Rezept für Strammen Max auf dem Grill - DER SPIEGEL
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BBQ-Rezept: Max auf dem Grill

Foto: Peter Wagner

BBQ-Rezept Stramm gegrillt

Bratwürste, Schweinesteaks - ist das alles? Warum sind Kochbücher so einfallslos, wenn es ums Grillen geht? Unser Hobbykoch hält mit einem "Strammen Grillmax" dagegen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

So gut wie alle Grill-Bücher haben ein großes Manko: Auf den Fotos sind entweder die servierfertigen Speisen oder fröhliche Menschen beim Grillen zu sehen. Wie die Zutaten auf dem Rost zu einem Gericht werden, zeigt aber fast kein Verlag.

Denn das ist in der Tat eine der schwierigsten Aufgaben für Food-Stylisten: Essen über glühenden Kohlen zu fotografieren, ohne dass es einem bei extremer Hitze unter dem Objektiv ratzfatz zu einem schwarzen Ascheklumpen verbrennt.

Dennoch ein brauchbares Grillbuch zu produzieren ist also eine knifflige Aufgabe, an der auch zu Beginn der diesjährigen Rost-Saison viele Autoren und Fotografen scheitern.

Schade, denn ansonsten wäre ein Buch wie "365 Tage Grillen"* des Kochmeisters und Grillkursleiters Manuel Weyer ein echter Bringer.

Der Mann stand schon bei Lafer und Jean-Claude Bourgueil am Herd, was man den raffinierten, aber durchweg gut nachvollziehbaren Rezepten anmerkt: Zwiebelsüppchen mit Jakobsmuscheln vom Grill, geräucherter Petersilienwurzelstampf zum Skrei, sanft gegrillter Rehrücken mit Vanille-Rub, Salat mit gegrillten Brezenknödeln oder süßes Sushi vom Rost - trotz der fehlenden BBQ-Authentizität allein wegen der spannenden Rezepte eine Bereicherung des heimischen Regals.

Wie es wirklich geht über Glut und Gasflamme, das zeigen auch weder Guido Gravelius "Veggie BBQ"* noch das trotz des Titelversprechens eher unterdurchschnittliche "Grillen: 100 heiße Ideen von Spareribs bis Grillfisch"* von Reinhardt Hess.

Das Veggie-Buch gibt sich wenigstens manchmal die Mühe und arrangiert das fertige Rezept auf einem Rost, der allerdings als Deko eher kalt bleibt. Leider steckt auch dieses Werk in dem Problem fest, dass die meisten Vegetarier bei BBQ-Parties haben: Ein bisschen Gemüse, ein Tofuspießchen, vielleicht noch eine Scheibe Halloumi - aber irgendwie bekommt man nichts Handfestes vom Grill. Wann schreibt der geniale Schweizer "Gemüsemetzger" Rolf Hiltl endlich mal ein Fleischlos-Grillbuch?

Bis der Matsch aus dem Leberkäse quillt

Andererseits ist "Veggie BBQ" noch um Längen origineller als die "100 heißen Ideen", wo Grillsportgeräte nur auf ein paar Moodfoto-Seiten mit mehr oder minder fröhlichen BBQ-Nachbarschaftsrunden zu sehen sind - einmal sogar ohne Absicherung auf einem seitlich abfallenden Hausdach, ein klarer Fall für die Feuerwehrdrehleiter.

Ansonsten aber sieht man steingrau übergarte Thunfischscheiben in Supermarkt-Burgerbuns oder zum "Smoken"-Thema ein im Küchenbackofen gegartes (!) und final kurz über Aromamehl geräuchertes Brisket. Und im schlimmsten Fall eine mit unrealistischen Branding-Streifen offenbar eher ungegrillt aufgeschnittene Leberkäsescheibe, aus der eklig halbgeschmolzene "Obazda"-Füllung quillt.

Zum Glück gibt es in diesem Genre aber noch absolute Perlen wie "Genussgrillen"*. Autor ist Helmut Hochfilzer, Chef im Tiroler "Genusslandhotel", der für seine Gäste artifizielle Grillkleinkunstwerke auf den Rost zaubert.

Toll an diesem Buch sind nicht nur die ausgesucht edlen Rezepte mit nicht ganz so viel Fleisch, dafür reichlich Fisch, Gemüse und Unerwartetes wie Kaninchen in Tramezzini, Lebkuchen-Soufflé, Weihnachtsgans, Pizza oder Salzburger Nockerln - alles vom Grill! Fast noch wichtiger: Hunderte Stepfotos, die auch die relevanten Zubereitungsschritte am Grill für jedes Rezept illustrieren, sowie die sehr exakten Angaben zu Mengen und Grilltemperaturen. Auch wer schon viele Grillbücher im Schrank hat, findet hier wertvolle Fortbildung.

Weitaus einfacher ist unser heutiges Rezept für "Strammer Grillmax", das in ähnlicher Form auch zusammen mit drei weiteren Holzkohle-Kunststückchen für das "Macher"-Magazin  entwickelt wurde. Der Clou: das Gericht kann komplett an einem Grillgerät nachgekocht werden, wobei es völlig egal ist, ob man mit Strom, Kohle, Gas oder Holz heizt.

Ansonsten folgt es der deutschen Kneipenklassik nicht ganz, die das Max-Spiegeleibrot ja meistens mit Kochschinken belegt, der sich aber weder geschmacklich noch texturell in diesem Zusammenhang wirklich in Szene setzen kann. Deshalb legen wir stattdessen dünn aufgeschnittene, herzhaft marinierte und kross gegrillte Schweinebauchscheiben auf das ebenfalls vorher auf dem Grill gebräunte Brot.

Das alles macht unseren Max erst so richtig stramm.


*Buchhinweise

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Rezept für Strammer Grillmax (Frühstück oder Brotzeit für 4 Personen)

Vorbereitungszeit: 10 Minuten

Zubereitungszeit: 10 Minuten

Schwierigkeitsgrad: sehr einfach

Zutaten

500 g frischer Schweinebauch, in ca. 5 mm dünne Scheiben geschnitten
2 EL Pflanzenöl
1 TL Kräutersalz
1 TL Paprikapulver
1 Prise Pfeffer aus der Mühle
4 große Scheiben Sauerteigbrot (oder Mischbrot)
1 EL Butter
4 Eier
1 EL Butter
4 große Gewürzgurken
8 Radieschen mit frischem Grün
3 EL Schnittlauchröllchen
1 Prise Fleur de sel
1 Prise Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung

Schweinebauch beidseitig mit den restlichen Zutaten einreiben und auf Grill kross grillen. Brot mit Butter bestreichen und Butterseite grillen. Dabei einmal um 90 Grad drehen, damit ein Gitter-Branding entsteht. Bratplatte (Plancha) auf den Grillrost legen, darauf Butter schmelzen und vier Spiegeleier braten. Tipp: Mit Dessertringen werden die Spiegeleier schön gleichmäßig rund.

Fertigstellen und Anrichten

Am Ende alle Komponenten auf der Plancha nochmals erhitzen. Brote mit Bauch und Eiern belegen, mit viel Schnittlauch bestreuen und sofort mit Gurke und Radieschen servieren.

Küchen-Klang

Der Back-To-The-Roots-Max wird ideal beschallt vom Roots Reggae des siebenfachen Grammygewinners Ziggy Marley, der nicht nur auf der neuen CD "Ziggy Marley" (V2) seinem Vater Bob musikalisch wie spirituell immer näher kommt, sondern im eigenen Bio-Onlineshop  politisch korrekte Viktualien von Hanfsamen bis zu Öko-zertifiziertem Orangen-Mandel-Palmöl verkauft.

Getränketipp

Ein Bier, klar. Und was für eines: Der trotz aller Craftbeer-Trendschäume noch immer als Begründer des Manufaktur-Brauens in Deutschland geltende Bierverlag Braufactum hat mit dem Soleya* eine wohltuende Alternative zu den allerorten nur noch im IPA-Bitterkeitswettbewerb blubbernden Craftern eingebraut: Nach wallonischer Sitte ein Saisonbier zum Durststillen der Erntearbeiter, wurde dieses ausgesprochen frische, mit Noten von Ananas und Zitrus schon die Nase zum Lächeln bringende Bier mit australischem Enigma-Hopfen kaltgehopft, was der sanften Grundsüße herrlich herbe Obertöne hinzufügt.


*Bezugsquellen

Braufactum Soleya