Anklage gegen Andersen: Der Anfang vom Ende - DER SPIEGEL
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Anklage gegen Andersen Der Anfang vom Ende

Wie erwartet hat das US-Justizministerium gegen Enrons ehemaligen Wirtschaftsprüfer Andersen Anklage wegen Behinderung der Justiz erhoben. Der Generalstaatsanwalt wirft dem Unternehmen vor, in einer konzertierten Aktion "Tonnen" von Dokumenten vernichtet zu haben.
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Washington - Es ist das erste Mal, dass US-Bundesbehörden Anklage gegen einen der fünf größten Wirtschaftsprüfer erheben. Wie das Justizministerium in Washington mitteilte, soll sich Enrons langjähriger Bilanzprüfer und Unternehmensberater Andersen wegen der Vernichtung von "Tonnen" von Dokumenten und elektronischen Aufzeichnungen vor Gericht verantworten.

Die Anklage lautet auf Behinderung der Justiz bei der Aufklärung des spektakulären Zusammenbruchs des Enron-Konzerns Anfang Dezember. Nach Angaben des stellvertretenden US-Justizministers Larry Thompson hatte Andersen mit der Vernichtung von möglicherweise wichtigen Beweisstücken begonnen, als die Untersuchungen der zuständigen Aufsichtsbehörde über den Enron-Fall anliefen. Andersens Reißwolf sei praktisch ununterbrochen im Einsatz gewesen.

Das Justizministerium hatte sich noch bis zum Donnerstagmorgen vergeblich um eine Vereinbarung mit Andersen bemüht. Danach hätte die Firma im Gegenzug zu einem Schuldbekenntnis einen Prozess vermeiden und eine geringere Strafe erhalten können, als sie dem Unternehmen jetzt im Gerichtsverfahren droht.

Andersen streitet alles ab

Andersen hatte eine Schuldeingeständnis abgelehnt und dem Justizministerium in einem wütenden Brief Machtmissbrauch vorgeworfen. Nach der Anklage hat Andersen nun signalisiert, man werde alles daran setzen, die Vorwürfe des Justizministeriums zu entkräften. "Die Strafverfolgung des gesamten Unternehmens wegen Behinderung der Justiz entbehrt jeder faktischen und juristischen Grundlage", gab das Unternehmen in einer Mitteilung bekannt.

Andersen hat bisher versucht, die Vernichtung von mit dem Enron-Skandal in Zusammenhang stehenden Dokumenten als isolierte Aktion des Houstoner Andersen-Büros darzustellen. Der Houstoner Andersen-Partner David Duncan war bereits im Januar wegen der Dokumentenaffäre gefeuert worden.

Zweifel an dieser "Duncan hat eigenmächtig gehandelt"-Version, an der Andersen bis heute festhält, sind allerdings angebracht: Am 15. Januar 2002 hatte das Unternehmen in einer Presseerklärung behauptet, Duncan habe am 23. Oktober 2001 in der Houstoner Andersen-Vertretung ein dringendes Personalmeeting einberufen, auf dem die Vernichtung von Dokumenten in großem Stil beschlossen worden sei.

Kaum noch Überlebenschancen für Andersen

Vor dem US-Kongress haben jedoch mindestens zwei Angestellte sowie ein Partner von Andersen unter Eid ausgesagt, weder Duncan noch andere hätten sie auf dem Houstoner Meeting aufgefordert, Dokumente zu vernichten. Die Aufforderung zum Schreddern sei vielmehr aus dem Andersen-Hauptquartier in Chicago gekommen. Auch das US-Justizministerium geht laut seiner Klageschrift davon aus, dass es sich bei Andersens Großreinemachen in Sachen Enron um eine konzertierte Aktion der Büros in Houston, Chicago, London und Portland gehandelt habe.

Ob Andersen als eigenständige Firma überleben wird, ist äußerst ungewiss - Fusiongespräche mit anderen großen Prüfungsgesellschaften wie Ernst & Young oder Deloitte Touche Tohmatsu sind bereits gescheitert, die Anklage hat Andersen selbst in einem Schreiben an das Justizministerium als "Todesurteil" bezeichnet. Zudem spricht die Statistik gegen Andersen. "In der 212-jährigen Geschichte der US-Finanzmärkte", bemerkt das "Wall Street Journal" trocken, "hat noch bisher noch kein größerer Finanzdienstleister je eine strafrechtliche Anklage überlebt."

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