Bankgesellschaft Berlin Zukunft ungewiss
Berlin - Nach den dem Aufsichtsrat vorliegenden Unterlagen entstand vor allem wegen grober Schieflagen im Immobiliengeschäft im Konzern ein Verlust von 1,471 Milliarden Euro. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) hat nach seinen Sonderprüfungen bei der Bank einen Kapitalbedarf von zwei Milliarden Euro (gut 3,9 Milliarden Mark) ermittelt. Das Land Berlin ist im Notfall auch bereit, diesen Bedarf alleine zu übernehmen. Das Abgeordnetenhaus hatte dem Senat vergangene Woche hierfür grünes Licht gegeben.
Wichtiger als die Bewältigung der Altlasten, für die das Land Berlin als Mehrheitsaktionär (56,6 Prozent) bereit ist einzustehen, ist die Neuausrichtung des am Finanzplatz Berlin führenden Instituts. Offen ist immer noch, inwieweit sich die beiden anderen Großaktionäre, NordLB und Parion, an der zwingend notwendigen Kapitalerhöhung beteiligen.
Nach Informationen aus dem Aufsichtsgremium zeichnet sich ein Modell ab, wonach dem Bank-Konzern zum einen Kapital über eine stille Beteiligung und zum anderen über eine Kapitalerhöhung zufließen soll. Nach einem Bericht der "Berliner Morgenpost" könnten die neuen Aktien zu einem Stückpreis von 2,56 Euro im Verhältnis von eins zu vier oder aber auch von eins zu zwei angeboten werden. Die Norddeutsche Landesbank Girozentrale (NordLB) hält 20 Prozent und die Kölner Parion-Versicherungsgruppe 7,5 Prozent am Bankkonzern. Die im M-Dax notierte Aktie hatte am Freitag mit 8,95 Euro geschlossen.
Konzernchef Wolfgang Rupf muss sich auch einem Misstrauensvotum der Arbeitnehmervertreter stellen, nachdem dieses auf der letzten Aufsichtsratssitzung Anfang Juli aus formalen Gründen nicht hatte gestellt werden können.
"Wir bleiben dabei: Rupf muss sofort gehen", sagte Hartmut Friedrich, Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat, dem infoRadio Berlin-Brandenburg. Für die sofortige Ablösung von Rupf bedürfe es allerdings einer Zweidrittelmehrheit. Die Arbeitnehmer verfügen über 50 Prozent der Stimmen im Aufsichtsrat. Aus diesem Grund müsse man über mögliche andere Wege reden, wie Rupf abzulösen sei, sagte Friedrich.
Ermittlungen gegen Banker
Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft in mehreren Ermittlungsverfahren, ob Bankmanagern Fehlverhalten vorzuwerfen ist. Der "Berliner Morgenpost" zufolge will der Aufsichtsrat der Hautversammlung vorschlagen, die Entlastung des Vorstands bis zur Klärung der Regressansprüche und der Auswertung der Ergebnisse der Sonderprüfungen des BAKred sowie der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zurückzustellen.
Nach den aus dem Aufsichtsrat bekannt gewordenen Zahlen verbuchte der Konzern für 2000 einen Verlust von über 1,471 Milliarden Euro. Unter Herausrechnung von Veränderungen bei der Gewinnrücklage ergibt dies einen Jahresfehlbetrag von 1,629 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge für das Kreditgeschäft hat sich nach diesen Informationen im Geschäftsjahr 2000 auf 1,537 Milliarden Euro belaufen.
Offiziell dokumentiert wurde die Schieflage des Bank-Konzerns am Samstag mit der Veröffentlichung des Ergebnisses der zur Gruppe gehörenden Berlin-Hannoverschen Hypothekenbank (Berlin Hyp). Sie wies für 2000 einen Verlust von 561,6 Millionen Euro (Vorjahresgewinn 56,2 Millionen Euro) aus. Das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge sei auf 176,8 Millionen Euro von 232,1 Millionen Euro im Vorjahr gesunken, teilte das Institut am Samstag in Berlin mit. Nach Abzug der Risikovorsorge belaufe sich das Ergebnis auf minus 368,3 Millionen Euro.
Als Grund für den Verlust nannte die Berlin Hyp neben der schwierigen Lage auf dem Immobilien- und Kapitalmarkt und der nötigen Neubewertung der Risiken des Kreditbestandes hohe Aufwendungen für das verlustschreibende Immobilien- und Baumanagement der Bankgesellschaft Berlin (IBG). Der Bilanzverlust reduziere das Kernkapital der Bank von 788,1 Millionen auf 206,5 Millionen Euro, hieß es weiter. Dies sei dem Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen schriftlich angezeigt worden.