Arbeitslosigkeit: Rechentrick soll Quote drücken - DER SPIEGEL
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Arbeitslosigkeit Rechentrick soll Quote drücken

Weil die Arbeitslosigkeit nicht wie versprochen fällt, sucht die SPD nach Auswegen. Aus der Bundestagsfraktion kommt nun der Vorschlag, die Berechnungsmethoden für die Erwerbslosenstatistik zu ändern. Schon gäbe es 500.000 Job-Suchende weniger.
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München - Der Vorstoß kommt vom sozialpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner. Er hat gefordert, die Berechnung der Arbeitslosenquote den Standards anderer westeuropäischer Länder anzupassen: "Diejenigen, die faktisch gar keine Arbeit suchen, sollten in der Statistik auch nicht mehr erscheinen", meint der Politiker. Durch diese statistische Bereinigung könnte die offizielle Zahl der Erwerbslosen von derzeit 3,85 Millionen auf 3,35 Millionen fallen.

Wie Brandner dem Magazin "Focus" berichtete, wird über diesen Vorschlag derzeit in der Bundestagsfraktion der Sozialdemokraten diskutiert. Die Änderung könne nach der Bundestagswahl im September 2002 in Kraft treten.

Bei den Personen, die nach Brandners Vorstellung nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftauchen sollten, handelt es sich in erster Linie um ältere Arbeitnehmer und Hausfrauen, die zwar arbeitslos gemeldet seien - aber nur noch aus Gründen der Rentenberechnung.

Die Bundesregierung hatte ursprünglich für kommendes Jahr einen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf rund 3,5 Millionen in Aussicht gestellt. Inzwischen erwarten die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute jedoch, dass die Arbeitslosenzahl im kommenden Jahr sogar geringfügig steigt.

Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, forderte unterdessen ein höheres Engagement der Arbeitgeber, um Beschäftigungsmöglichkeiten effektiver zu nutzen. Insbesondere über die Einrichtung von neuen Teilzeitstellen müsse nachgedacht werden. Jagoda sprach sich auch dafür aus, staatliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen attraktiver zu machen. Dafür sollte ein eigener Tarifvertrag eingeführt werden.