Obazda: Rezept für den bayerischen Brotaufstrich - DER SPIEGEL
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Bayerische Brotzeit: Obadzd is!

Foto: Peter Wagner

Bayerische Brotzeit Obadzd' is!

Ist ein Brot zu schmieren so schwierig, dass man dafür ein Kochbuch braucht? "Klar!" meinen die Verlage. Wir scannen die aktuellen Brotzeit-Anleitungen. Und schmieren uns einen selbstgemachten Obadzda auf die Stulle.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Beim Abendbrot geht es am besten drunter und drüber - beides verbindet die seit 15 Jahren erfolgreiche Kochbuchautorin Tanja Dusy in "Brot & Aufstriche"*: Erst wird mit einfachen, aber sehr effizienten Rezepten gezeigt, wie die Unterlage von Sauerteigbroten über Ciabatta bis zu Mandel-Karotten-Brot gerührt, geknetet und gebacken wird.

Oben drauf kommt dann einer von den Dutzenden hier rezeptierten Aufstrichen, oft auf Frischkäse- und Quark-Basis bis hin zu Tandoori-Chicken-Paste. Dazu gibt es eine Matrix, mit der bestimmt werden kann, welcher Aufstrich am besten zu welchem Brot passt. Zielsicher kommt also die Maronencreme mit Aprikosenmarmelade nicht auf das Krachkrustenbrot, sondern auf das Brioche.

Deutlich weniger Brot-und-Butter-Alltag, dafür herrlicher britischer Fingerfood-Wahnsinn steckt in "Toast" von Raquel Pelzel, das unter dem mäßig witzigen Titel "Knusprige Brote, köstlich belegt"* nun auch in Übersetzung vorliegt. "Toast" ist hier ein weiter Begriff und meint jede erdenkliche Brotsorte, solange sie nur in Scheiben geschnitten und mit Toaster, Pfanne, Lagerfeuer oder Schweißbrenner geröstet wurde. Was oben drauf kommt, sortiert Pelzel nach Jahreszeiten. Bei diesem Thema so ungewöhnlich wie im Nachgang einleuchtend: Wer will schon im Winter ein Hochsommer-Crostini mit Krebsfleisch und Avocado essen? Oder im August das winterliche Röstbrot mit Linsen, Speck und Kohl? Dann lieber im Herbst das Krossbrot mit Romescosauce und Grünkohl oder im Frühjahr mit Erdbeeren und Rosenricotta. Fazit: Fettes Brot!

Ideologisch wie kulinarisch zwischen diesen beiden Titeln liegt "Brot & Aufstrich: Sandwich-Ideen für jede Gelegenheit"* von Julia Fiona Waldmann und Annelie Wagenstaller. Hier gibt es wirklich für jede Situation das passende Brot: Lunchbox, Picknick, deftige Brotzeit oder ein paar süße Snacksünden. Alles ein bisschen brav und bieder, dafür aber sauber rezeptiert, das Grundthema lebensnah durchdekliniert und mit vielen brauchbaren Tipps und weiterführenden Rezeptideen versehen.

Sandwich mit Maulsperren-Garantie

Was man von den Foodstylisten nicht sagen kann - immer wieder sind auf den Fotos Sandwich-Türme zu sehen, bei denen selbst ein Krokodil Maulsperre bekommen würde. Wagenstaller rezeptiert natürlich auch den bayrischen Käsematschklassiker Obadzda - allerdings mit wenig passender Senfzugabe.

Bei diesem sehr einfachen Rezept entscheidet ohnehin neben der Qualität der Grundzutaten vor allem die verwendete Paprikasorte wesentlich über den Geschmack. Für das in deutschen Supermärkten gehandelte Pulver werden vor allem in Ungarn Fruchtfleisch und Samen von spitzwandigen Gewürzpaprikaschoten getrennt getrocknet, vermahlen und dann zur gewünschten Schärfe zusammengemischt. Neben der milden "edelsüßen" Variante ist der scharfe "Rosenpaprika" (ungarisch: "Rósza") weit verbreitet. Paprikapulver sollte stets dunkel aufbewahrt und nicht mitgebraten werden (wird bitter).

Wer seinen Speisen - vor allem als Vegetarier oder Veganer - ein deftiges Raucharoma mitgeben möchte, wird beim Pimentón Ahumado fündig: Für diese spanische Spezialität werden die Schoten vor dem Mahlen über Eichenholzrauch geräuchert ("ahumar"). Das auch Pimentón de la Vera genannte Pulver gibt es in den Schärfen "Dulce", "Agridulce" und dem u.a. für das Schärfen der Chorizo-Wurst benutzten, brennend scharfen "Picante".

Mallorca-Urlauber haben Zugriff auf das unter Spitzenköchen als das weltweit beste geltende Paprikapulver Tap de Corti, das aus den gleichnamigen, auf der Insel autochthon wachsenden Schoten gewonnen wird. Auch hier gilt wie bei allen Paprikapulvern: Bio-Ware bevorzugen, weil sich die Belastung mit Pflanzengiften auf dem Weg der Herstellung in der Konzentration vervielfacht.

Wir benutzten für die Herstellung des Obadzda den von Slow Food empfohlenen Bio-Paprika in der mildesten Schärfe ("dolc") der mallorquinischen Manufaktur Pebre Bord, den es auf den meisten Bio-Wochenmärkten der Insel zu kaufen gibt. Die hispanisch-bajuwarische Freundschaft treiben wir durch ein paar Löffel Weißbier auf die Spitze - das Weizen als Schmiermittel der Käsemasse ist ein Geheimtipp der Biergartenwirte in Oberbayern.

Schließlich ist das alles ja kein Schmarrn, sondern zertifiziertes Kulturgut: Der bayerische Obadzda wurde im Juni 2015 von der EU-Kommission in die Reihe der Käse mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.) aufgenommen. Wenn ein Käse den Namen "Obadzda", "Obazda" oder "Obatzter" tragen will, muss er im Freistaat getreu traditioneller Verfahren hergestellt sein.


*Buchhinweise

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Raquel Pelzel:
Kross!
Knusprige Brote, köstlich belegt.

Aus dem Englischen von Lisa Heilig

edel;
120 Seiten; 16,95 Euro

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Julia Fiona Waldmann, Annelie Wagenstaller:
Brot & Aufstrich
Sandwich-Ideen für jede Gelegenheit

blv;
144 Seiten; 19,99 Euro

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Rezept für Obadzda (Picknick- oder Brotzeit-Snack für 4 Personen)

Vorbereitungszeit: 5 Minuten

Zubereitungszeit: 5 Minuten

Schwierigkeitsgrad: sehr einfach

Zutaten

400 g vollreifer Camembert
40 g Butter (zimmerwarm)
150 g Frischkäse
75 g Zwiebelwürfel (sehr fein geschnitten)
4 EL Weizenbier
1 TL Kümmel
1 EL Pebre Tap de Corti (alternativ: edelsüßes Paprikapulver)
1 Prise Salz und Pfeffer aus der Mühle
2 EL Schnittlauchröllchen
1 TL Kümmel (nach Belieben)
Radieschen und Salzstangen für die Garnitur

Zubereitung

Camembert auf Zimmertemperatur bringen. In Schüssel mit zwei Gabeln eher auseinander ziehen als zerdrücken (das Gericht wird auch "Gerupfter" genannt). Butter, Frischkäse, Zwiebeln, Gewürze und Bier mit Gabel einmischen. Wichtig ist, dass die Masse am Ende noch spürbar feinstückig ist.

Fertigstellen & Anrichten

Vor dem Servieren mit Schnittlauch und Kümmel bestreuen. Dazu passen Bauerbrot, Salzstangen, frisch (auf-)gebackene Brezen und Radieschen.

Küchen-Klang

Im Vergleich zu manchen Elektro-Orgien sind die Soundkollagen des britischen Klangtüftlers Gold Panda seit den Alben "Health" und "Caribou" echte Ohrschmeichler, wenngleich stets tanzbar - wie auch die von einer Japanreise hörbar beeindruckten Tracks des neuen Albums "Good Luck And Do Your Best" (Universal). "Ganbatte Kudasi" wie der Japaner sagt.

Getränketipp

Eine Halbe Helles ist der natürliche Lieblingspartner des Biergarten-Käseklassikers. Ganz besonders gut schmeckte uns das Ayinger Lager Hell* der erst seit 1878 existierenden Ayinger Privatbrauerei - nicht nur wegen des süffigen Gerstensaftes, sondern, weil der Brauereibiergarten einer der schönsten im Münchner Umland ist. Und freilich auch, weil diese Sorte auch bundesweit online beziehbar ist.


*Bezugsquellen

Ayinger Lager Hell