Arbeitskampf Pilotenstreik bei Lufthansa-Tochter beendet
Frankfurt am Main/Hamburg - Aufatmen bei der Lufthansa: Die streikgeplagte Gesellschaft will nach dem Ende des Pilotenausstands so schnell wie möglich zum geregelten Linienverkehr zurückkehren. "Im Laufe des Nachmittags wird sich der Flugbetrieb bei CityLine normalisieren", sagte ein Unternehmenssprecher.
CityLine-Maschine: "Reisende nicht unnötig beeinträchtigen"
Foto: DPAIm Tarifkonflikt zwischen den Piloten des Tochterunternehmens und der Airline gibt es allerdings noch keine Lösung. Gewerkschaft und Arbeitgeber forderten am heutigen Freitag von der anderen Seite ein Signal. "Vor dem 36-Stunden-Streik hat es Sondierungsgespräche mit CityLine gegeben, in denen wir unsere Forderungen deutlich gemacht haben", sagt Cockpit-Sprecherin Ilona Ritter SPIEGEL ONLINE. "Wir werden Lufthansa nun in der nächsten Woche Zeit geben, darauf zu reagieren." Wie hoch die Forderungen der Pilotengewerkschaft konkret sind, sagte Ritter nicht.
Die Pilotenvereinigung wirft der Lufthansa vor, bisher kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt zu haben. Insidern zufolge fordert Cockpit für CityLine-Piloten ähnliche Gehaltsstrukturen wie beim Mutterkonzern. "Diese Forderung ist utopisch", sagt Konzernsprecher Michael Lamberty SPIEGEL ONLINE: "Darauf kann Lufthansa nicht eingehen, zumal CityLine-Piloten schon jetzt 20 bis 25 Prozent mehr Lohn erhalten als das Cockpitpersonal anderer Regionalfluglinien."
Die CityLine-Geschäftsführung hatte zuletzt 5,5 Prozent mehr Geld bei 18 Monaten Laufzeit sowie eine Einmalzahlung von 5000 bis 7000 Euro angeboten. "Es liegt nun bei Cockpit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren", sagte Lamberty. Lufthansa habe bereits vor Wochen angedeutet, dass das vorliegende Angebot "nicht das letzte Wort sein muss".
"Wir müssen sehr darauf achten, dass kein Präzedenzfall entsteht und demnächst noch weitere Spezialgewerkschaften anklopfen, um für ihre Klientel eine jeweils gesonderte Forderung durchzusetzen", sagte Lamberty weiter. Hier sei auch der Gesetzgeber in der Pflicht.
Der Arbeitskampf hatte in den vergangenen Tagen den Flugplan der Gesellschaft beeinträchtigt. Allein heute fielen etwa 140 Verbindungen aus. Betroffen war vor allem der Flughafen München, wo besonders viele Flüge von der Regionaltochter durchgeführt werden. Bereits vergangene Woche hatte ein Streik des Bodenpersonals bei der Lufthansa für Turbulenzen gesorgt.
Die Piloten des Lufthansa-Mutterkonzerns drohen unterdessen ihrerseits mit Warnstreiks. Sie fordern eine Konzern-Personalvertretung bei Deutschlands größter Fluggesellschaft. Ursprünglich hatte Cockpit schon diese Woche einen dreistündigen Ausstand erwogen. Die Lufthansa drohte daraufhin mit einer Schadenersatzklage. Kritiker werfen Cockpit vor, nach dieser Warnung eingeknickt zu sein - und als Ersatz überraschend die kleine Tochter CityLine bestreikt zu haben.
Cockpit-Sprecherin Ritter wies dies gegenüber SPIEGEL ONLINE zurück: "Beide Arbeitskämpfe laufen parallel", sagt sie. Der Ausstand bei CityLine sei lange geplant gewesen, auch wenn er überraschend angekündigt wurde. "Auch die Verhandlungen mit dem Mutterkonzern laufen weiter - zur Not werden wir auch hier durch Streiks Druck aufbauen." Sie hoffe jedoch auf eine Einigung ohne weiteren Arbeitskampf. "Es ist nicht in unserem Interesse, Reisende unnötig zu beeinträchtigen."
ssu/suc/dpa-AFX