Erasmus-Studentin Sevil Sevimli aus Knast entlassen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Erasmus-Studentin im türkischen Knast: Vorerst frei

Foto: Erol Sevimli

Französin in der Türkei Erasmus-Studentin aus Knast entlassen

Drei Monate hat sie im Gefängnis gesessen, jetzt ist sie wieder auf freiem Fuß: Die Studentin Sevil Sevimli wuchs in Frankreich auf; für ein Erasmus-Jahr ging sie in die Türkei und wurde dort festgenommen. Jetzt hat ein Gericht sie freigelassen - allerdings nur bis zum eigentlichen Prozess.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ihre Familie kann aufatmen, jedenfalls vorerst: Wochenlang haben sich die Eltern und andere Angehörige für die Studentin Sevil Sevimli eingesetzt, die in der Türkei in Untersuchungshaft saß. Sie haben Interviews gegeben, E-Mails verschickt, demonstriert, jetzt ist Sevimli erst einmal raus aus dem Knast. Das berichten übereinstimmend mehrere türkische Zeitungen und eine Menschenrechtsorganisation.

Die Vorgeschichte: Sevil Sevimli, Tochter kurdischer Einwanderer aus der Türkei, wuchs in Frankreich auf und studiert eigentlich in Lyon Kommunikationswissenschaft. Im vergangenen Sommer ging sie als Erasmus-Studentin in die Heimat ihrer Eltern. Sie entschied sich für die anatolische Provinz Eskisehir, um das Land besser kennenzulernen.

Anfang Mai nahmen türkische Sicherheitskräfte die junge Frau mit der doppelten Staatsbürgerschaft dann fest, gemeinsam mit anderen Studenten. Der Vorwurf: Sie habe Verbindungen zu einer Terror-Organisation. Sevil Sevimli hatte zuvor das Konzert einer linken Band besucht und war bei einer Demo mitmarschiert.

Seitdem saß Sevimli in Untersuchungshaft, drei Monate lang. Der Fall ging durch die französische Presse - und zeigte erneut, wie rabiat die Türkei mit politisch aktiven Studenten umgeht. Möglich sind solche Anklagen, weil sich die harschen Anti-Terror-Gesetze in der Türkei sehr beliebig interpretieren lassen.

Den Berichten zufolge, unter anderem in der türkischen Zeitung "Cumhuriyet", darf Sevil Sevimli jetzt bis zum Prozess auf freiem Fuß bleiben. Der sei für den 26. September angesetzt, schreibt die Zeitung, dann solle die Anklageschrift verlesen werden.

Auch wegen Sevimlis doppelter Staatsbürgerschaft ist der Fall brisant, wie unter anderem die französische Zeitung "Le Monde" geschrieben hatte. Die türkische Justiz sieht sie als Türkin, Frankreich als Französin. Dementsprechend groß ist die Empörung: Familie, Freunde, selbst der Uni-Rektor - sie alle hatten verlangt, dass die Studentin freikommt.

otr/AP