereit ins Reich der Träume.
Oftmals steckt der Witz in einzelnen Bildausschnitten. Da wirbt das Bestattungsunternehmen "Happy End" auf einem Schild mit Sonderrabatten für Kinder und Senioren, oder die Fenster eines Cafés befinden sich in unerreichbarer Höhe. Doch so detailreich Kunerts Attrappen auch sein mögen, eins findet sich in ihnen nie: Menschen. Zu sehen sind bloß ihre Spuren.