Airline-Siechtum United droht mit der eigenen Pleite
Chicago - Eindringlicher hätte der 69-jährige Unternehmenschef es kaum sagen können. "Wir müssen drängende, tief greifende, sofortige Änderungen vornehmen", forderte Jack Creighton, CEO der United-Holding UAL, am Mittwoch Abend in einer Presseerklärung.
Vorsichtshalber habe man bereits begonnen, sich auf die drohende Insolvenz vorzubereiten. Denn es sei nach derzeitigem Stand wahrscheinlich, dass der Konzern im vierten Quartal seine Kredite nicht begleichen könne. Dann nämlich wird eine Rückzahlung in Höhe von 875 Millionen Dollar fällig. Noch verfügt der Konzern zwar zwei Milliarden Dollar Cash-Reserven. Angesichts täglicher Millionenverluste schrumpft die Summe in Besorgnis erregendem Tempo.
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So hat Creighton seinen eigenen Mitarbeitern eine Deadline gesetzt. Innerhalb der nächsten 30 Tage müsse man sich über drastische Kostensenkungen einigen. Wenn die Restrukturierung greift, so die Hoffnung, könnte das die Regierung gnädig stimmen. United hat nach den Anschlägen vom 11. September um eine Kreditbürgschaft in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar bei der staatlichen Hilfsbehörde ATSB (Air Transportation Stabilization Board) beantragt, sich aber bisher schon mehrfach einen Korb geholt. Die Behörde monierte, United habe seine Kosten unzureichend gesenkt. Beobachter halten es weiterhin für unwahrscheinlich, dass United in absehbarer Zeit staatliche Hilfe erhält.
Bei den Gesprächen mit den Vertretern der Belegschaft wird es um Entlassungen und teilweisen Lohnverzicht gehen. Allein die Piloten haben bereits zugesichert, auf zehn Prozent ihres Gehaltes verzichten zu wollen. Die Flugzeugmechniker haben sich bisher gegen Lohneinbussen gesträubt. Am Mittwoch teilte ihre Gewerkschaft jedoch mit, man sei zu neuen Verhandlungen bereit. Auch die Vertreter der Flugbegleiter betonten, sie würden die neuen Vorschläge des Managements studieren, stünden Lohneinbußen aber skeptisch gegenüber. Schließlich erhielten die Flugbegleiter in der Branche "nur" ein branchenübliches Gehalt, während Piloten und Mechaniker besser entlohnt werden als Kollegen bei den meisten anderen Airlines.
Diese ablehnende Haltung in weiten Teilen der Belegschaft hat bei vielen neutralen Beobachtern Kopfschütteln ausgelöst. Da die Mitarbeiter über ein ungewöhnlich umfangreiches Beteiligungsprogramm insgesamt 55 Prozent der Unternehmensaktien halten, stehen sie bei den Sanierungsgesprächen vor einer Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder sie verzichten auf einen Teil ihres Gehaltes - oder sie werden mitschuldig an der Pleite, die ihre Aktien nahezu völlig entwerten könnte. An der Börse schwindet schon jetzt das Vertrauen in United. Die Aktien der Holding haben in nur einer Woche 53 Prozent ihres Wertes verloren.
Viele Analysten glauben, dass der 69-jährige Chef Creighton eine der schwersten Belastungen für den Konzern ist. Die Belegschaft werde kaum zu nennenswerten Kompromissen bereit sein wird, solange Creighton noch amtiert. Zunächst müsse ein unverbrauchter, neuer Chef eine Vision für die Zukunft des Unternehmens entwickeln. Der CEO räumt selbst ein, dass er sich nicht für die ideale Besetzung hält: Er wolle seinen Abschied nehmen, sobald ein geeigneter Nachfolger gefunden sei. Die Kandidatensuche aber dürfte sich angesichts der Bankrottgefahr alles andere als einfach gestalten.