Andersen-Krise Der Tag der Entscheidung
New York - Es dürfte kein einfaches Meeting werden: Die Andersen-Partner, von denen viele Verluste ihres in das Unternehmen investierten Kapitals von mehreren 100.000 Dollar befürchten müssen, können das erste Mal seit der Veröffentlichung der Anklage des US-Justizministeriums mit dem Management in Chicago diskutieren. Dem Chef von Andersen Worldwide, Joseph Berardino, werden die Partner indes keine Vorwürfe mehr machen können: Er trat unlängst zurück.
Auf dem nach Angaben des "Wall Street Journal" für fünf Stunden angesetzten Meeting dürfte die Entscheidung über Andersen Zukunft fallen. Die Partner werden vermutlich über das Angebot des ehemaligen US-Notenbankchefs Paul Volcker entscheiden.
Andersen wird wahrscheinlich "volckerisiert"
Volcker hat einen Rettungsplan für Andersen ausgearbeitet und will das Prüfungs- vom Beratungsgeschäft trennen. Zur Bedingung hat er gemacht, dass sich Andersen zügig für sein Programm ausspricht und ihm umfassende exekutive Vollmachten zur Durchführung der Reformen überträgt. Die Annahme des Vorschlags gilt als wahrscheinlich; intern werde bereits von der "Volckerisierung Andersens" gesprochen, so das "Journal".
Zudem wird auf dem Meeting möglicherweise über eine Aufhebung der so genannten noncompete clause abgestimmt: Die verbietet es Andersen-Partnern, beim Verlassen der Firma ihren Kundenstamm mit zur Konkurrenz zu nehmen. Beschlössen die Partner, diese Austrittshürde zu kippen, dürfte das Prüfungs- und Beratungsnetzwerk im Zeitraffer auseinander fallen.
Andersens US-Sparte kündigt Entlassungen an
-
2 Min
-
3 Min
-
2 Min
-
1 Min
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen LLP wird in den kommenden Monaten Personal abbauen. Das Unternehmen teilte am Mittwoch mit, ein Personalabbau sei unvermeidlich, da das US-Justizministerium die Gesellschaft wegen Behinderung der Justiz im Fall Enron verklagen wird.
Andersen drohen im Zusammenhang mit dem Enron-Skandal auch zahlreiche zivilrechtliche Schadenersatzklagen; außerdem verliert das Unternehmen seit Wochen täglich Mandanten, die sich nicht mehr von demselben Prüfer testieren lassen wollen, der auch die Bücher des in einem Buchhaltungsskandal untergegangenen Energieriesen Enron prüfte.
Über das Ausmaß der bevorstehenden Kündigungen wurden keine Angaben gemacht. Andersen beschäftigt in den USA 28.000 Menschen. Die "Financial Times" hatte zuvor berichtet, in den USA stünden bis zu 6000 Arbeitsplätze bei Andersen zur Disposition.