Neue Autorennbahn im Test Ist das noch Carrera?
»Carrera Hybrid«: Nicht nur die Geschwindigkeit zählt
Foto: Markus Linden / DER SPIEGELEine Spielzeug-Ikone der Bundesrepublik ist von der Spur abgekommen, die kleinen Automodelle von Carrera können nun auch mal quer über die Strecke flitzen statt nur, wie auf Schienen, entlang von Schlitzen in der Plastik-Fahrbahn. »Carrera Hybrid« nennt sich die Kombination aus ferngesteuerten Autos, einer App und einer dünnen Plastikpiste. Schafft die Traditionsmarke den Spagat zwischen Nostalgie und Neuland?
Das neue Carrera-Produkt ist im vergangenen Jahr pünktlich zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt gerollt. Im Herbst 2025 erscheinen neue Streckenbauteile und neue Fahrzeuge. Die dazugehörige Smartphone-App hat vor wenigen Monaten ein Update erhalten. Für uns ein guter Zeitpunkt, um aufs Gas zu drücken.
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Wir haben das Set »Devils Driver« Probe gefahren. Carrera bietet die neuen Rennstrecken aktuell in drei Varianten an, die sich jedoch nur hinsichtlich der Lackierung der beiden Porsche 911 GT3 R im Maßstab 1:50 unterscheiden. Im Set »Devils Driver« sind sie rot und schwarz, bei »Speedway to Hell« gelb und grün, im Amazon-Exklusivset »Runway Chase« gelb und blau. Alle Packungen enthalten die gleichen Streckenbauteile, aus denen man unterschiedliche Kurse zusammenstecken kann.
Alles auf Automatik?
Springt die Ampel auf dem Smartphone auf Grün, klappt auf der Strecke anfangs alles. Je nach Perspektive ist das langweilig oder einsteiger- und kinderfreundlich. Von Algorithmen gesteuert rasen die Mini-Porsches auf der Ideallinie über die Rennstrecke. Das ist schnell, sieht gut aus und ist sterbenslangweilig. Den Finger müssen wir nicht vom Gas nehmen, egal, ob wir uns entscheiden, die Autos per Smartphone zu steuern oder einen Gamecontroller verwenden. Wir haben für den Test einen Xbox-Controller mit dem Smartphone verbunden. Carrera bietet auch einen eigenen Controller an, der jedoch teurer ist als manche Modelle bekannter Hersteller.
So ausgerüstet macht es mehr Spaß, ohne die Unterstützungsfunktion durch die Kurven zu fetzen, denn wer sich ohne Fahrhilfe auf die Strecke wagt, landet auch mal abseits der Strecke. Es braucht Übung und Geschick, um wie auf Schienen über die Piste zu jagen. Mit dem Smartphone fiel uns das anfangs schwer. Zu ungewohnt ist es, das Handy wie ein Lenkrad zu neigen, dabei auch noch auf dem Bildschirm Gaspedal und Bremse zu steuern.
»Carrera-Hybrid«-Strecke: Mehr Fahrspaß mit Controller
Foto: Markus Linden / DER SPIEGELSehr viel mehr Spaß macht es mit einem Gamecontroller. Zum richtigen Zeitpunkt vom Gas gehen, die Ideallinie über die breite Strecke finden: Wer geschickt lenkt, gewinnt. Das war bei anderen Carrera-Bahnen, wie etwa der »Carrera Servo«, nicht immer so. Aus der Perspektive des Fahrzeugs zu lenken, wenn es gerade auf einen zurast, ist in der Hitze des Rennens eine Herausforderung.
Eine Installation wie eine Zehnminutenstrafe
Carrera verspricht »das Beste beider Welten – klassische Rennbahn-Action und modernes Gaming-Erlebnis.« Im Test erlebten wir jedoch zunächst das Schlechteste des sogenannten modernen Gaming-Erlebnisses: Download der App, Registrierung per E-Mail, Aktualisierung der Firmware, Absturz der App, Neustart. Das Rennen beginnt sozusagen mit einer Zehnminutenstrafe in der Boxengasse. Glücklicherweise ist die App keine Verkaufsveranstaltung, In-App-Käufe gibt es nicht.
Zudem eröffnet die App eine digitale Spielwelt abseits der Plastikbahnen, in die ein Tutorial gut hineinführt. Und sie verfügt über ein praktisches Streckenplanungs-Tool, in dem man den inneren Hermann Tilke ausleben und selbst eine Rennstrecke entwickeln kann. Demnächst sollen dafür zusätzliche Streckenbauteile verfügbar werden, die für mehr Abwechslung sorgen: Haarnadelkurven, Bahnverengungen und Kurven mit einem größeren Radius.
Wer keine Mitspieler findet, soll vom Karrieremodus motiviert werden. In dem erhält man für jedes Level, das man meistert, Punkte und arbeitet sich so auf der Karriereleiter nach oben. Das ist eine recht mühsame Angelegenheit. Rennspiele machen mehr Freude, wenn man gegen Gegner antritt statt gegen die Uhr.
Karrieremodus: Recht mühsam
Foto: CarreraFazit
Es wird wohl nie wieder Elektrokleinwagen geben, die in der Bundesrepublik so geliebt werden wie die kleinen Carrera-Flitzer in den Siebzigerjahren. Die »Carrera Hybrid« hat ihren Reiz, vor allem aber das Potenzial, besser zu werden, wenn neue Streckenvarianten kommen und die App verbessert wird. Ob das Spiel für Kinder schnell genug ist, ist schwer zu sagen. Für nostalgische Bürogemeinschaften, die nach Feierabend noch ein paar Runden drehen wollen, ist es sicher interessanter. Mit einer kleinen, enthusiastischen Gruppe kann das richtig Spaß machen.