AOL Time Warner: Großaktionär Turner macht Druck - DER SPIEGEL
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AOL Time Warner Großaktionär Turner macht Druck

Bisher konnte sich Internetpionier Steve Case noch als Chairman von AOL Time Warner halten. Doch nun hat er offenbar einen seiner bisher größten Fans gegen sich: Ted Turner, Board-Mitglied und einer der größten Anteilseigner.
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New York – Der Kommentar eines AOL-Sprechers nach dem letzten Treffen des Board of Directors vor zwei Wochen fiel schmallippig aus: "Steve Case ist der Chairman und wird es auch bleiben". Zu Gerüchten über eine baldige Ablösung des Architekten der größten Fusion in der amerikanischen Unternehmensgeschichte wollte der Sprecher kein weiteres Wort verlieren.

Zuvor hatte vor allem die "New York Times" (NYT) immer wieder von Gerüchten berichtet, Case würde den Rückhalt seines Führungsgremiums verlieren. Der Gründer und ehemalige Chef von AOL zog sich nach der Fusion aus der operativen Führung des Konzerns zurück und übernahm die Position des Chairman, verantwortlich für die langfristige Strategie des Konzerns. Doch nach der gefeierten Fusion sackte der Aktienkurs von rund 55 Dollar auf nun gerade noch 12 Dollar durch.

Die ehemaligen Stars gerieten unter der Dauerfeuer. Zuerst erwischte es Gerald Levin, der gemeinsam mit Case die Fusion verantwortete und zunächst Konzernchef geblieben war. Er musste nach heftiger interner Kritik den Hut nehmen.

Die schärftsten Töne hatte damals CNN-Gründer Ted Turner angeschlagen, der sein Unternehmen Turner Broadcasting 1995 an Time Warner verkauft hatte und seitdem eine gewichtige Stimme im Board of Directors hat. Im Dezember 2001 sagte er auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion: "Mein Unternehmen an Time Warner und Mr. Levin zu verkaufen, war der größte Fehler meines Lebens. Ich hätte das Unternehmen kaufen sollen und Gerald Levin feuern, bevor er mich feuerte". Einen Monat später dankte Levin ab.

Nun soll sich Turner nach Angaben der "NYT" auch auf Case eingeschossen haben. Dem Bericht zufolge soll sich der einstige Kabelpionier mittlerweile offensiv für den Rauswurf von Case einsetzen. Bei dem Board-Treffen im September habe er noch nicht zugeschlagen, weil eine Abwahl in diesem Gremium aussichtlos gewesen wäre. Nach internen Regelungen des Konzerns kann der Chairman nur mit einer Dreiviertel-Mehrheit aus dem Amt gejagt werden. Außerdem, so die "NYT", habe AOL-Time-Warner-Chef Richard Parsons den verärgerten Großaktionär Turner in einem persönlichen Gespräch vor dem Treffen besänftigt.

Nach Einschätzung der "NYT" ist dies jedoch nur der Anfang eines langen Kampfes. Mehr Chancen rechnete sich die Case-Gegner bei der Hauptversammlung im Mai nächsten Jahre aus. Dort müssen die Board-Mitglieder nämlich von den Aktionären in ihrem Amt bestätigt werden. Gerüchten zufolge haben sich neben Turner auch noch andere große Anteilseigner wie John Malone und das Unternehmen Capital Research & Management kritisch über Steve Case geäußert.