Fotostrecke: Schneller Nachtisch mit Schwips
Zwetschgen-Brombeer-Trifle Dieses Dessert ist Schichtarbeit
Nicht jeder von uns wird sich an seine Anfänge im Neolithikum erinnern können. Ist ja auch schon lange her. Ziemlich genau 11.500 Jahre. In der Jungsteinzeit - das belegen Funde in Siedlungsresten aus dieser Epoche - begannen unsere Vorfahren, Nutzpflanzen zu kultivieren. Und eine der ersten Früchte dieser Bemühungen war die Prunus, eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Besser bekannt als Pflaume.
Ihre kleine Schwester ist die bis heute in unseren Breiten vor allem als Kuchenbelag, Mus und Marmelade, Trockenobst und Basis zum Schnapsbrennen beliebte Zwetschge (Prunus domestica subsp. Domestica). In Österreich schreibt man sie mit einem harten "k" in der Mitte und karamellisiert sie am liebsten zum Röster, dem mürbsüßen Begleiter des Kaiserschmarrn.
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All diese saftigen Steinfruchtsorten von den kleinen, dunkelvioletten Zwetschgen über die Renekloden bis hin zu den großen rosafarbenen "Königin Victoria"-Pflaumen haben ihr ganz eigenes Süßsauerspiel. Deshalb waren sie auch historisch so erfolgreich: Von asiatischen Händlern nach Griechenland und Rom gebracht, gelangte das Obst mit spanischen Missionarsschiffen auf den amerikanischen Kontinent. Inzwischen werden weltweit über 12 Millionen Tonnen jährlich geerntet, die meisten davon in China, Rumänien und Serbien.
Essen: Kultur, Tradition, Herkunft. Die illustrierte Geschichte
Wer sich für solche Geschichten rings um unsere Lebensmittel interessiert, muss eines der schönsten Sachbücher des Jahres zu diesem Thema ins Bett mitnehmen: "Essen: Kultur, Tradition, Herkunft. Die illustrierte Geschichte" erzählt auf 360 professionell recherchierten und hervorragend aufgearbeiteten Themenseiten die Kulturgeschichte unserer Nahrung.
Das alles wird begleitet von einer wunderschönen Bildsprache und lesenswerten Essays über Ursprünge unserer Ernährung oder den Einfluss fleischlicher und gekochter Speisen auf die Entwicklung des menschlichen Hirns. Über die ersten Bier-Rituale gegen 3100 v. Chr. in Mesopotamien lernt der Leser genauso etwas wie über moderne Konzepte der In-vitro-Fleischproduktion und geschlossenen hydroponischen Kreisläufe zur Indoor-Pflanzenzucht.
Kochbuch für die kleine alte Frau
Schönfeldt, Sybil GräfinPreisabfragezeitpunkt
17.10.2026 12.47 Uhr
Keine Gewähr
Ebenfalls unbedingt Weihnachtsgeschenk-tauglich ist das wunderbare kleine Küchenlesebuch "Kochbuch für die kleine alte Frau"* von der Genre-Gigantin Anna Sybil Gräfin Schönfeldt. Die mittlerweile 91jährige promovierte Germanistin, Kunsthistorikern und langjährige Mitarbeiterin von "Stern" und "Zeit" hat für ihre vielen Koch- und Kinderbücher Dutzende Literaturpreise erhalten.
Der gräfische Erzählduktus - stets mit einem Augenzwinkern im Subtext - zwingt den Leser nach wenigen Seiten zu einem sanften Ausstieg aus dem rasenden Foodblogger-Rattenrennen um den schnellsten und angesagtesten Foodtrend. Diese Frau entschleunigt mit Geschichten wie "Der Hundertjahrige, der Arroz a la Cubana kocht" oder "Goethe und meine Obstsalate" den hektischen Küchenalltag.
Zeit zum Lesen haben wir heute eher beim Verdauen unseres Hobbyküchendesserts "Zwetschgen-Brombeer-Trife"- auch, weil es sich so zügig zubereiten lässt. Und während sich ganz langsam Früchte, Kekse, Creme und Nüsse in die unteren Körperregionen verziehen, meditieren wir noch ein bisschen über den im "Essen"-Buch aufgeschnappten Satz des japanischen Zen-Meisters Dgen Zenji (1200-1253): "Wenn der alte Pflaumenbaum blüht, blüht die ganze Welt".
Rezept für Zwetschgen-Brombeer-Trifle (Dessert für 4 Personen)
Vorbereitungszeit: 15 Minuten (plus 1 Stunde Marinierzeit)
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Schwierigkeitsgrad: sehr einfach
Zutaten
Boden
250 g Schokoladenkekse (z.B. Oreo)
50 g Dunkle Schokolade (mind. 80% Kakao)
Zwetschgen & Brombeeren
300 g Zwetschgen
50 ml Obstler (oder Pflaumenschnaps)
1 Prise Zimt, frisch gerieben
1 Paket Vanillezucker
1 EL brauner Rohrzucker
200 g frische Brombeeren
Creme & Topping
250 g Magerquark
100 g fettarmer Joghurt
150 g Mascarpone
1 Paket Vanillezucker
1 EL frischer Zitronensaft
1 Bio-Zitrone, Schalenabrieb
100 g Karamellisierte Mandeln (Fertigprodukt oder vom Markt)
Zubereitung
Boden
Kekse und Schokolade grob zerkleinern und im Blitzhacker zu einer homogenen, bröseligen Masse mixen.
Zwetschgen & Brombeeren
Zwetschgen waschen, halbieren, entsteinen und mit Zimt, Vanillezucker und Schnaps in Gefrierbeutel 1 Stunde marinieren. Durch Sieb schütten, Flüssigkeit auffangen und bereithalten. Kleines Backblech mit Trennspray einsprühen (oder mit neutralem Öl einfetten) und die Zwetschgen mit der Schnittfläche nach oben eng nebeneinander darauflegen. Rohrzucker verteilen. Unter dem Backofengrill ca. 8 Min. karamellisieren, aber nicht verbrennen lassen.
Beeren waschen. 2 der Brombeeren quer halbieren und für die Garnitur bereithalten. Restliche Beeren in dünne runde Scheiben schneiden.
Creme & Topping
Alle Zutaten der Creme zusammen mit der Zwetschgenflüssigkeit mit Schneebesen glattrühren. Gebrannte Mandeln fein hacken.
Anrichten
Keksbrösel auf 4 Whiskey-Tumbler oder vergleichbare Gläser verteilen und mit kleinerem Glas fest andrücken. Eine Schicht Creme einfüllen und glattstreichen. Brombeerscheiben einlegen und den Rest der Creme verteilen. Die abgekühlten Zwetschgenhälften am Glasrand kreisförmig hochkant anlegen, eine Brombeerhälfte in die Mitte geben und die Mandelbrösel verteilen.
Getränketipp
Ein guter Winzersekt mit tiefgründigem Basiswein und ausreichend jugendlicher Perlage wäre hier der angesagte Dessertbegleiter - perfekt umgesetzt in Form des 2013 Sekt Cuvée extra brut vom Weingut Wageck Pfaffmann im Grenzgebiet von Rheinhessen und der Pfalz. Nicht nur die verwendeten Rebsorten Chardonnay, Pinot Noir/Spätburgunder und Pinot Meunier sind typisch für Champagner, auch der cremig-elegante Ausbau erinnert stark an dreimal so teure französische Millésimes.
*Bezugsquellen:
2013 Sekt Cuvée Wageck: bei Maluwi Weine