Kinder- und Jugendbücher über Mathematik: Alles, was zählt - DER SPIEGEL
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Kinder- und Jugendbücher über Mathematik Alles, was zählt

Keinen Bock auf Mathe? Dann könnte etwas Literatur helfen: Fünf Bücher für Kinder ab drei Jahren im Test. Sie erzählen die Geschichte der Disziplin, berichten über ihren Nutzen und ein Leben ohne Zahlen.
Mathe kann Spaß machen? Ja!
Mathe kann Spaß machen? Ja!

Mathe kann Spaß machen? Ja!

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Prakasit Khuansuwan / 500px Plus / Getty Images

Obwohl unser Leben ohne Zahlen und mathematische Erkenntnisse nicht möglich wäre, bleibt die Mathematik vielen Menschen fremd. Das fängt schon in der Schule an – Mathe ist vermutlich das unbeliebteste Schulfach. Zu Unrecht, sagen jene, die den »Zauber der Zahlen« sehen und versuchen, diese Wissenschaft durch neue Blickwinkel interessanter zu machen.

So gibt es etwa Autorinnen, die über die Geschichte der Mathematik eine Tür öffnen, andere durch Illustrationen oder auch ganz pragmatisch über Alltäglichkeiten, die auch Kindern schon verständlich sind.

In den folgenden fünf Büchern dreht sich alles um Zahlen von der Eins bis zu mehr als einer Million. Natürlich wird auch der übrige Kosmos der Mathematik behandelt. Es geht ums Rechnen oder darum, wie Formeln gefunden wurden, aber auch um Zeit und den Sternenhimmel – und wie man ganz einfach genug Geld für ein Kuscheltier verdient.

Zur Autorin
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Maria Feck

Agnes Sonntag wurde in eine Familie geboren, deren Mitglieder von Büchern magisch angezogen werden. Ihr Großvater arbeitete bei der Büchergilde Gutenberg und brachte ihr gern Fehldrucke mit, sodass sie bis heute das Ende vieler James-Krüss-Geschichten nicht kennt. Später studierte die gelernte Arzthelferin in Schweden Publizistik und Schwedisch. Sie arbeitete als Schwedischlehrerin, Übersetzerin und freie Mitarbeiterin des schwedischen Schulfunks. Seit einigen Jahren betreut sie beim Kinder-Nachrichtenmagazin »Dein SPIEGEL« die Buchtipps und rezensiert auf SPIEGEL.de Kinder- und Jugendbücher.


Zählerhaft

Vom »exponentiellen Wachstum« haben wir während der Pandemie viel gehört. Dieses sagenhafte Bilderbuch des Grafikers und Künstlers Sven Völker visualisiert eindrücklich, was damit gemeint ist.

In einem für Erwachsene kurzweiligen YouTube-Video erzählt Völker, dass er ein Buch über große Zahlen und das Prinzip des Verdoppelns machen wollte. Ein überraschendes Werk, dessen bildnerische Qualitäten mir eine Freude sind. Man könnte sagen: Mathe-Zauberei mit Punkten.

Was ist hier los? Das Buch hat keine Handlung, sondern ist ein Zahlenerlebnis, das sich Seite für Seite entblättert. Bei eins angefangen, verdoppeln sich die Punkte, bis das Papier am Ende ausgeklappt werden muss, damit mehr als eine Million Punkte Platz haben. Vom Baum bis zu einer Skyline verstecken diese sich in stilisierten Bildern, die auch für kleine Kinder toll anzuschauen sind.

Beste Lesezeit: Überrasche mich!

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Empfohlenes Alter: Ab drei Jahren und für alle anderen, die bis zwei zählen können.


Verzählt

Lustige Geschichte mit vielen Tieren und einer strengen Oma, die am Ende doch nicht so streng ist, wie sie tut.

Die Illustrationen sind schräg, aber nicht zu schräg, die Handlung hält einige schlaue Wendungen bereit, sodass den Erwachsenen auch das Vorlesen Spaß macht.

Was ist hier los? Anna möchte ein Kuscheltier haben, das 50 Kronen kostet (die Autorin lebt in Norwegen, deshalb wird in Kronen bezahlt). »Klar«, sagt Oma. »Hast du Geld? Nein? Dann musst du wohl arbeiten.« Anna: »Oh. Äh. Kein Problem.« Und dann macht sie Omas Job und passt auf die Tiere der Nachbarn auf, die auf Reisen sind: eine Schlange in Haus 1, zwei Kaninchen in Haus Nummer 2, drei Vögel und so weiter. Hm, das hatte Anna sich doch etwas einfacher vorgestellt. Ob es wirklich schlau war, die vielen Tiere mit zur Oma zu nehmen, damit es nicht so ein Gelaufe ist?

Beste Lesezeit: Wenn Wünsche aufkommen

Empfohlenes Alter: Ab fünf Jahren.


Am Anfang war die Zahl

Einst schrieb Ernst Gombrich den Klassiker »Weltgeschichte für Kinder«. Dieses Buch zweier Mathematiker über die Geschichte der Mathematik könnte einen ähnlichen Status erlangen. Das liegt zum einen an der Optik: Die mathematischen Illustrationen der in New York lebenden russischen Illustratorin Natalja Jaskina sind verständlich und das Layout übersichtlich. Zudem bringt Jaskina Humor in die Darstellungen, und alle Figuren haben einen persönlichen Ausdruck.

Und dann die Texte: Wie es sich für ein modernes Sachbuch gehört, berücksichtigt das russisch-israelische Autorenteam Erkenntnisse aus der ganzen Welt und hat diese in vernünftige Textportionen gepackt, die anspruchsvoll, aber verständlich formuliert sind.

Was ist hier los? Bevor jemand die ersten Zähltricks ausheckte, begann menschliches Leben in einer Welt ohne Zahlen. Das Buch handelt zum Beispiel von Zeitmessung, Arithmetik im alten Ägypten, den Griechen mit ihrem Satz des Pythagoras, Astronomie, Planetenbewegungen und der chinesischen Zahl Fu. Eine schöne Übersicht sind außerdem die Zeitleisten von der Alten Welt bis zum 21. Jahrhundert.

Die Chronologie dieses Buches macht deutlich, welch enorme Bedeutung mathematische Erkenntnisse für die Menschheit hatten. Je länger ich darin blättere, desto besser verstehe ich, dass erst aus der geschichtlichen Perspektive viele (nicht alle) mathematische Schlussfolgerungen und Ergebnisse verständlich werden und einen Sinn bekommen.

Beste Lesezeit: Zum Warmmachen vor den Matheaufgaben.

Empfohlenes Alter: Für alle Menschen ab zehn Jahren.


Zahlen, bitte!

Lesen üben und nebenbei erste Rechenschritte tun, das ist das Ziel dieses Buches für Erstleser. Die Geschichten sind kurzweilig, aber unnötige Aussagen wie »Zahlen können doch lustig sein!«, wirken verkrampft.

Was ist hier los? Dieses Mitmachbuch für Grundschüler beginnt mit einer nützlichen Bedienungsanleitung in großen Buchstaben und vielen Absätzen, die man tatsächlich lesen sollte. Dann übernehmen die Mathematierchen: Die sechs putzigen Tiere haben Namen wie Meerdreinchen, Kaneunchen oder Minusmuschel, was etwas über ihre mathematischen Vorlieben sagt. Sie führen durch fünf einfach erzählte Geschichten, die mit Rechen- und Kombinationsaufgaben vollgestopft sind.

Beste Lesezeit: Statt Hausaufgaben

Empfohlenes Alter: Ab sechs Jahren.


Zahlreich

Der »Was ist was«-Reihe haftet ein biederes Image an, möglicherweise, weil die Bände eine recht stereotype Bildsprache haben und so gar nicht mit Humor arbeiten. Das hat sich zum Glück etwas geändert, und die Bücher sind solider recherchiert als manch spektakulär aufgemachtes Sachbuch, das mit eigenwilligen Illustrationen auffallen möchte.

Anders als das vorherige Buch liefert dieses Definitionen und Erklärungen über die Königin der Wissenschaften, wobei auch hier das Layout angenehm luftig und übersichtlich ist.

Was ist hier los? Nach einem kleinen geschichtlichen Exkurs geht es direkt in die Praxis, also der großen Frage jeder Mathestunde: »Wozu brauchen wir das?«. Alle Bereiche der Mathematik, wie Algebra, Analysis, Spieltheorie und Geometrie, werden in einem kurzen Überblick erklärt, bevor in einzelnen Kapiteln auf jedes Thema ausführlicher eingegangen wird. So ergibt es ein gutes Nachschlagewerk.

Beste Lesezeit: Am Wochenende

Empfohlenes Alter: Ab elf Jahren.