Studentenstadt Turku: Was wohnen, trinken und feiern kostet - DER SPIEGEL
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Was kostet Turku: Vorsicht vor der Elchsalami

Foto: Julia Bömer

Was kostet die Welt? Turku, fischig und freakig

Ich verstehe nur ää, öö, ii - zugegeben: Finnisch ist nicht einfach, aber in Turku funktioniert auch Englisch. Fast jeder vierte Einwohner ist Student, und entsprechend viel wird gefeiert. Besonders bei Sitzpartys, denn die sind besonders günstig.
Von Julia Bömer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Turku geboren und geblieben: Christian Ahonen, 22, studiert Wirtschaft und Germanistik und liebt Turku. Vor allem wegen der Zweisprachigkeit, sagt er. Sein Vater ist Finne, seine Mutter Schwedin - Christian spricht beide Sprachen fließend. Wie viele in Turku; schließlich ist Schwedisch neben Finnisch zweite Amtssprache.

Das spiegelt sich in der Hochschullandschaft wider: Es gibt zwei Universitäten. An der Åbo Akademi spricht man Schwedisch, an der Universität von Turku Finnisch. Åbo ist die ältere Hochschule, 7000 Studenten lernen dort, darunter auch Christian, 1000 von ihnen sind international, 76 in diesem Wintersemester Deutsche. Mit insgesamt 20.000 Studenten ist Turku die größere Hochschule. 2000 kommen aus der ganzen Welt, über 200 zurzeit aus Deutschland. Doch nicht nur wegen der internationalen Universitäten ist für Christian klar: "Meine Stadt ist multikulti."

Knapp ein Viertel der Einwohner Turkus sind Studenten. Besonders lebendig ist es im Campus-Viertel und am Fluss Aurajokis, an dessen Ufer reihen sich Cafés an Bars und Restaurants. Aber Vorsicht: Radler dominieren die Promenade, nicht umsonst heißt die Strecke "Fahrrad-Highway".

Wer den Finnen zuhört, versteht meist gar nichts. Ein doppeltes "ä" reiht sich im Finnischen an "ö", gefolgt von mindestens einem "i". Ein Eis am Kioski, etwa direkt am Dom der Stadt, bestellt man in der Landessprache als Jäätelö. Doch auch wer Englisch spricht, bekommt sein Eis. Denn obwohl viele Finnen ihre Sprachkenntnisse kleinreden, können fast alle fließend Englisch.

Fliegen und Fahren - W-Lan inklusive

Die Anreise nach Turku funktioniert nicht ohne Umsteigen. Flieger starten zum Beispiel ab Helsinki oder Stockholm. Von dort geht es in der Propellermaschine weiter zum kleinen Flughafen Turku - nichts für Reisende mit nervösem Magen. Alternativ fährt die finnische Bahn einmal stündlich ab Helsinki. Tickets können vorab online gebucht werden - Sitzplatz und W-Lan inklusive. Preis: Zwischen zehn und 30 Euro, wer früh bucht, spart Geld. Und noch eine Möglichkeit: Einmal stündlich fährt ein Bus direkt ab dem Flughafen in Helsinki nach Turku. Dauer: zweieinhalb Stunden. Kosten: zwischen 30 und 50 Euro.

Hütten und Paläste - Nicht ohne meine Sauna

In Turku gibt es ein sehr gut ausgebautes Busnetz. Ein Ticket für zwei Stunden kostet 2,50 Euro, das Tagesticket sechs Euro. Bei gutem Wetter lässt sich Turku aber am besten mit dem Fahrrad erkunden, denn Turku ist eben Fahrradstadt. Ein Rad zu leihen, kostet bei der Touristeninformation etwa 20 Euro pro Tag.

Eine Wohnung zu finden, ist nicht immer einfach, vor allem im Sommer, wenn alle Studenten eine Wohnung suchen. Austauschstudenten haben Glück: Das Internationale Studentenbüro reserviert für die Ausstauschstudenten Zimmer oder Apartments meist im Univiertel am Dom. Alle Studenten erhalten dann ein Angebot für eine Studentenbude und können es annehmen oder ablehnen.

Die Mieten in Studentenwohnheimen sind niedrig: 260 Euro kostet ein Zimmer im Durchschnitt. Wer eine Wohnung in der Stadt ergattern möchte, muss für 35 Quadratmeter etwa 450 Euro oder mehr bezahlen. Dafür gibt es eine hauseigene Sauna, ganz normal in Finnland.

Essen und Trinken - Vorsicht mit der Elchsalami

Verpflegung in Turku ist wie überall in Finnland teuer. In der Bar kostet ein Bier meist sechs Euro oder mehr. Pizza gibt es in Restaurants nicht unter 14 Euro. Die Finnen schlemmen und trinken trotzdem gern. Student Christian hat da sein eigenes Rezept gegen die hohen Preise: "Wir können uns Wodka leisten, wenn wir sonst nur Nudeln essen." Eine 0,5-Liter-Flasche kostet im Supermarkt zwölf Euro.

Typisch finnisch sind vor allem Fischgerichte, am liebsten Lachs. Den gibt es frisch in der Kaupahalle, gleich neben Turkus zentralem Marktplatz. An den Ständen der Fisch- und Fleischverkäufer gibt es auch die Elchwurst. Christians deutschem Onkel schmeckte sie so gut, dass er ein Stück mit nach Hause nehmen wollte. Beim Bezahlen dann der Schock: 32 Euro für ein bisschen Wurst. "Ganz normal", sagt Christian.

Billiger ist das landestypische Gebäck: Kleine Teigtaschen mit eingebackenem Grieß oder Milchreis. Die alten Frauen auf dem Land, erzählt Christian, könnten sie noch selbst backen. Dann schmeckten sie am besten.

Kickern und Feiern - Bis das Licht flackert

Wer günstig trinken will, geht in eine Studentenkneipe. Zum Beispiel das Kuka. Dort kostet der halbe Liter "nur" fünf Euro. Bingo, Kickern und Gesellschaftsspiele gibt's dazu. Noch günstiger geht es in Turku nur bei den sogenannten Sitzpartys. Die fänden immer mal wieder in Kneipen statt, erklärt Christian. Für zehn Euro Eintritt gibt es dann ein Bier, einen Schnaps und einen Punsch. Und dann wird gesungen.

Ein außergewöhnliches Ambiente bietet das Koulu: früher Schule, heute Restaurant und Kneipe: Der Freund seiner Schwester sei dort früher noch zur Schule gegangen, erzählt Christian. Heute komme er immer noch - aber nicht mehr zum Lernen, sondern zum Biertrinken.

Falls beim Trinken in einer Kneipe plötzlich das Licht kurz aus und direkt wieder an geht, ist das nichts Ungewöhnliches. Das Zeichen, dass der Wirt schließen will, sagt Christian. Gäste sollten dann möglichst schnell das Glas austrinken und gehen oder noch schnell die letzte Runde ordern.

Finnisch für Anfänger - Halvin olut?

Karjalanpiirakka - kein Rechtschreibfehler, sondern eine beliebte Backspeise: Milchreis eingebacken auf einem kleinen Teigschiffchen. Schmeckt leicht süßlich und wird auch schon zum Frühstück gegessen.

Kiitos bedeutet "danke". Diese Höflichkeit wenden die Finnen sehr oft im Alltag an. Egal ob an der Kasse, in der Touristeninformation oder auf dem Markt - ein kiitos geht immer.

Mennään - ist das Zeichen für das Aufbrechen. "Gehen wir" oder "Komm schon" ist die Übersetzung. Hört sich nach viel Alkohol an, ist aber eine beliebte Alltagsfloskel.

Halvin olut? - heißt: "Welches ist das günstigste Bier?" und wird damit zur wichtigsten Frage für den Kneipenbesuch. Bei Bierpreisen von sechs Euro aufwärts lohnt sich das Nachfragen - unbedingt auswendig lernen!

Efterslapp - dazu eingeladen, darf man zu einer der beliebten Sitzparties dazustoßen. Allerdings beginnt der efterslapp nach der eigentlichen Party - quasi eine Art Nachtrinken. Gut daran: Efterslapp ist im Gegensatz zur Sitzparty umsonst. Mitsingen darf man natürlich trotzdem.

Kippis - "Prost!" Die Legende besagt, dass zu Zeiten von Alkoholverbot ein Deckwort für das schwedische "skål!" hermusste, um beim Trinken nicht erwischt zu werden. Dass sich das Zuprosten auf Finnisch nun fast wie ein "Kipp es" im Deutschen anhört - eher Zufall.